E-Zigaretten-Schwarzmarkt in Deutschland erreicht alarmierende Ausmaße
Die E-Zigaretten-Branche in Deutschland steht vor einer ernsten Herausforderung. Während die Nachfrage nach den elektrischen Verdampfern und aromatisierten Liquids kontinuierlich steigt, breitet sich parallel ein riesiger Schwarzmarkt aus, der legale Händler zunehmend unter Druck setzt. Mehrere aktuelle Studien zeichnen ein düsteres Bild: Ein erheblicher Teil der in Deutschland konsumierten Vapes stammt aus illegalen Quellen.
Studien belegen massive Schwarzmarkt-Anteile
„Bis zu 40 Prozent der hier konsumierten Vapes kommen bereits jetzt aus illegalen Quellen, und die Tendenz ist steigend“, warnt Jan Mücke, Chef des Branchenverbandes BVTE. Sollte das von der Bundesregierung geplante Verbot von Menthol und weiteren Inhaltsstoffen tatsächlich umgesetzt werden, könnte sich der Schwarzmarkt-Anteil bis 2030 sogar verdoppeln. Viele Konsumenten würden dann auf illegale Kanäle ausweichen, um weiterhin ihre bevorzugten Menthol-Produkte zu erhalten.
Eine vom chinesischen Anbieter Elfbar in Auftrag gegebene Untersuchung schätzt den Schwarzmarkt-Anteil sogar auf 40 bis 60 Prozent. Das Fraunhofer ILS Forschungsinstitut kommt in einer aktuellen Studie zu dem Ergebnis, dass der reine Schwarzmarkt in Deutschland bei etwas über 30 Prozent liegt. Rechnet man den grauen Markt – also private Eigenimporte aus dem Ausland, bei denen die Ware in Deutschland nicht zugelassen und nicht versteuert ist – hinzu, liegt der irreguläre Markt hierzulande bei 36 Prozent und im EU-Durchschnitt sogar bei 48 Prozent.
Zoll steht vor riesigen Herausforderungen
Die Zollbehörden sehen die Entwicklung mit großer Sorge. „Der illegale Markt wächst in einem schwindelerregenden Tempo“, erklärt Thomas Liebel, Bundesvorsitzender der Deutschen Zoll- und Finanzgewerkschaft (BDZ). „Als Zoll müssen wir vor illegalen Tabak- und Nikotinprodukten mehr oder minder kapitulieren, weil die Masse so groß ist.“ Die Vape-Produkte erreichen die EU massenhaft in Standardpaketen – über Züge, Schiffe und Flugzeuge. Laut EU-Kommission kamen im vergangenen Jahr pro Tag 12 Millionen Pakete in der EU an.
„Was wie harmlose Sendungen aussieht, summiert sich zu einem milliardenschweren Schattenmarkt“, sagt Rico Back vom Beratungsunternehmen SKR. „Die Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft sind immens.“ Die Masse sei so groß, dass der Zoll sie gar nicht kontrollieren könne. Etwa 90 Prozent der irregulären Ware komme aus China.
Kriminelle Netzwerke profitieren
Die Gewinnmargen für die illegalen Händler sind enorm. Der Einkaufspreis in China liege bisweilen nur bei einem Zehntel des Preises, der auf Deutschlands Schwarzmarkt erzielt werde. Die Schwarzmarkt-Händler seien häufig in die organisierte Kriminalität verwickelt – Geld, das mit illegalen Vapes verdient wird, diene als Anschubfinanzierung für Menschen- und Drogenhandel.
Frustrierend für die Behörden ist, dass häufig nur Scheinfirmen aktiv und die Hintermänner nicht greifbar seien. „Wenn wir einen Zugriff machen, ist dort niemand haftbar – wir können den Steuerschaden nicht abschöpfen und kommen an das Vermögen der Kriminellen nicht heran“, klagt Liebel.
Feldversuche zeigen erschreckende Ergebnisse
Im Auftrag des BVTE untersuchten verschiedene Institute die Situation vor Ort. Marktforscher kauften an 60 Verkaufsstellen in Deutschland ein, wobei 10 davon illegale Ware anboten. Zusätzlich wurden in Berlin und Hamburg rund 350 weggeworfene E-Zigaretten in Sortieranlagen aus dem Müll geholt – der Anteil illegaler Ware lag bei circa 13 Prozent. In Bremen wurden etwa 300 Einweg-E-Zigaretten eingesammelt, die im Gelben Sack gelandet waren, obwohl Elektroschrott dort nicht hingehört. 40 Prozent dieser Einweg-Ware stammten aus illegalen Kanälen.
Ein besonders krasser Fall ereignete sich in Bayern: Dort wurden im vergangenen Jahr in einem alten Industrielager 69 Paletten mit jeweils 12.500 Vapes aus illegaler Produktion sichergestellt. Für die Lagerung der Ware musste der Zoll einen Brandschutzbunker anmieten, und die Vernichtung kostete insgesamt etwa 750.000 Euro. Die verantwortliche Firma war nicht greifbar, die Inhaber befanden sich in China – die Kosten blieben am deutschen Steuerzahler hängen.
Gesundheitsrisiken und regulatorische Lücken
Während das Dampfen von E-Zigaretten allgemein als weniger gesundheitsschädlich gilt als das traditionelle Tabakrauchen, warnen Mediziner dennoch vor den Risiken. Die illegale Ware birgt zusätzliche Gefahren, da sie nicht den deutschen Qualitäts- und Sicherheitsstandards unterliegt. Auffällig ist, dass im Internet Vapes mit bis zu 25.000 Zügen angeboten werden, während legale Produkte in Deutschland auf maximal 1.000 Züge begrenzt sind – angesichts der gesetzlichen Mengenbegrenzungen ist dies gar nicht möglich.
Als Lösungsansätze fordern Experten eine engere Kooperation mit China, wo die meisten illegalen Produkte herkommen. Peking sollte stärker gegen die illegale Produktion vorgehen, damit die Ware gar nicht erst exportiert wird. Zudem werden mehr Personal für den Zoll und ein effizienterer Datenaustausch zwischen Behörden auf nationaler und EU-Ebene gefordert.



