Morning Briefing: Dax auf Rekord, Autobauer wanken
Dax-Rekord, Autobauer-Krise: Morning Briefing

Der deutsche Leitindex Dax hat am Dienstag ein neues Rekordhoch erklommen. Doch während die Börse jubelt, gerät die deutsche Vorzeigeindustrie ins Wanken: BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen verlieren zunehmend den Anschluss an die internationale Konkurrenz. Gleichzeitig sorgt der US-Softwarekonzern Palantir für Aufsehen – mit rasantem Wachstum und kontroversen Geschäftspraktiken.

Dax auf Rekordniveau – aber nicht dank der Autobauer

Der Dax stieg am Morgen um 0,8 Prozent auf ein neues Allzeithoch von 24.500 Punkten. Getragen wird die Rally vor allem von Technologie- und Rüstungswerten sowie von der Hoffnung auf weitere Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank. Die Automobilwerte hingegen bleiben zurück: BMW verlor im frühen Handel 1,2 Prozent, Mercedes 0,9 Prozent und Volkswagen 0,7 Prozent.

Die Gründe für die Schwäche der deutschen Autobauer sind vielfältig. Der Übergang zur Elektromobilität verläuft schleppend, die Konkurrenz aus China drängt mit günstigen Modellen auf den Markt, und die hohen Energiekosten belasten die Produktion. Hinzu kommen Lieferkettenprobleme und ein schwacher Absatz in wichtigen Märkten wie China und Europa.

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BMW, Mercedes und VW: Der Kampf um die Zukunft

BMW kämpft mit rückläufigen Verkaufszahlen bei Elektrofahrzeugen. Der Absatz des vollelektrischen i4 ging im zweiten Quartal um 15 Prozent zurück, während Tesla und chinesische Hersteller wie BYD zweistellig wachsen. Mercedes-Benz hat seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr gesenkt und streicht Stellen in der Entwicklung. Volkswagen steht vor einem massiven Sparkurs: Der Konzern will bis 2030 rund 30 Milliarden Euro einsparen, um die Rendite zu stabilisieren.

Analysten sehen die Ursache in einer verpassten Digitalisierung. „Die deutschen Hersteller haben zu lange auf Verbrenner gesetzt und die Software-Entwicklung vernachlässigt“, sagt Stefan Reindl, Automobilexperte an der Hochschule für Wirtschaft. „Jetzt zahlen sie die Rechnung für jahrelange Versäumnisse.“

Palantir: Wachstum mit Schattenseiten

Während die Autobauer schwächeln, meldet der US-Datenanalysekonzern Palantir Technologies ein Rekordwachstum. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 34 Prozent auf 1,2 Milliarden US-Dollar. Besonders das Geschäft mit Regierungen und Geheimdiensten boomt: Der Anteil der staatlichen Aufträge liegt bei 60 Prozent.

Doch Palantir polarisiert. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, mit seinen Überwachungstechnologien Menschenrechte zu verletzen. So liefert Palantir Software an die US-Einwanderungsbehörde ICE und an das israelische Militär. Die Aktie ist dennoch einer der größten Gewinner im S&P 500 und hat sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt.

Auswirkungen auf den Markt

Die gegensätzliche Entwicklung von Autobauern und Technologieunternehmen zeigt eine wachsende Kluft in der Wirtschaft. Während innovative Firmen von der Digitalisierung profitieren, kämpfen traditionelle Industrien ums Überleben. Für Anleger bedeutet das: Eine breite Streuung ist wichtiger denn je.

Der Dax könnte trotz der Schwäche der Autowerte weiter steigen, da andere Sektoren wie Rüstung und Software das Ruder übernehmen. Allerdings warnen Ökonomen vor einer Überhitzung. „Die Bewertungen sind teilweise extrem hoch“, sagt Commerzbank-Analystin Maria Müller. „Eine Korrektur ist jederzeit möglich.“

Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die deutschen Autobauer ihre Hausaufgaben machen und den Anschluss finden – oder ob sie endgültig den Anschluss verlieren. Fest steht: Der Druck auf BMW, Mercedes und VW wächst täglich.

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