Eskalation im Übernahmekampf: UniCredit droht Commerzbank-Vorstand mit Absetzung
Der Übernahmekampf zwischen der Commerzbank und der italienischen Großbank UniCredit spitzt sich dramatisch zu. Was als verdecktes Foulspiel begann, hat sich zu einer offenen Konfrontation entwickelt. UniCredit wirft dem Commerzbank-Vorstand um Bettina Orlopp Obstruktion vor und droht indirekt damit, die Kontrolle im Aufsichtsrat zu übernehmen und den Vorstand abzuberufen. Beide Seiten haben inzwischen die Finanzaufsicht Bafin eingeschaltet.
UniCredit erhöht Druck auf Commerzbank
Die Mailänder Großbank, die die Frankfurter Bank gegen deren Willen übernehmen will, kritisierte die Commerzbank-Führung scharf. In einer Stellungnahme warf UniCredit der Commerzbank vor, mit „unzutreffenden und irreführenden Informationen“ von den Vorteilen einer Übernahme ablenken zu wollen. Die Italiener drohen nun damit, auf der Hauptversammlung genügend Unterstützung von Aktionären zu gewinnen, um alle Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat zu wählen. Dieser wäre dann befugt, den Vorstand abzuberufen. Eine einfache Mehrheit dafür sei für UniCredit bereits greifbar nah.
Commerzbank-Chefin Orlopp wehrt sich
Bettina Orlopp, Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, wies die Vorwürfe zurück. Auf einer Veranstaltung erklärte sie: „Wir tun eigentlich nichts dafür, um das hochzuspielen.“ Sie betonte, es sei ökonomisch irrational, das UniCredit-Angebot anzunehmen. „Wir wollten nur sicherstellen, dass nicht der Eindruck entsteht, dass das jetzt ein attraktives Angebot ist.“ Orlopp kritisierte die Drohungen von UniCredit als „nicht ideal“ und unruhestiftend. Dennoch zeigte sie sich gesprächsbereit, allerdings nur unter der Bedingung, dass UniCredit den Aktionären eine Prämie auf den Aktienkurs biete.
Bundesregierung als zweitgrößter Aktionär
Die Bundesregierung, die mit zwölf Prozent an der Commerzbank beteiligt ist, hat das Recht, zwei Aufsichtsräte zu nominieren. Eine Wahl dieser Kandidaten ist jedoch nicht garantiert. Die Regierung hatte zuvor das Vorgehen von UniCredit als „unfair“ kritisiert. Im Falle einer Übernahme durch UniCredit könnte der Einfluss des Bundes schwinden.
Bafin soll mögliche Absprachen prüfen
Die Commerzbank hatte die Bafin eingeschaltet, um zu prüfen, ob UniCredit und ihre Derivate-Partner unzulässige Absprachen („Acting in Concert“) getroffen haben. Sollte dies der Fall sein, müssten die Anteile addiert werden, was UniCredit zu einem höheren Pflichtangebot zwingen könnte. UniCredit konterte, indem sie ebenfalls die Bafin einschaltete und der Commerzbank vorwarf, mit irreführenden Informationen zu arbeiten. Die Italiener betonten, dass die eingelieferten Aktien unwiderruflich gebunden seien und die Behauptungen der Commerzbank jeder Grundlage entbehrten.
Hintergrund des Übernahmestreits
UniCredit hält bereits 26,8 Prozent an der Commerzbank und könnte durch angediente Aktien und Optionen auf bis zu 41,8 Prozent aufstocken. Die Übernahmepläne stoßen jedoch auf Widerstand der Commerzbank-Führung, die eine feindliche Übernahme verhindern will. Die Münchner HypoVereinsbank (HVB), die bereits vor 20 Jahren von UniCredit übernommen wurde, dient als Beispiel für die Integrationsstrategie der Italiener. Die HVB ist seither geschrumpft, aber profitabel.
Der Übernahmekampf bleibt angespannt, und beide Seiten scheinen bereit, alle rechtlichen und regulatorischen Mittel auszuschöpfen. Die Entscheidung der Bafin könnte richtungsweisend für den weiteren Verlauf sein.



