Schottischer Bauernhofurlaub: Farmstay mit flauschigen Galloway-Rindern
Farmstay in Schottland: Urlaub mit Galloway-Rindern

Schottischer Bauernhofurlaub: Farmstay mit flauschigen Galloway-Rindern

In der hügeligen Bilderbuchlandschaft von Dumfries und Galloway im Südwesten Schottlands grasen sie auf satten Weiden: die berühmten Galloway-Rinder. Diese zotteligen Hingucker mit ihrem charakteristischen Aussehen prägen die Kulisse der landwirtschaftlich dominierten Region. Während eines Farmstays können Besucher die friedlichen Tiere näher kennenlernen und in den authentischen Alltag auf einem schottischen Bauernhof eintauchen.

Low Kirkbride Farm: Leben mit den Belties

Während ein Sturm über die Landschaft fegt und Regen auf den Offenstall prasselt, wird auf der Low Kirkbride Farm ein besonderes Ereignis zelebriert: die Geburt eines Kälbchens. Kurz nach der Ankunft steht das flauschige Wesen mit Teddybärohren bereits auf wackeligen Beinen und sucht die Milchquelle bei Mutterkuh Xandra. Das Kalb trägt den typischen weißen Gürtel – auf Englisch belt – der sich mittig um den schwarzen Körper zieht. Diese Zeichnung ist das unverkennbare Markenzeichen der Rasse Belted Galloways, die von ihren Besitzern liebevoll „Belties“ genannt werden.

Farmerin Zan Kirk strahlt: „Neues Leben – die Kälberzeit ist meine absolute Lieblingszeit.“ Gemeinsam mit ihrem 77-jährigen Mann Joe bewirtschaftet die agile 72-Jährige den Hof nördlich von Dumfries seit vier Jahrzehnten. In dieser Zeit hat sich viel verändert. Die wichtigste Neuerung: Die Kirks empfangen zahlende Gäste und lassen sie während eines Farmstays am Hofleben teilhaben.

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Noch vor der Jahrtausendwende verkauften sie ihre Milchkühe, stellten 1998 auf Biolandwirtschaft um und erwarben ihre ersten zwei Belties. Aus dieser bescheidenen Anfangsherde sind heute 27 Kühe herangewachsen. Zusammen mit den Jungtieren grasen insgesamt etwa 80 Rinder auf den satten, hügeligen Weiden, die sich wie ein grünes Wellenmeer um die Farm erstrecken. Die herrliche Landschaft lässt sich vom gemütlichen Cottage aus auf ausgedehnten Wanderungen erkunden.

Vom Melkstall zur Ferienwohnung

Den ehemaligen Melkstall und das angrenzende Cottage, in dem früher Käse gelagert wurde, haben die Kirks in zwei gemütliche Ferienwohnungen verwandelt. Ihre internationalen Gäste sind nicht nur von den hübschen Belties begeistert. Auch Collie Swiftie, drei britische Reitponys, eine Handvoll gackernder Hühner und mit etwas Glück verspielte Kätzchen sind auf Low Kirkbride zu Hause und freuen sich über Streicheleinheiten.

Zudem fressen sich etwa zwanzig Schafe auf den Weiden satt. Während der Lammzeit von März bis Mai sind Gäste sogar eingeladen, einige kleine Lämmer mit der Flasche zu füttern – ein absolutes Highlight, das nicht nur Kinderherzen höherschlagen lässt.

Glücklich über den Herdenzuwachs gönnt sich Zan einen Tee – natürlich aus einem Becher mit Beltie-Design. Auch Beltie-Brettchen und Fotos zieren die Küche der Kirks. Auf dem Tisch liegt eine Ausgabe von „The Scottish Farmer“. Statt Gardinen rahmen kunterbunte Rosetten das große Küchenfenster. Hinter dieser Scheibe läuft rund um die Uhr „Beltie-Kino“: Selbst an grauen Tagen leuchten die Rinder wie weiße Farbtupfer in der Ferne.

