Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS, Hersteller des Kampfpanzers Leopard 2 und der Panzerhaubitze 2000, hat seinen geplanten Börsengang überraschend auf Eis gelegt. Das Unternehmen begründete den Schritt mit aktuellen Marktschwankungen und kündigte an, den Börsengang erst bei Wiederkehr besserer Marktbedingungen fortzusetzen. Zuvor hatte die „Financial Times“ berichtet, dass die Eigentümer Schwierigkeiten hätten, Investoren von der angestrebten Bewertung von mehr als 12 Milliarden Euro zu überzeugen.
Börsengang sollte einer der größten in der Rüstungsbranche werden
Der Börsengang von KNDS war als Doppelnotierung in Frankfurt und Paris geplant, wie das Unternehmen Ende Juni mitteilte. Vorausgegangen war eine Einigung zwischen der deutschen und der französischen Regierung über die künftige Eigentümerstruktur. Demnach sollten die Bundesrepublik Deutschland und der französische Staat jeweils 40 Prozent der Anteile an KNDS erwerben. Die verbleibenden 20 Prozent sollten im Zuge des Börsengangs an institutionelle Investoren veräußert werden. Der Schritt sollte einer der größten Börsengänge im europäischen Verteidigungssektor der jüngeren Geschichte werden.
KNDS ist aus der Fusion von Krauss-Maffei Wegmann und dem französischen Unternehmen Nexter hervorgegangen. Der Konzern beschäftigt rund 11.000 Mitarbeiter und unterhält weltweit 34 Standorte, davon elf in Deutschland. Zu den deutschen Werken gehören Standorte in Hamburg, Remscheid, Mülheim an der Ruhr und Ebeleben in Thüringen. In Frankreich gibt es zehn KNDS-Standorte. Der Umsatz des Konzerns lag im vergangenen Jahr bei 4,4 Milliarden Euro.
Ukraine-Krieg und Aufrüstung bescheren KNDS Rekordaufträge
KNDS profitiert wie kaum ein anderer Rüstungskonzern von den Folgen des Ukraine-Kriegs und der europäischen Aufrüstung. Die Aufträge des Unternehmens befinden sich auf einem Allzeithoch. Neben dem Kampfpanzer Leopard 2 stellt KNDS auch den Schützenpanzer Puma, gepanzerte Boxer-Fahrzeuge und Artilleriesysteme wie die Panzerhaubitze 2000 her. Die Bundesregierung hatte erst kürzlich angekündigt, sich an dem Konzern zu beteiligen.
Allerdings schwankten Rüstungsaktien zuletzt stark, nachdem sie in der Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine vor gut vier Jahren zunächst kräftig zugelegt hatten. Ein warnendes Beispiel ist der tschechische Rüstungskonzern CSG, der im Januar einen starken Start beim Börsengang hingelegt hatte, dessen Aktie aber inzwischen mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren hat. Diese Marktentwicklung dürfte auch die Entscheidung von KNDS beeinflusst haben, den Börsengang vorerst zu verschieben.



