Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) will die steuerliche Behandlung von Kryptowährungen grundlegend ändern. Nach seinen Plänen soll die bisherige Einjahresfrist, nach der Gewinne aus dem Verkauf von Bitcoin und anderen Digitalwährungen steuerfrei bleiben, abgeschafft werden. Künftig sollen Krypto-Gewinne wie Aktienerlöse besteuert werden, also mit der Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Das berichtet der Tagesspiegel unter Berufung auf dpa.
Bitcoin-Kurs halbiert – Anleger in Wartestellung
Die Ankündigung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Bitcoin-Kurs bereits deutlich unter Druck steht. Nach einem Rekordhoch im vergangenen Herbst hat sich der Kurs nahezu halbiert und pendelt seit Monaten zwischen 60.000 und 65.000 US-Dollar. Viele Anleger, die auf schnelle Gewinne gehofft hatten, sitzen nun auf Verlusten oder warten auf eine Erholung.
In Deutschland besitzen laut einer repräsentativen YouGov-Umfrage im Auftrag der Beratung BearingPoint rund 12,8 Prozent der Erwachsenen Kryptowährungen – das entspricht etwa 8,9 Millionen Menschen. Weitere 4,9 Prozent haben bereits verkauft, während 11,4 Prozent über einen Einstieg nachdenken. Die große Mehrheit von 67,4 Prozent lehnt Investitionen in Krypto jedoch kategorisch ab.
Generationen- und Geschlechtergefälle
Die Umfrage zeigt deutliche Unterschiede: Fast jeder fünfte Mann hält digitale Assets, aber nur etwa jede dreizehnte Frau. Bei den 25- bis 34-Jährigen liegt die Besitzerquote bei 28,4 Prozent, während die Über-55-Jährigen kaum Interesse zeigen. Unter den Anlegern dominieren Bitcoin (75 Prozent), gefolgt von Ethereum (über ein Drittel) und Solana (über ein Fünftel). Memecoins wie Dogecoin spielen nur eine Nebenrolle.
Die Mehrheit der Krypto-Besitzer ist sich des Risikos bewusst: 38 Prozent der aktiven Anleger sehen ihr Engagement primär als Spekulation. In der Gesamtbevölkerung halten 32,7 Prozent Kryptowährungen für hochspekulativ. Nur rund 5 Prozent betrachten sie als verlässlichen Wertspeicher in Krisenzeiten.
Kritik an der Steuerplänen
Die geplante Abschaffung der Haltefrist stößt auf Widerstand. Mehr als 40 Prozent der Bevölkerung und über 70 Prozent der Krypto-Investoren glauben, dass dies die Attraktivität von Krypto-Anlagen drastisch verringern würde. Zudem sprechen sich 37,6 Prozent der Befragten dafür aus, langfristige Anleger steuerlich zu bevorzugen, während 24,2 Prozent dies ablehnen. Unter den aktiven Krypto-Besitzern ist die Zustimmung mit 80,8 Prozent besonders hoch.
Robert Bosch, globaler Leiter Financial Services bei BearingPoint, warnt: „Kryptowährungen haben die Nische verlassen, sind in der Breite der Gesellschaft aber noch nicht angekommen.“ Er betont, dass die steuerliche Behandlung entscheidend für Vertrauen und internationale Wettbewerbsfähigkeit sei. „Damit digitale Vermögenswerte dauerhaft Akzeptanz finden, braucht es Vertrauen, Verständlichkeit und einen verlässlichen institutionellen Rahmen.“
Offene Fragen und Koalitionsstreit
Viele Details der Pläne sind noch unklar, etwa Übergangsregelungen. Zudem ist fraglich, ob der Koalitionspartner CDU/CSU die Pläne unterstützt, da im Koalitionsvertrag Steuererhöhungen ausgeschlossen wurden. Finanzminister Klingbeil kann angesichts schwankender Kurse ohnehin nicht mit stabilen Steuereinnahmen rechnen. Die Debatte zeigt die große Orientierungslosigkeit: 39 Prozent der Befragten trauen sich kein Urteil über das beste Steuermodell zu.



