Der Oberste Gerichtshof der USA hat am Donnerstag zugunsten von Bayer entschieden und damit tausenden Klagen wegen des Unkrautvernichters Glyphosat die rechtliche Grundlage entzogen. Die Richter in Washington urteilten, dass die Zulassungsvorgaben der US-Bundesbehörden Vorrang vor dem Recht einzelner Bundesstaaten haben. Bayer hatte argumentiert, dass die US-Umweltschutzbehörde EPA den Wirkstoff als nicht krebserregend einstuft und entsprechende Warnhinweise daher nicht zulässig seien.
Entscheidung des Supreme Court
Mit dem Urteil vom Donnerstag bestätigte der Supreme Court die Position des Chemiekonzerns, dass bundesstaatliche Regelungen zu Warnhinweisen auf Glyphosat-Produkten nicht über den Vorgaben der EPA stehen dürfen. Dies entzieht den Klägern, die eine unzureichende Kennzeichnung mit Krebsrisiken behaupteten, die Grundlage. Bayer hatte bereits in den Vorjahren einige Prozesse gewonnen, doch das jetzige Urteil schafft eine einheitliche Rechtslage für alle anhängigen Verfahren.
Reaktion der Börse
Die Börse reagierte umgehend auf das Gerichtsurteil. Der Wert der Bayer-Aktie stieg gegen 16.30 Uhr auf mehr als 45 Euro – ein Anstieg von rund 15 Prozent. Analysten sehen das Urteil als entscheidenden Schritt zur Reduzierung der milliardenschweren Rechtsrisiken für den Konzern. Bayer-Vorstandsvorsitzender Bill Anderson, der das Amt 2023 übernommen hatte, kann damit aufatmen.
Hintergrund des Rechtsstreits
Der Rechtsstreit um Glyphosat belastet Bayer seit der Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto im Jahr 2018. Tausende Kläger hatten behauptet, das Unkrautvernichtungsmittel sei krebserregend und Bayer habe nicht ausreichend gewarnt. Die EPA hingegen stuft Glyphosat als nicht krebserregend ein, solange es gemäß den Vorschriften verwendet wird. Bayer hatte stets auf diese Einstufung verwiesen und argumentiert, dass Warnhinweise, die über die EPA-Vorgaben hinausgehen, nicht zulässig seien.
Auswirkungen auf künftige Klagen
Das Urteil des Supreme Court könnte weitreichende Folgen haben. Es schafft einen Präzedenzfall, der es Klägern erschwert, auf bundesstaatlicher Ebene Schadensersatz für angebliche Krebsrisiken zu fordern. Bayer geht davon aus, dass damit die Mehrheit der noch offenen Verfahren in den USA obsolet wird. Das Unternehmen hatte bereits Rückstellungen in Milliardenhöhe für Rechtsstreitigkeiten gebildet, die nun möglicherweise reduziert werden können.