Zuchtshows und prächtiges Vieh

Die schönsten und stattlichsten Belties verlassen mehrmals im Jahr die Farm – und gehen auf Tour. „Zuchtshows sind eine echte Leidenschaft von mir“, erklärt Zan stolz. „Unsere Beltie-Färse 'Autumn Red' hat im Juni den zweiten Platz auf der Royal Highland Show gewonnen.“ Diese prestigeträchtige Farm Show vor den Toren Edinburghs gilt als wichtigstes Event für das Renommee der Tiere.

Prämiert werden verschiedene Rinder-, aber auch Schaf- und Pferderassen. Das mehrtägige Event hat längst Volksfestcharakter erreicht. Und es ist bei weitem nicht das Einzige: In der Region Galloway beliebt ist etwa auch die Wigtown Show Anfang August, ein örtliches Großevent, bei dem neben Vieh und Schafen auch Ziegen und Pferde im Rampenlicht stehen.

Stets im Herbst steht zudem die große Beltie-Show in Castle Douglas an. Auch dafür werden Joe und Zan die Kühe waschen und föhnen, damit ihr zweilagiges, gewelltes Fell perfekt glänzt. Weitere gewünschte Eigenschaften bei den Zuchttieren sind eine breite Stirn, ein kurzer Kopf mit kräftigem Kiefer und eine kompakte, rechteckige Statur.

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Erfahrung und Tradition

Auch der erfahrene Galloway-Farmer Peter Hunter Blair weiß genau, worauf es bei der Zucht ankommt. Auf der Beltie-Show werden seine einfarbig pechschwarzen Galloways jedoch nicht vertreten sein. Sie gehören als eigenständige Rasse einem anderen Zuchtverband an, dessen Vorstandsposten er selbst zwei Jahre innehatte.

Seinen Hof erreicht man über eine einspurige, kurvenreiche Straße, die durch erhabene Landschaft führt, geprägt von rollenden Hügeln, dichten Wäldern und malerischen Flusstälern. Wollige Schafe grasen am Wegesrand. Auf gut dreißig Kilometern begegnet man kaum einem anderen Auto. Zuletzt kreuzt die einsame Straße den berühmten Weitwanderweg „Southern Upland Way“, der über 340 Kilometer von der West- bis zur Ostküste Südschottlands verläuft.

Schließlich taucht ein Schild auf: Nether Clough Farm. Sanft fällt das Land zum tiefblauen Carsfad Loch ab. Jenseits des Sees schwingen sich die Berge zum Galloway Forest Park auf – Schottland wie aus dem Bilderbuch.

„Nutzen wir schnell die Regenpause“, rät Peter, holpert mit dem Quad über wilde Weiden und stapft in Gummistiefeln das letzte Stück zur Herde, die den fremden Gast argwöhnisch beäugt. Peter ist begeistert von Galloways: Sie seien friedlich, gute Futterverwerter, und die Muttertiere brächten die Kälber ohne fremde Hilfe zur Welt.

Abschied und Zukunft

Nach mehrjähriger Pflege die Tiere zum Schlachter zu bringen, beschwert den erfahrenen Farmer jedoch zunehmend. Zumindest der Gedanke, dass es die Tiere ohne ihn gar nicht gäbe, tröste ihn etwas. Ärgerlich sei jedoch, dass manche Restaurants Galloway-Fleisch anböten, das zwar aus der Region, aber nicht von echten Galloway-Rindern stamme: „Im Zuchtverband suchen wir intensiv nach einer Lösung, wie man die Herkunft klarer und transparenter kennzeichnen kann.“

Zurück auf Low Kirkbride checkt Zan erfreut ihr Tablet: Der Preis für Beltie-Biofleisch ist gestiegen. Die Nachfrage nach umweltfreundlich und artgerecht erzeugtem Biofleisch ist deutlich vorhanden. Gut, dass es auch im Belted Galloway-Verband nicht an Nachwuchs mangelt. Und ans Aufhören denken Zan und Joe ohnehin noch lange nicht – die Leidenschaft für ihre Belties und die Gastfreundschaft auf der Farm sind ungebrochen.