Geheime Strategien auf Aida: Gäste zahlen für Langeweile und kämpfen um Liegen
Aida: Gäste zahlen für Langeweile, kämpfen um Liegen

Geheime Strategien auf Aida: Gäste zahlen für Langeweile und kämpfen um Liegen

Kreuzfahrten versprechen Erholung, Abenteuer und exklusive Erlebnisse, doch viele Reisende übersehen die bewusst eingeplanten und häufig verlängerten Seetage. Laut einem ehemaligen Mitarbeiter von AIDA Cruises verfolgt die Reederei mit diesen Tagen sowohl ökonomische als auch praktische Ziele, wie in der ZDF-Dokumentation „Die Insider“ deutlich wird. Diese Strategien nutzen die Langeweile der Gäste aus, um erhebliche Gewinne zu erzielen.

Seetage bedeuten Geld in die Kassen von Aida

Urlauber verbringen scheinbar endlose Stunden auf dem Schiff, während die Reedereien sie vom Landgang ausschließen und selbst profitieren. Daniel, der fünf Jahre auf Aida-Schiffen tätig war, erklärt, dass die Strecke von Gran Canaria nach Madeira deutlich schneller zurückgelegt werden könnte. Doch das Unternehmen zieht es aus wirtschaftlichen Gründen vor, die Schiffe gemächlich vorankommen zu lassen: Durch langsames Fahren spart es Treibstoff und senkt die Hafenliegegebühren. Gleichzeitig nutzt die Reederei die Langeweile der Gäste, um daraus wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen.

Ohne Mehrwertsteuer: Duty-free-Shops als Goldgrube

An Bord suchen die Passagiere aktiv nach Unterhaltung, sei es im kostenpflichtigen Spa-Bereich, an den Bars oder in den Shops. Die Reederei animiert sie mit limitierten Sonderangeboten zum Kauf – beispielsweise durch „Happy Hour“-Angebote oder zeitlich begrenzte Rabatte. Auch steuerliche Vorteile locken die Gäste: Auf offener See verwandeln sich die Geschäfte in Duty-free-Shops. Eine wahre Goldgrube sind zudem die uneingeschränkten Glücksspiele, die zusätzliche Einnahmen generieren.

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Plätze schon am ersten Tag sichern: Engpässe in Restaurants

An Tagen mit besonders hoher Passagierzahl, teilweise bis zu 5000 Menschen, verschärfen sich die Engpässe in den beliebten Bereichen. Die Gäste buchen die À-la-carte-Restaurants oft nicht schnell genug, sodass viele auf das Buffetangebot ausweichen müssen. Insiderin Ina erklärt in der ZDF-Doku, die 2023 erstmals ausgestrahlt wurde und jetzt in der Mediathek verfügbar ist, dass viele Erstfahrer oft nicht daran denken, ihre Plätze in diesen Restaurants bereits am ersten Reisetag zu reservieren. Wer das nicht rechtzeitig macht, riskiert Enttäuschungen.

Trotzdem muss niemand auf dem Kreuzfahrtschiff verhungern, wie eine Umfrage unter 1000 Kreuzfahrturlaubern zeigt. Die Passagiere nehmen im Schnitt 5000 Kalorien pro Tag zu sich, was schnell ihr Gewicht um zwei bis drei Kilogramm erhöhen kann.

Containerschiffe liefern die Nahrungsmittel: Frische in Frage gestellt

Die Gäste in den Restaurants entscheiden sich besonders gern für Fisch. Insider Daniel erklärt, dass Aida Cruises den vermeintlich frischen Fisch oft nicht in der erwarteten Frische liefert. Aus logistischen und wirtschaftlichen Gründen kauft das Unternehmen die Nahrungsmittel zentral ein und verteilt sie anschließend von Hamburg aus weltweit per Containerschiff. Diese Schiffe benötigen für die Lieferung bis zu 14 Tage, was die Qualität beeinträchtigen kann.

Kampf um die Liege auf dem Sonnendeck: Raffinierte Tricks der Urlauber

Auch das Sonnendeck kann an solchen Seetagen zum Schauplatz von Konflikten werden. Frühmorgens reservieren Urlauber ihre Liegen mit Handtüchern, sehr zum Unmut derer, die später kommen. Hier greift das eingeführte Konzept der „Liegeengel“. Diese besonderen Mitarbeiter entfernen Handtücher von unbenutzten Liegen, um eine gerechtere Verteilung zu ermöglichen. Ganz raffinierte Urlauber haben das System aber durchschaut und lassen persönliche Dinge wie eine Sonnenbrille, ein Buch oder eine Zeitung auf der Liege zurück. Dann dürfen die Liegen nicht geräumt werden und andere Urlauber haben das Nachsehen. Insiderin Nina sagt, dass das Sonnendeck mindestens dreimal so groß sein müsste, um allen Gästen gerecht zu werden.

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