Santa Cruz del Islote: Das Leben auf der am dichtesten besiedelten Insel der Welt
Im Karibischen Meer, etwa 20 Kilometer vor der kolumbianischen Küste, liegt eine winzige Insel, die aus allen Nähten platzt. Santa Cruz del Islote ist mit einer Fläche von nur etwa 0,012 Quadratkilometern die am dichtesten besiedelte Insel der Welt. Rund 900 Menschen leben hier in knapp 100 Gebäuden, was eine rechnerische Bevölkerungsdichte von etwa 75.000 Einwohnern pro Quadratkilometer ergibt – ein absoluter Weltrekord.
Die ungewöhnliche Besiedlungsgeschichte
Die Legende besagt, dass die Besiedlung der Insel aus einem ungewöhnlichen Grund begann: Mücken. Während die anderen Inseln des San-Bernardo-Archipels von den stechenden Plagegeistern heimgesucht wurden, blieb Santa Cruz del Islote davon verschont. Ein Fischer aus Barú entdeckte dieses Phänomen bei seiner Ankunft und beschloss, zu bleiben. Dieser Zufall zog bald weitere Siedler an, und heute ist die Insel komplett bebaut.
Das harte, aber glückliche Leben
Das Leben auf Santa Cruz del Islote ist von Entbehrungen geprägt:
- Trinkwasser wird von der kolumbianischen Marine nur alle drei Wochen geliefert.
- Strom kommt von Solaranlagen und einem Generator, der lediglich wenige Stunden täglich läuft.
- Einen Arzt gibt es nicht auf der Insel, und auch einen Strand sucht man vergebens.
- Der größte freie Platz ist nur halb so groß wie ein Tennisplatz, weshalb Fußballspielen unmöglich ist – die Bewohner fahren dafür auf Nachbarinseln.
Trotz dieser Herausforderungen berichten viele Insulaner von einem erfüllten Leben. Gewalt ist auf der Insel unbekannt, niemand schließt seine Türen ab, und eine Polizei wird nicht benötigt. Abends versammeln sich die Bewohner, um gemeinsam Seifenopern zu schauen. Für viele stellt die Insel ein wahres Paradies dar, in dem Gemeinschaft und Sicherheit im Vordergrund stehen.
Die Grenzen des Insellebens
Doch jedes Leben auf Santa Cruz del Islote endet irgendwann. Wenn ein Bewohner stirbt, muss er die Insel verlassen, da es hier keinen Friedhof gibt – der Platz fehlt schlichtweg. Verstorbene werden auf einer Nachbarinsel beerdigt, was die begrenzten räumlichen Verhältnisse deutlich macht.
Tourismus als Lebensgrundlage
Die Inseln des San-Bernardo-Archipels sind ein beliebtes Ziel für Touristen, und viele Bewohner von Santa Cruz del Islote leben vom Geschäft mit den Urlaubern. Die meisten Besucher kommen aus der Hafenstadt Santiago de Tolu, von wo aus die Bootsfahrt etwa 45 Minuten dauert. Für Abenteuerlustige gibt es sogar die Möglichkeit, auf der Insel zu übernachten: Ein kleines Hostel ermöglicht eine Nacht auf der vollsten Insel der Welt.
Santa Cruz del Islote bleibt damit ein faszinierendes Beispiel für extremes Inselleben, das trotz aller Widrigkeiten eine starke Gemeinschaft hervorgebracht hat.



