Johnson & Johnson (J&J) hat einen milliardenschweren Vergleich vorgeschlagen, um den jahrelangen Rechtsstreit um seine Talkumprodukte beizulegen. Der Konzern will 5,5 Milliarden Dollar zahlen, um rund 99,75 Prozent der noch offenen Klagen zu erledigen. Voraussetzung ist die Zustimmung führender Klägeranwälte, die mindestens 95 Prozent der anhängigen Ansprüche vertreten.
Hintergrund des Rechtsstreits
Seit mehr als 15 Jahren sehen sich Johnson & Johnson mit Tausenden Klagen konfrontiert. Klägerinnen werfen dem Unternehmen vor, dass sein Babypuder mit Asbest verunreinigt gewesen sei und Krebserkrankungen ausgelöst habe. J&J bestreitet die Vorwürfe, stellte den Verkauf des talkumbasierten Puders jedoch 2020 in den USA und 2023 weltweit ein.
Bisherige Versuche der Streitbeilegung
Der Konzern hatte mehrfach versucht, die Verfahren über ein Insolvenzgericht zu regeln. Kritiker warfen J&J vor, dabei Sonderregelungen für insolvente Unternehmen auszunutzen, um sich vor den Klagen zu schützen. Analysten prognostizierten bereits im vergangenen Jahr, dass die Zahl der Klagen von damals rund 76.000 auf über 90.000 steigen könnte. Im Juni bildete der Konzern Rückstellungen von elf Milliarden Dollar für die Rechtsstreitigkeiten. Bloomberg Intelligence schätzte die möglichen Vergleichskosten auf zehn bis zwölf Milliarden Dollar.
Höchstes Urteil gegen J&J
Erst im Oktober verurteilte eine Jury in Kalifornien J&J zur Zahlung von 966 Millionen Dollar Schadensersatz an die Familie einer verstorbenen Frau. Sie hatte ihre Krebserkrankung auf die jahrzehntelange Verwendung des Babypuders zurückgeführt. Es war das bislang höchste Urteil zugunsten einer einzelnen Klägerin in diesem Rechtsstreit.
Reaktion des Konzerns
Prozesschef Erik Haas erklärte: „Obwohl wir überzeugt sind, dass wir uns letztlich auch in weiteren Verfahren durchgesetzt hätten, ermöglicht uns diese Einigung, die Angelegenheit hinter uns zu lassen und uns auf unsere Aufgabe zu konzentrieren, lebensrettende Medikamente und Medizintechnik zu entwickeln.“ Die Aktie von Johnson & Johnson legte im nachbörslichen Handel in New York um 1,1 Prozent zu. Der Vergleich könnte einen der größten Produkthaftungsfälle in der Geschichte des Konzerns beenden und dürfte weitreichende Folgen für die Pharmaindustrie haben.



