Der Spezialchemiekonzern Evonik hat im zweiten Quartal 2026 von Lieferengpässen asiatischer Wettbewerber profitiert, die auf den Iran-Krieg zurückgehen. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) stieg um 24 Prozent auf 630 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Damit lag Evonik am oberen Ende der im Juni prognostizierten Spanne von 600 bis 650 Millionen Euro. Der Umsatz wuchs um elf Prozent auf 3,9 Milliarden Euro.
Evonik: „Sonderkonjunktur“ durch Iran-Krieg
Evonik erklärte, die Lieferengpässe hätten dem Konzern eine „Sonderkonjunktur“ beschert. Kunden griffen verstärkt zu Produkten des Essener Konzerns, da asiatische Wettbewerber aufgrund des Konflikts nicht liefern könnten. Die Jahresprognose wurde bereits im Juni angehoben: Das bereinigte Ebitda soll nun zwischen zwei und 2,2 Milliarden Euro liegen, nach zuvor 1,7 bis zwei Milliarden Euro.
Trotz des Gewinnanstiegs hält Evonik an seinen Sparplänen fest. Rund 2.800 Stellen werden bis Ende 2026 gestrichen, weitere 3.200 sollen bis 2029 folgen. Der Nettogewinn sank aufgrund von Sondereffekten und Kosten für Sparprogramme um 30 Prozent auf 84 Millionen Euro.
Continental: Reifenverkäufe treiben Gewinn
Der Autozulieferer Continental hat im zweiten Quartal vom Verkauf seiner Sparte OESL profitiert. Der um Verkäufe bereinigte Betriebsgewinn stieg um gut ein Drittel auf 570 Millionen Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Die Gewinnmarge verbesserte sich von 9,6 auf 12,9 Prozent. Finanzchef Roland Welzbacher führte den Anstieg auf höhere Verkäufe großer Reifen, geringere Zollkosten und günstigere Rohstoffpreise zurück. Allerdings warnte er vor steigenden Rohstoffkosten in der zweiten Jahreshälfte.
Der Umsatz blieb mit 4,4 Milliarden Euro um 0,3 Prozent unter dem Vorjahr, was Continental auf die schwächelnde Autokonjunktur zurückführte. Das Unternehmen hatte zu Jahresbeginn das Geschäft mit Gummiprodukten für Automobilhersteller verkauft und sich von der Kunststofftechnik-Sparte ContiTech getrennt.
HSBC: Gewinnsprung dank Zinsen und Vermögensverwaltung
Europas größte Bank HSBC hat ihren Vorsteuergewinn im ersten Halbjahr um 23 Prozent auf 19,5 Milliarden Dollar gesteigert. Das britische Institut übertraf damit die Analystenerwartungen von 18,9 Milliarden Dollar. Höhere Zinsüberschüsse und gestiegene Gebühreneinnahmen aus dem Vermögensverwaltungsgeschäft trieben das Ergebnis an.
HSBC kündigte zudem ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu einer Milliarde Dollar an – den ersten seit der Rücknahme der kleineren Hongkonger Hang Seng Bank von der Börse. Aktionäre sollen eine zweite Zwischendividende von 0,10 Dollar je Anteilsschein erhalten.
Weitere Quartalszahlen im Überblick
Der Dialysespezialist Fresenius Medical Care (FMC) übertraf mit einem operativen Ergebnis von 569 Millionen Euro die Markterwartungen von 515 Millionen Euro. Der Umsatz stieg währungsbereinigt um vier Prozent auf 4,861 Milliarden Euro. FMC bestätigte seinen Ausblick für 2026.
Der japanische Autobauer Nissan überraschte mit einem operativen Gewinn von 77,9 Milliarden Yen im ersten Quartal, nach einem Verlust im Vorjahr. Der schwache Yen und strikte Kostenkontrolle halfen, während die Absatzprognose gesenkt wurde.
Der Industriegasekonzern Linde verzeichnete ein Umsatzplus von neun Prozent auf 9,3 Milliarden Dollar, getrieben von der starken Nachfrage aus der Chip-Branche. Der bereinigte operative Gewinn stieg um sieben Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar.
Die British-Airways-Mutter IAG leidet unter hohen Kerosinpreisen: Der Betriebsgewinn sank im zweiten Quartal um 16 Prozent auf 1,41 Milliarden Euro, der Nettogewinn um ein Drittel auf 732 Millionen Euro.
Sony verzeichnete einen Gewinnsprung von 40 Prozent dank starkem Videospiele- und Bildsensorgeschäft. Der Betriebsgewinn erreichte 476,5 Milliarden Yen.
Amazon überraschte mit einem Cloud-Wachstum von 37 Prozent bei AWS. Der KI-Boom treibt auch die Geschäfte von Capgemini und Schneider Electric an.



