Möbelbranche in anhaltender Flaute: Umsatz erreicht niedrigsten Stand seit 15 Jahren
Die deutsche Möbelindustrie steckt in einer tiefgreifenden Krise, die sich bereits zum dritten Jahr in Folge verschärft. Nach vorläufigen amtlichen Zahlen sank der Umsatz im Jahr 2025 nominal um 3,4 Prozent auf knapp 15,8 Milliarden Euro – der niedrigste Wert seit dem Jahr 2009. Diese besorgniserregende Entwicklung betrifft insbesondere Polster- und Wohnraummöbel, während das Küchengeschäft etwas stabiler blieb.
Mehrere Faktoren belasten die Branche gleichzeitig
Jan Kurth, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Möbelindustrie (VDM), fasst die Situation zusammen: „2025 war kein gutes Jahr für unsere Branche.“ Die Gründe für die anhaltende Schwächephase sind vielfältig und verstärken sich gegenseitig.
Die Konsumzurückhaltung der Verbraucher stellt einen zentralen Faktor dar. „Die Menschen in Deutschland halten ihr Geld zusammen, statt es auszugeben“, erklärt Kurth. Möbelkäufe werden als aufschiebbare Anschaffungen betrachtet, während kurzfristige Bedürfnisse wie Urlaube Priorität erhalten. Dirk Tesch, Präsident des Handelsverbands Möbel und Küchen, bestätigt diese Entwicklung: „Möbel sind nach wie vor kostenintensive Anschaffungen, während Kundinnen und Kunden zunehmend preissensibel reagieren.“
Corona-Nachwirkungen führen zu Marktsättigung
Die Pandemie-Jahre haben zu einem ungewöhnlichen Nachfrageschub geführt, der nun in sein Gegenteil umschlägt. Während der Lockdown-Phasen richteten viele Haushalte ihre Wohnungen neu ein oder investierten in Homeoffice-Möbel. Kai Hudetz, Geschäftsführer des Handelsforschungsinstituts IFH Köln, analysiert: „Die starke Nachfrage während der Pandemie hat zu einer Marktsättigung geführt, deren Auswirkungen noch immer nachwirken.“ Ein Sofa oder Esstisch wird schließlich nicht alle zwei Jahre ersetzt, sodass der aktuelle Bedarf vielerorts bereits gedeckt ist.
Wachsender Wettbewerbsdruck aus Asien
Parallel zur schwachen Inlandsnachfrage verschärft sich der Konkurrenzkampf durch Importe aus Asien. „Die Menge an importierten asiatischen Möbeln ist stark gestiegen“, berichtet Verbandsgeschäftsführer Kurth. Da der Export in die USA durch Zölle erschwert wird, drängen asiatische Hersteller verstärkt auf den europäischen Markt. Hudetz ergänzt: „Non-Food-Discounter wie Action und Thomas Philipps sowie asiatische Online-Marktplätze wie Temu gewinnen an Bedeutung.“ Diese Anbieter setzen mit niedrigen Preisen und breitem Sortiment etablierte Unternehmen unter Druck.
Insolvenzwelle erfasst traditionsreiche Unternehmen
Die schwierige Marktsituation führt zu einer beunruhigenden Insolvenzwelle. Patrik-Ludwig Hantzsch von der Auskunftei Creditreform warnt: „Vor allem die traditionsreiche Region Ostwestfalen-Lippe, in der viele Möbel- und Küchenhersteller ansässig sind, ist stark betroffen.“ Zu den jüngsten Insolvenzfällen zählen:
- Hammer Raumstylisten GmbH
- RWK & Kuhlmann Küchen
- Möbelhändler Lambert
- Möbelhersteller Mäusbacher, Röhr-Bush und König + Neurath
Die Handelskette Matratzen Direct schloss kürzlich alle Filialen, während der Schlafzimmermöbelhersteller Nolte den Betrieb einstellte. Neben der schwachen Nachfrage und asiatischer Konkurrenz belasten steigende Material-, Energie- und Personalkosten sowie zunehmende Regulierungen die Unternehmen.
Stockender Wohnungsbau verschärft die Probleme
Ein weiterer kritischer Faktor ist der ins Stocken geratene Wohnungsbau. Johannes Berentzen, Geschäftsführer der Handelsberatung BBE, erklärt: „Weniger Neubauten und kaum Umzüge bedeuten fehlende Kaufanlässe. Wohnungswechsel sind der häufigste Grund für neue Möbel.“ Obwohl die Zahl der Baugenehmigungen leicht angezogen hat, bleibt die Lage angespannt. Der Zentrale Immobilien Ausschuss schätzt den jährlichen Bedarf auf 257.400 neue Wohnungen bis 2040, für dieses Jahr werden jedoch nur etwa 215.000 Fertigstellungen erwartet.
Vorsichtiger Optimismus für 2026
Trotz der düsteren Aussichten zeigt sich die Branche vorsichtig optimistisch. Laut einer Verbandsbefragung plant jedes dritte Unternehmen im ersten Quartal 2026 Kurzarbeit, um die schwache Nachfrage abzufedern. Dennoch beobachtet VDM-Geschäftsführer Kurth eine leichte Stimmungsaufhellung: „Die Stimmung in der Branche ist nicht mehr so düster wie vor einem Jahr.“ Er rechnet damit, dass sich das Geschäft spätestens in der zweiten Jahreshälfte stabilisiert und verweist auf die gut gefüllten Sparkonten vieler Verbraucher.
Die deutsche Möbelindustrie steht somit vor einer komplexen Herausforderung, die nur durch kombinierte Anstrengungen von Unternehmen, Politik und Verbrauchern bewältigt werden kann. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der vorsichtige Optimismus der Branchenvertreter berechtigt ist oder ob die Dauerkrise weiter anhält.



