Berlin hat im ersten Halbjahr 2026 seine Position als führender Standort für Start-up-Investitionen in Deutschland zurückerobert. Laut der aktuellen EY-Studie „Startup-Barometer“ sammelten Berliner Start-ups insgesamt fast 1,7 Milliarden Euro an Wagniskapital ein – ein Anstieg von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mit 95 Finanzierungsrunden verzeichnete die Hauptstadt zudem die meisten Abschlüsse bundesweit.
Stark Defence als Treiber
Ein wesentlicher Faktor für den Berliner Erfolg ist das Rüstungs-Start-up Stark Defence, das allein Investitionen in Höhe von 500 Millionen Euro verbuchte. Das Unternehmen profitiert von der gestiegenen Nachfrage nach Verteidigungstechnologie und sicherte sich einen Großauftrag von einer Nato-Streitkraft. Damit trug Stark Defence maßgeblich zum Gesamtvolumen von 5,3 Milliarden Euro bei, das deutsche Start-ups im ersten Halbjahr 2026 einsammelten – ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Baden-Württemberg schießt auf Platz 2
Auf dem zweiten Platz landete Baden-Württemberg mit knapp 1,6 Milliarden Euro Finanzierungsvolumen. Dies entspricht einem spektakulären Anstieg von 475 Prozent. Verantwortlich dafür ist ein einziger Mega-Deal: Das Robotik-Start-up Neura Robotics aus der Region sammelte rund 1,2 Milliarden Euro ein. Bayern, im Vorjahr noch Spitzenreiter, fiel mit einem Volumen von gut 1,1 Milliarden Euro (minus 46 Prozent) auf den dritten Rang zurück. Dennoch ist es laut EY ein Novum, dass drei Bundesländer jeweils milliardenschwere Investitionen verbuchen konnten.
Weniger Runden, höhere Volumina
Trotz des Anstiegs des Gesamtvolumens sank die Zahl der Finanzierungsrunden bundesweit um elf Prozent auf 354 Abschlüsse. Die Studienautoren führen dies auf einen veränderten Fokus der Investoren zurück: Diese setzen zunehmend auf wenige große Start-ups und vermeintlich sichere Wetten. Der Anteil von Großtransaktionen mit einem Volumen von jeweils mehr als 50 Millionen Euro stieg von 55 auf 67 Prozent des gesamten Investitionsvolumens.
Warnung vor Konzentration
Thomas Prüver, Partner bei EY-Parthenon, bewertet den Kapitalanstieg grundsätzlich positiv, mahnt jedoch: „Die Finanzierungssituation bleibt schwierig, und kleine sowie junge Start-ups haben im Wettbewerb um das Geld häufig das Nachsehen. Innovation entsteht nicht nur durch einzelne Leuchtturm-Unternehmen, sondern vor allem durch eine breite und lebendige Gründerszene.“



