Inmitten der schwersten Krise seiner Amtszeit soll FIFA-Präsident Gianni Infantino vergeblich versucht haben, US-Präsident Donald Trump telefonisch zu erreichen. Wie die „New York Post“ unter Berufung auf eine anonyme Quelle berichtete, wollte der 56-Jährige nach dem Scheitern seines milliardenschweren Investorendeals mehrfach im Weißen Haus anrufen – jedoch ohne Erfolg. Ein geplantes Gespräch mit Außenminister Marco Rubio sei ebenfalls nicht zustande gekommen. Die FIFA wies die Darstellung umgehend als „frei erfunden“ zurück.
FIFA dementiert Kontaktaufnahme
Die Medienabteilung des Weltverbands ließ über den Kurznachrichtendienst X erklären: „Der FIFA-Präsident hat in den vergangenen Tagen weder den Präsidenten der Vereinigten Staaten noch ein Mitglied seiner Regierung angerufen.“ Man bezog sich dabei auf einen Bericht der britischen „Times“, die ebenfalls über angebliche Kontaktversuche Infantinos ins Weiße Haus spekuliert hatte. Ein Diplomat wies zudem die Behauptung zurück, dass es ein Krisentreffen mit Rubio gegeben habe.
Laut „New York Post“ fühlt sich Infantino angesichts der negativen Schlagzeilen „isoliert“ und suche „nach einflussreichen Verbündeten, die ihn öffentlich unterstützen“. Ein angeblicher Insider wurde mit den Worten zitiert, es gehe dem FIFA-Boss darum, seinen „Job zu retten“. Diese Darstellung passt zu der angespannten Lage, in der sich Infantino befindet, seitdem er die Pläne zum Verkauf von WM-Rechte an private Investoren zurücknehmen musste.
Hintergrund: Der geplatzte Investorendeal
Das Fiasko begann, als bekannt wurde, dass der Technologieinvestor Joshua Kushner – Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von Donald Trump – über seine Firma Thrive eine Schlüsselrolle bei dem geplanten Deal hätte übernehmen sollen. Nach massiver Kritik, insbesondere aus Europa, kippte Infantino das Vorhaben. Trump selbst hatte bereits am Freitag bei einer Kabinettssitzung in Camp David versichert, nicht mit Infantino über das Projekt gesprochen zu haben – noch bevor dieser den Rückzieher offiziell machte.
Die Europäische Fußball-Union (UEFA) droht dem FIFA-Präsidenten nun mit rechtlichen Schritten und will eine Wiederwahl Infantinos im Jahr 2027 verhindern. Mehrere nationale Verbände rebellieren gegen die Führung des Weltverbands. Der Druck auf Infantino wächst täglich.
Die besondere Beziehung zwischen Infantino und Trump
Die angebliche Hilfesuche wäre nur die jüngste Episode in einer ungewöhnlich engen Freundschaft. Schon 2018, als die FIFA die WM 2026 an die USA, Kanada und Mexiko vergab, scherzte Infantino über „acht Anrufe in Abwesenheit“ von Trump. Kurz darauf besuchte er den damaligen Präsidenten im Weißen Haus und überreichte ihm ein Trikot mit der Nummer 26 sowie eine Gelbe und Rote Karte.
Trump bezeichnete Infantino wiederholt als „großartigen Freund“. Der FIFA-Boss war bei Trumps Amtseinführung im Januar 2025 dabei und begleitete ihn auf Reisen nach Saudi-Arabien und Katar. Besonders skurril: Infantino sprach sich im Israel-Konflikt für einen Friedensnobelpreis für Trump aus und erfand eigens den FIFA-Friedenspreis, den er dem US-Präsidenten bei der WM-Auslosung Ende 2025 überreichte. Laut einem unbestätigten Bericht wollte Trump sich revanchieren, indem er Infantino als künftigen UN-Generalsekretär vorschlug.
Interne Mail: Generalsekretär bemüht sich um Ruhe
Angesichts des Chaos hat sich FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström in einer internen Mail an die Mitarbeiter gewandt. Wie „Sky News“ berichtete, sprach er von einer „traurigen und tadelnswerten Reihe von Ereignissen“. Man sei „mitten in einen Aufruhr hineingeworfen“ worden, der schwer zu begreifen sei. Gleichzeitig betonte er: „Einzelne Personen, instabile Momente und unglückliche Vorfälle werden kommen und gehen.“ Er wolle die Teams weiter unterstützen, „solange meine Arbeit von denjenigen geschätzt wird, denen wir dienen“.
Beobachter werten diese Formulierung als mögliche Bewerbung für das Amt des FIFA-Präsidenten, sollte Infantino stürzen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Druck auf den Schweizer weiter steigt oder ob er sich doch noch aus der Krise befreien kann. Fest steht: Die Weltöffentlichkeit beobachtet jede Bewegung des Weltverbands – und jedes Telefonat, das nicht stattfindet.



