Blatter schlägt Klaveness als FIFA-Chefin vor
Blatter: Klaveness soll FIFA-Chefin werden

Der frühere FIFA-Präsident Joseph Blatter hat sich für die norwegische Verbandschefin Lise Klaveness als Nachfolgerin von Gianni Infantino ausgesprochen. In einem Beitrag auf der Plattform X schrieb der 90-jährige Schweizer: „Lise Klaveness verdient größten Respekt. Sie war die Einzige, die stets klar Stellung bezogen und sich nicht dem Mainstream angeschlossen hat. Und bei der FIFA ist die Zeit reif dafür, dass eine Frau die Führung übernimmt.“ Blatter reagiert damit auf die anhaltende Kritik an Infantino, der wegen eines gescheiterten Investorendeals massiv unter Druck geraten war.

Hintergrund: Infantinos gescheiterter Investorendeal

Infantino hatte geplant, die Übertragungsrechte an der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen. Dieses milliardenschwere Vorhaben, das von vielen als Ausverkauf des Fußballs kritisiert wurde, musste er nach massivem Widerstand von Verbänden und der Öffentlichkeit wieder aufgeben. Der 56-Jährige will sich am 18. März 2027 in Rabat, Marokko, für eine dritte und letzte Amtszeit von vier Jahren als FIFA-Präsident wählen lassen. Bewerbungen müssen bis zum 18. November eingereicht werden.

Klaveness: Eine kritische Stimme im Weltfußball

Lise Klaveness, Präsidentin des norwegischen Fußballverbands, ist bekannt für ihre klaren Worte und ihren Einsatz für Menschenrechte, insbesondere für Frauenrechte. Sie hat sich wiederholt kritisch zu den Zuständen im Weltfußball geäußert und gilt als Hoffnungsträgerin für Reformen. Blatter, der selbst von 1998 bis 2016 an der Spitze der FIFA stand, sieht in ihr die ideale Kandidatin, um den Verband zu erneuern.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Weitere Distanzierung: Wenger und Grafström

Neben Blatter gehen auch andere hochrangige FIFA-Funktionäre auf Distanz zu Infantino. Arsène Wenger, ehemaliger Top-Trainer und heute FIFA-Direktor für globale Fußball-Entwicklung, bezeichnete den Rückzug des Investorenplans als „absolut notwendig“. Er betonte, er sei nicht in die Pläne eingeweiht gewesen: „Ich war an diesem strategischen Plan nicht beteiligt und habe erst durch Medienberichte von dem Projekt erfahren.“ Wengers Name war in einem Schreiben der UEFA-Anwälte an Infantino aufgetaucht, in dem die Europäische Fußball-Union die FIFA aufforderte, Daten und Kommunikation von 18 Führungskräften als Beweismittel zu sichern.

Auch FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström äußerte sich in einem internen Schreiben kritisch. In einer E-Mail an die Mitarbeiter, die unter anderem vom „Athletic“ und Sky Sports zitiert wurde, schrieb er: „Einzelpersonen, instabile Momente und unglückliche Vorfälle kommen und gehen. Die Institution, ihre Mission und ihre Verantwortung gegenüber dem Weltfußball bestehen fort, und deshalb sollten wir stets unsere Professionalität, unseren Sinn für die richtigen Perspektiven und unsere Gelassenheit bewahren.“ Grafström erwähnte Infantino zwar nicht namentlich, bezog sich jedoch direkt auf das FFE-Projekt (FIFA Forward Enterprise) und sprach von einer „traurigen und verwerflichen Abfolge von Ereignissen – die glücklicherweise damit endete, dass das FFE-Projekt endgültig aufgegeben wurde“.

Ausblick: Wer kandidiert?

Die Frist für Kandidaturen läuft bis zum 18. November. Ob Klaveness tatsächlich antreten wird, ist noch offen. Sollte sie kandidieren, könnte sie zur ersten Präsidentin in der Geschichte der FIFA werden. Infantino hingegen muss sich auf einen möglichen Gegenkandidaten einstellen, auch wenn er als Favorit gilt. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Kritik an seiner Amtsführung zu einem echten Machtkampf führt.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration