Die Bundesregierung hat eine neue „Startup- und Scaleup-Strategie“ verabschiedet, die erstmals auch Sicherheits- und Verteidigungsunternehmen in den Fokus staatlicher Förderung nimmt. Das Kabinett beschloss das Papier am Mittwoch. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (parteilos) erklärte, die Strategie lege das „Fundament für die nächste Generation deutscher Weltmarktführer“. Sie verfolge drei Ziele: Gründen erleichtern, Wachstum beschleunigen und Innovation in Deutschland halten.
Erstmals Verteidigungs-Startups im Fokus
Erstmals berücksichtigt die Regierung Startups aus dem Bereich Sicherheit und Verteidigung. Bislang waren diese oft von klassischen Förderprogrammen ausgeschlossen. Mit der neuen Ausrichtung sollen innovative Unternehmen in der Rüstungsbranche gezielt unterstützt werden. Das Strategiepapier betont, dass erfolgreiche Gründungen nicht ins Ausland abwandern sollen, wenn sie international expandieren.
Bürokratieabbau und Digitalisierung
Ein zentraler Punkt der Strategie ist der Bürokratieabbau. Das Projekt „Schneller Gründen“ soll Verwaltungsprozesse durchgängig digitalisieren. Auf europäischer Ebene strebt die Bundesregierung eine einheitliche Rechtsform für Unternehmen an, um grenzüberschreitende Aktivitäten zu erleichtern. „Wir senken bürokratische Hürden, mobilisieren mehr privates und öffentliches Wagniskapital und erleichtern Gründungen direkt aus der Wissenschaft“, sagte Reiche.
Mehr Kapital für Startups
Um den Zugang zu Wachstumskapital zu verbessern, plant der Bund den Ausbau des Deutschlandfonds. Dieser Fonds soll durch staatliche Garantien Investitionsrisiken abfedern und bis zu 130 Milliarden Euro privates Kapital für Zukunfts- und Infrastrukturprojekte mobilisieren. Zudem sollen Wagniskapital-Investitionen in der Altersvorsorge eine größere Rolle spielen. Auch Stiftungen soll es erleichtert werden, in Startups zu investieren.
Startup-Barometer zeigt Handlungsbedarf
Die Dringlichkeit der Maßnahmen untermauert das aktuelle Startup-Barometer der Beratungsgesellschaft EY. Im ersten Halbjahr 2026 sammelten deutsche Startups rund 5,3 Milliarden Euro Risikokapital ein – ein Anstieg von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allerdings sank die Anzahl der Finanzierungsrunden um elf Prozent. Investoren konzentrieren sich zunehmend auf vermeintlich sichere Wetten und wenige Mega-Deals mit einem Volumen von über 50 Millionen Euro. Kleine und junge Startups haben daher oft das Nachsehen. Die Strategie setzt genau hier an, um den Kapitalzugang entlang aller Wachstumsphasen robuster zu gestalten.
Reaktionen aus Verbänden
Der Startup-Verband begrüßte die Strategie. „Entscheidend ist aber, was daraus folgt. Aus dem Papier muss schnell Realität werden. Denn angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage und hohen Jobverlusten in der klassischen Industrie müssen wir uns viel stärker für Neues öffnen“, sagte Helmut Schönenberger, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Startup-Verbandes.
Auch die traditionelle Industrie reagierte positiv. Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), betonte: „Die Zusammenarbeit zwischen dem automobilen Mittelstand und Startups ist ein zentraler Erfolgsfaktor für die Transformation der Branche. Während Startups als schnelle Innovationstreiber – etwa bei der Software – agieren, bringt der Mittelstand industrielle Skalierungskraft ein. Es ist deshalb gut, dass die Startup-Strategie auch auf eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Startups und Mittelstand zählt.“



