Schuldnerberaterin aus Berlin berichtet von ihren schlimmsten Fällen
Schuldnerberaterin aus Berlin berichtet von ihren schlimmsten Fällen

Schulden in sechsstelliger Höhe, bis zu 100 Gläubiger, Spielsucht und familiäre Krisen: Die Fälle, die Schuldnerberaterin Vanessa Lehmann aus Berlin erlebt, machen selbst sie manchmal sprachlos. „Es gibt Momente, da frage ich mich wirklich: Wie hat ein Verbraucher es geschafft, so tief ins Minus zu rutschen?“, sagt sie im Gespräch mit BILD.

Dass Schulden auf 500.000 Euro oder sogar in auf eine Million oder mehr anwachsen, sei keine Seltenheit. Besonders bei Suchterkrankungen wie Spiel- oder Kaufsucht werde jeder neue Kredit zur vermeintlichen Rettung – und verschärfe die Lage weiter. Ein 45-jähriger Berliner etwa hatte bei ihr am Ende rund 100 einzelne Gläubiger – üblich sind sonst 10 bis 20.

Besonders im Gedächtnis geblieben ist ihr auch ein 85-Jähriger. Über Jahre hatte er zahlreiche Kredite aufgenommen und sich immer weiter verschuldet. Kurz vor seinem Lebensende suchte er Hilfe – in der Hoffnung, seine Finanzen noch zu ordnen und schuldenfrei gehen zu können. Solche Einzelschicksale gehen der Expertin sehr nahe. In einigen Fällen erlebt sie, wie Menschen keinen Ausweg mehr sehen.

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Wer glaubt, Überschuldung beginne erst bei ein paar offenen Rechnungen, liegt falsch. Häufig startet die Spirale schleichend – etwa mit Immobilien-Finanzierungen, Kreditkarten oder Onlinekrediten. „Manche haben bereits eine katastrophale Schufa und bekommen trotzdem noch irgendwo einen Internetkredit. Dann hier noch eine Kreditkarte, dort noch ein Schnellkredit – und plötzlich ist die Summe sechsstellig.“

Häufig wird bei Spiel- oder Kaufsucht jeder neue Kredit zur vermeintlichen Rettung – und verschlimmert alles. Aber auch ganz normale Entscheidungen werden schnell zur Kostenfalle: etwa das Auto. Kreditrate, Sprit, Versicherung, Reparaturen – und gleichzeitig verliert der Wagen rasant an Wert. Selbst nach der Rückgabe bleibt oft eine Restschuld. Typischer Ablauf: neuer Job, mehr Gehalt – und plötzlich wird über die eigenen Verhältnisse gelebt. Gerade jungen Menschen fehle oft finanzielle Bildung, sagt die Expertin. „Dann wird eben viel Geld ausgegeben, obwohl man sich das vielleicht nicht leisten kann.“

Hinter den finanziellen Problemen stünden meist weitere Belastungen: Trennung, Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Sucht. Besonders häufig betroffen seien Menschen zwischen 35 und 45 Jahren, oft mit Kindern, nach einer Scheidung und mit einem Nettoeinkommen von 2000 bis 2500 Euro. „Die Trennung ist häufig der Auslöser“, sagt Lehmann. Neue Wohnung, Möbel, Unterhalt und nur noch ein Einkommen – so beginne oft die Schuldenspirale.

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