FIFA-Krise: Infantino verliert Vertraute, Krisensitzung in Rabat
FIFA-Krise: Infantino verliert Vertraute, Krisensitzung geplant

FIFA-Präsident Gianni Infantino steht vor der größten Krise seiner Amtszeit. Nach seinem umstrittenen Investorenplan, der einen milliardenschweren Deal mit externen Geldgebern vorsieht, haben sich mehrere enge Vertraute von ihm abgewandt. Nun hat er für Mittwoch eine Krisensitzung in Rabat einberufen, um seine Position zu sichern.

Investorendeal entfacht Widerstand

Der von Infantino lange klein geredete Vorschlag war offenbar bereits bis ins Detail ausgearbeitet. Das berichteten die „Times“ und Sky UK am Dienstagabend übereinstimmend. Die Pläne sehen vor, dass ein externer Investor in die FIFA investiert und im Gegenzug Einfluss auf die Vermarktung der Fußball-Weltmeisterschaften erhält. Die europäischen Verbände unter Führung der UEFA haben daraufhin mit einem Boykott der WM gedroht.

Bereits in der vergangenen Woche war Chef-Berater Carlos Cordeiro aus Protest gegen die Investorenpläne zurückgetreten. Am Dienstag folgte mit Generalsekretär Mattias Grafström ein weiterer enger Vertrauter. Auch der ehemalige Starcoach Arsene Wenger, der als Direktor für die globale Fußball-Entwicklung tätig ist, distanzierte sich von Infantino. Wenger veröffentlichte seine Stellungnahme, nachdem sein Name in einem Schreiben der UEFA-Anwälte an Infantino aufgetaucht war. Darin fordert die UEFA die FIFA auf, Daten und Kommunikation von 18 Führungskräften als potenzielle Beweismittel zu sichern.

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UEFA sammelt sich gegen Infantino

Die UEFA hat alle 55 europäischen Einzelverbände hinter sich versammelt. UEFA-Boss Aleksander Ceferin hat dabei eine Schlüsselrolle eingenommen. Der Slowene, der seit 2016 an der Spitze des europäischen Verbandes steht, wird als möglicher Herausforderer für Infantino gehandelt. Ceferin, der eher aus dem Hintergrund agiert, hat sich in der Vergangenheit nie dem Vorwurf ausgesetzt, vor allem zum eigenen Vorteil zu handeln.

Neben Ceferin werden auch CONCACAF-Boss Victor Montagliani und die norwegische Verbandspräsidentin Lise Klaveness als mögliche Kandidaten genannt. Sollte Infantino tatsächlich gestürzt werden, könnte ein außerordentlicher Kongress einberufen werden. Die nächste reguläre Wahl ist für März 2027 geplant.

Internationale Unterstützung schwindet

Auf Instagram macht Infantino öffentlich, wer ihm noch die Treue hält: Marokko, Katar, Kuwait, Bhutan, Sri Lanka und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die großen Fußballnationen haben sich jedoch auf die Seite seiner Gegner geschlagen. Auch die US-Regierung scheint sich zu distanzieren.

Präsident Donald Trump ließ verlauten, er habe nichts von dem Deal gewusst und nicht mit Infantino darüber gesprochen. Dies wirkt fragwürdig, da der wahrscheinliche Investor Joshua Kushner aus dem Umfeld der Trump-Familie stammt. Ex-FIFA-Vize Jim Boyce äußerte den Verdacht, dass Trump an den Plänen nicht unbeteiligt sei.

Einem Bericht der „New York Post“ zufolge soll Infantino in den vergangenen Tagen mehrfach versucht haben, Trump telefonisch zu erreichen – vergeblich. Die FIFA wies diesen Bericht jedoch als „frei erfunden“ zurück. Auf X schrieb der Weltverband: „Der FIFA-Präsident hat in den vergangenen Tagen weder den US-Präsidenten noch Mitglieder seiner Regierung angerufen.“

Schwere Vorwürfe gegen Infantino

Derweil werden weitere Anschuldigungen laut. Prinz Ali bin al-Hussein, Chef des jordanischen Fußballverbandes, erhebt Erpressungsvorwürfe. Er behauptet, dass seinen Spielern in den vergangenen Monaten Gelder vorenthalten worden seien. „Bis mir während der Weltmeisterschaft mündlich mitgeteilt wurde, dass es unserem Fußballverband sehr helfen würde, wenn ich Infantino unterstütze“, schrieb al-Hussein auf X.

Auch Spaniens Liga-Boss Javier Tebas hat Infantino Amtsmissbrauch vorgeworfen. Tebas erinnerte an den Fall Balogun, die „skandalösen Preise“ für Tickets, den Umgang mit Korruptionsfällen in der FIFA und die Umgestaltung des internationalen Spielkalenders ohne echten Dialog. Er schrieb: „Aus all diesen Gründen glaube ich, dass Gianni Infantino nicht weiter an der Spitze der FIFA stehen darf. Das Problem war nie ein einzelner Vorschlag. Das Problem ist ein Governance-Modell, das die Macht zentralisiert, die Gegenkräfte schwächt und jene marginalisiert, die direkt von seinen Entscheidungen betroffen sind.“

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Krisensitzung in Rabat

Für Mittwoch hat Infantino nun zu einer Krisensitzung in die marokkanische Hauptstadt Rabat geladen. Hochrangige FIFA-Mitarbeiter sind eingeladen. Ob es ihm gelingt, die Wogen zu glätten, ist ungewiss. Die Zeichen mehren sich, dass seine Ära als Alleinherrscher des Weltfußballs dem Ende zugehen könnte.