Die Carl Klein GmbH mit Sitz in Kitzingen (Bayern) hat Anfang Juli beim Amtsgericht Würzburg ein vorläufiges Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das traditionsreiche Unternehmen, das seit 1918 Kellerei- und Brennereiartikel wie Flaschen, Verschlüsse, Maschinen und Behälter vertreibt, kämpft mit den Folgen der anhaltenden Weinkrise. Gestiegene Kosten für Energie und Transport sowie die Reduzierung von Rebflächen bei vielen Winzerbetrieben setzen dem Zulieferer schwer zu. 32 Mitarbeiter bangen um ihre Arbeitsplätze, ihre Löhne und Gehälter sind jedoch für die nächsten drei Monate über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gesichert.
Über 100 Jahre Firmengeschichte in Gefahr
Die Carl Klein GmbH wurde 1918 gegründet und zählt mehr als 1000 Weinbauern zu ihren Kunden. Zum Unternehmen gehört neben dem Vertrieb auch eine Winzerhalle, in der Wein nach Kundenwunsch verarbeitet werden kann, sowie ein Labor für Untersuchungen. Geschäftsführender Gesellschafter Thorsten Klein erklärte gegenüber BILD: „Das Ziel ist es, dass wir die Firma wirtschaftlich sanieren und so viele Arbeitsplätze wie möglich erhalten können.“ Die Insolvenz in Eigenverwaltung ermöglicht es der Geschäftsführung, den Betrieb fortzuführen und gemeinsam mit einem Sachwalter einen Sanierungsplan zu erarbeiten.
Krise am Weinmarkt trifft Zulieferer hart
Die Weinbranche in Deutschland durchlebt eine schwierige Phase. In Baden-Württemberg kämpfen rund 900 Weinbauern ums Überleben. Immer mehr Betriebe reduzieren ihre Rebflächen, was die Nachfrage nach Flaschen und anderen Kellereibedarf sinken lässt. Die Carl Klein GmbH hatte zuletzt ein zu breites Sortiment: Nach BILD-Informationen bot der Händler rund 200 verschiedene Flaschenformen und -farben an. Thorsten Klein kündigte an: „Wir müssen uns auf dem Markt neu aufstellen, werden Produkte aus dem Sortiment nehmen, die nicht genug nachgefragt werden.“ Der Geschäftsbetrieb und die Winzerhalle laufen für die Kunden ohne Einschränkungen weiter.
Weitere Insolvenzen in der Weinbranche
Die Carl Klein GmbH ist nicht das einzige Unternehmen der Branche in finanzieller Schieflage. Die 1935 gegründete Winzergenossenschaft „Winzer von Baden“ eG plant, mit Beginn des neuen Geschäftsjahres Anfang Juli einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht zu stellen. Die Weinkrise zeigt damit immer tiefere Auswirkungen auf die gesamte Wertschöpfungskette – von den Winzern über Genossenschaften bis hin zu Zulieferern wie der Carl Klein GmbH. Ob das traditionsreiche Unternehmen aus Kitzingen saniert werden kann, wird sich in den kommenden Monaten entscheiden.



