Bahnvorstand fordert Abberufung von Finanzchefin Dohm nach nur wenigen Monaten
Nach nur wenigen Monaten im Amt muss die Finanzvorständin der Deutschen Bahn, Karin Dohm, ihren Posten offenbar wieder räumen. Ein internes Schreiben, über das die Süddeutsche Zeitung berichtete, gibt Einblick in das katastrophale Verhältnis zu ihren Vorstandskollegen. Insgesamt fünf Vorstandsmitglieder, inklusive Bahn-Chefin Evelyn Palla, haben in dem Schreiben an den Aufsichtsratschef des Konzerns mit Dohm abgerechnet und um ihre Abberufung gebeten.
Drastische Worte im internen Schreiben
In dem Brief wählten die Führungskräfte drastische Worte. "Das Vertrauensverhältnis eines jeden Einzelnen zu Frau Dohm ist nachhaltig, tiefgreifend und unwiederbringlich gestört", heißt es darin. Weiter wird betont: "Die Zerrüttung ist derart, dass eine gedeihliche, konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit im Gremium nicht mehr möglich ist, solange Frau Dohm diesem angehört." Die Handlungsfähigkeit des Vorstands sei daher in erheblicher Weise beeinträchtigt.
Das Schreiben wurde sowohl von Bahn-Chefin Evelyn Palla handschriftlich unterzeichnet als auch von ihren vier Vorstandskollegen Michael Peterson, Martin Seiler, Bernhard Osburg und Harmen van Zijderveld. Es wird befürchtet, dass ein Fortbestand der schwerwiegenden Differenzen zwischen Dohm, dem restlichen Vorstand und der Belegschaft das Unternehmen ernsthaft schädigen könnte. Für eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit bestehe jedenfalls keinerlei Grundlage mehr.
Kurze Amtszeit und Konflikte
Karin Dohm war erst im Dezember als Finanzvorständin bestellt worden. Ende Februar wurde bekannt, dass sich die Deutsche Bahn nach nur drei Monaten schon wieder von ihr trennen will. In dieser kurzen Zeit hatte Dohm viele mächtige Interessenvertreter, wie den Betriebsrat, gegen sich aufgebracht. Dies geschah etwa durch unabgesprochenes Vorgehen bei der Aufspaltung der Bahn-Tochter DB Services.
Laut der Süddeutschen Zeitung finden derzeit Gespräche statt, um eine mögliche einvernehmliche Trennung zu beschließen. Sollte bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung keine Lösung gefunden werden, möge der Aufsichtsrat laut dem Schreiben "zum Wohle des Unternehmens" den "sofortigen Widerruf der Bestellung von Frau Dohm" beschließen. Dohm hat aufgrund ihrer kurzen Dienstzeit Anspruch auf eine hohe Abfindung, die bis zu zwei Jahresgehälter betragen kann.
Dieser Vorfall unterstreicht die internen Spannungen bei der Deutschen Bahn und wirft Fragen zur Stabilität der Führungsetage auf. Die Entwicklung wird von Beobachtern mit Spannung verfolgt, da sie potenzielle Auswirkungen auf die strategische Ausrichtung des Konzerns haben könnte.



