Die Debatte um die Zukunft der Commerzbank wird zunehmend als eine Frage der europäischen Integration dargestellt. Diese Sichtweise greift jedoch zu kurz, wie ein Gastkommentar von Frederik Werning zeigt. Werning ist Gewerkschaftssekretär bei Verdi und Mitglied im Aufsichtsrat der Commerzbank. Er mahnt, dass eine Übernahme durch die italienische Unicredit vor allem Risiken für Beschäftigte und den Mittelstand birgt.
Europäische Integration als Vorwand?
Niemand stelle infrage, dass Europa starke Banken brauche, so Werning. Auch die Idee einer europäischen Bankenunion werde grundsätzlich nicht infrage gestellt, obwohl sie bisher nicht existiert. Die entscheidende Frage laute jedoch: Entsteht durch eine feindliche Übernahme der Commerzbank durch Unicredit tatsächlich ein stärkeres europäisches Institut? Oder entsteht lediglich ein größerer Konzern mit erheblichen Risiken für Beschäftigte, Kunden und den Finanzstandort Deutschland?
Die Bundesregierung sei gut beraten, an ihrem bisherigen Kurs festzuhalten und die Unabhängigkeit der Commerzbank zu verteidigen, betont der Aufsichtsrat.
Gründe gegen die Übernahme
Erstens sei die europäische Bankenunion bis heute unvollendet. Es gebe weder ein gemeinsames Einlagensicherungssystem noch einen vollständig integrierten europäischen Bankenmarkt. Solange diese Grundlagen fehlten, führe eine grenzüberschreitende Übernahme nicht zu einem vermeintlichen europäischen Champion. Die Behauptung, ausgerechnet diese feindliche Übernahme, die auf Misstrauen aufbaut, sei ein Meilenstein europäischer Integration, bleibe daher unbelegt.
Zweitens sollten sich Beschäftigte und Politik auch weiterhin nicht von kurzfristigen Garantien blenden lassen. Die wirtschaftliche Logik dieser versuchten feindlichen Übernahme basiere ausschließlich auf Kostensenkungen, also massivem Stellenabbau. Dies gefährde Arbeitsplätze und die Versorgung des Mittelstands mit Krediten, warnt Werning.



