Gehaltsreport Telefónica Deutschland: Vom Call-Center bis zum Vorstand
Der O₂-Tower, das höchste Gebäude in München, dominiert die Skyline der bayerischen Landeshauptstadt. Doch spiegelt sich diese Höhe auch in den Gehältern der Mitarbeiter des Telekommunikationskonzerns Telefónica Deutschland wider? Die Antwort fällt gemischt aus, wie eine Analyse der Vergütungsstrukturen offenbart. Während die Vorstände Millionenbeträge einstreichen, müssen sich einfache Angestellte im Kundenservice mit deutlich bescheideneren Summen begnügen.
Vorstandsvergütung: Millionen für die Chefetage
Laut dem Geschäftsbericht für das Jahr 2024 erhielt der gesamte Vorstand von Telefónica Deutschland eine Vergütung von knapp acht Millionen Euro. Da sich das Unternehmen im April 2024 von der Börse zurückgezogen hat, entfällt die Pflicht zur detaillierten Offenlegung der Einzelgehälter. Dennoch gibt der Vergütungsbericht aus dem Jahr 2022 eine Orientierung: Der damalige CEO Markus Haas verdiente etwa 2,7 Millionen Euro, während andere Vorstandsmitglieder zwischen 679.000 Euro und rund einer Million Euro erhielten. Diese Vergütungen setzen sich aus Fixgehältern und variablen Bonuszahlungen zusammen, wie es bei großen Konzernen üblich ist.
Seit Januar 2026 hat Santiago Argelich Hesse die CEO-Position übernommen. Die Mitglieder des Aufsichtsrats verdienten im Jahr 2024 zwischen 30.000 Euro und etwa 90.000 Euro, wobei der Vorsitzende Peter Löscher mit knapp 126.000 Euro am besten abschnitt.
Mitarbeitergehälter: Große Diskrepanzen im Kundenservice
Unternehmen halten die Gehälter ihrer Mitarbeiter oft unter Verschluss, doch Plattformen wie Kununu ermöglichen Einblicke. Die Daten zeigen, dass Telefónica Deutschland für Management-Positionen und Spezialisten überdurchschnittliche Gehälter zahlt, die häufig den Branchendurchschnitt übertreffen. Im Gegensatz dazu liegen die Löhne im Bereich Kundenservice und Vertrieb deutlich unter dem bundesweiten Median von etwa 52.000 Euro für Vollzeitbeschäftigte.
Dies ist wenig überraschend, da die Margen in der Dienstleistungsbranche geringer sind als in der Industrie, was den Druck auf die Personalkosten erhöht. Zudem arbeiten bei Telekommunikationsanbietern wie Telefónica viele An- und Ungelernte, beispielsweise als Call-Center-Agenten. Die niedrigen Einstiegshürden in diesen Berufen spiegeln sich in entsprechend bescheidenen Löhnen wider.
Trotzdem liegen die Gehälter bei Telefónica Deutschland im bundesweiten Vergleich leicht über dem Durchschnitt. Neben dem Grundlohn bietet das Unternehmen finanzielle Vorteile wie ein Jobticket, ein privat nutzbares Diensthandy und Mitarbeiterguthaben für O₂-Verträge.
Gehaltstabellen im Detail
Kundenservice und Vertrieb:
- Außendienstmitarbeiter: 39.700 Euro (Durchschnitt in Deutschland: 52.400 Euro)
- Einzelhandelskauffrau/-mann: 36.500 Euro (Durchschnitt: 31.400 Euro)
- Agent: 35.600 Euro (Durchschnitt: 28.500 Euro)
- Verkäufer: 33.000 Euro (Durchschnitt: 30.300 Euro)
- Call Center Agent: 30.400 Euro (Durchschnitt: 27.300 Euro)
Operatives Management und Spezialisten:
- Account Manager: 71.700 Euro (Durchschnitt: 60.100 Euro)
- Marketing Manager: 70.400 Euro (Durchschnitt: 49.800 Euro)
- Buchhalter: 65.100 Euro (Durchschnitt: 46.000 Euro)
- Sales Manager: 61.000 Euro (Durchschnitt: 60.300 Euro)
- Vertriebsmitarbeiter: 52.700 Euro (Durchschnitt: 51.100 Euro)
- Filialleiter: 50.500 Euro (Durchschnitt: 45.100 Euro)
Strategisches Management und Senior Experten:
- Key Account Manager: 99.300 Euro (Durchschnitt: 73.200 Euro)
- Manager: 98.200 Euro (Durchschnitt: 79.800 Euro)
- Controller: 93.100 Euro (Durchschnitt: 59.400 Euro)
- Area Sales Manager: 84.800 Euro (Durchschnitt: 69.300 Euro)
- Produktmanager: 84.600 Euro (Durchschnitt: 65.100 Euro)
- Manager Business Development: 84.200 Euro (Durchschnitt: 67.500 Euro)
- Projektmanager: 79.200 Euro (Durchschnitt: 62.100 Euro)
- Teamleiter: 78.000 Euro (Durchschnitt: 63.200 Euro)
Insgesamt zeigt sich bei Telefónica Deutschland eine breite Gehaltsspanne, die von Mindestlohn im Call-Center bis zu knapp 100.000 Euro für Spezialisten reicht, während die Vorstände Millionen verdienen. Diese Diskrepanzen unterstreichen die wirtschaftlichen Realitäten in der Telekommunikationsbranche.



