Nissan und Amazon überraschen mit starken Quartalszahlen
Nissan und Amazon überraschen mit starken Zahlen

In der laufenden Berichtssaison haben zahlreiche Konzerne ihre Zahlen vorgelegt – mit teils überraschenden Ergebnissen. Während Technologie- und Rüstungsunternehmen glänzen, belasten hohe Treibstoffkosten die Luftfahrt. Die wichtigsten Quartalszahlen im Überblick.

Automobilbranche: Nissan überrascht, Stellantis zurück in der Gewinnzone

Der japanische Autobauer Nissan hat im ersten Quartal überraschend viel verdient. Das operative Ergebnis lag in den drei Monaten bis Ende Juni bei 77,9 Milliarden Yen, nachdem im Vorjahreszeitraum ein Verlust von 79,1 Milliarden Yen angefallen war. Es war das vierte Quartal in Folge mit einem operativen Gewinn und übertraf die Erwartungen der Analysten deutlich, die laut LSEG-Daten im Schnitt mit einem Plus von 7,5 Milliarden Yen gerechnet hatten. Der schwache Yen, der die im Ausland erzielten Einnahmen bei der Umrechnung aufwertet, glich weltweit geringere Verkaufszahlen sowie gestiegene Rohstoffkosten infolge des Nahost-Konflikts aus. Konzernchef Ivan Espinosa erklärte, die schwierigen Bedingungen in China und im Nahen Osten hätten Teile des Geschäfts belastet. Nissan kämpft wie andere Autobauer in Europa und Asien mit einer starken Konkurrenz durch chinesische Elektroauto-Bauer.

Der Autokonzern Stellantis kommt auf dem Weg aus seiner Krise voran. Der Umsatz des Opel-Mutterkonzerns zog im zweiten Quartal gegenüber dem schwachen Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf 43,5 Milliarden Euro an. Vor allem die steigenden Verkäufe im wichtigen Markt Nordamerika gaben Schub. In der Region Europa blieb das Geschäft verhalten; hier fuhr der Konzern im operativen Geschäft weiter rote Zahlen ein. Insgesamt erzielte Stellantis ein bereinigtes operatives Ergebnis von 773 Millionen Euro bei einer Marge von 1,8 Prozent – mehr als dreimal so viel wie ein Jahr zuvor. Unter dem Strich kehrte der VW-Rivale mit einem Überschuss von 293 Millionen Euro in die Gewinnzone zurück, nach einem Verlust von fast 1,9 Milliarden Euro im Vergleichszeitraum. Chef Antonio Filosa bestätigte die Jahresprognosen.

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Technologie: Amazon, Sony und Capgemini auf Wachstumskurs

Der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen kurbelt das Geschäft von Amazon an. Die Umsätze der Cloud-Tochter Amazon Web Services stiegen im abgelaufenen Quartal um 37 Prozent auf 42,2 Milliarden Dollar – das stärkste Wachstum seit 18 Quartalen, betonte Konzernchef Andy Jassy. Analysten hatten mit einem Plus von rund 31 Prozent gerechnet. Die Amazon-Aktie legte nachbörslich um neun Prozent zu. Die Konzernerlöse stiegen um 20 Prozent auf 200,6 Milliarden Dollar. Der Reingewinn übertraf mit 5,75 Dollar je Aktie die Markterwartungen um ein Vielfaches; hier wirkten sich Buchgewinne aus der Beteiligung am KI-Entwickler Anthropic positiv aus.

Sony verzeichnete im abgelaufenen Quartal einen kräftigen Gewinnsprung: Der Betriebsgewinn stieg von April bis Juni um 40 Prozent auf 476,5 Milliarden Yen (rund 2,97 Milliarden Dollar), getrieben von einem florierenden Geschäft mit Videospielen und Bildsensoren. Damit übertraf der Konzern die Erwartungen von Analysten, die laut LSEG-Daten im Schnitt mit 361 Milliarden Yen gerechnet hatten. Der IT-Dienstleister Capgemini hat dank einer starken Nachfrage nach KI-Projekten seine Umsatzprognose angehoben: Statt 6,5 bis 8,5 Prozent werden nun 8,5 bis 9,0 Prozent währungsbereinigtes Wachstum erwartet. Im zweiten Quartal kletterte der Auftragseingang um 9,2 Prozent auf 6,55 Milliarden Euro. Höhere Restrukturierungskosten drückten den Nettogewinn jedoch um gut 31 Prozent.

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Schneider Electric profitiert vom Boom beim Bau von Rechenzentren und hat seine Prognose angehoben. Der Umsatz werde 2026 bereinigt um zehn bis 13 Prozent steigen, das operative Ergebnis um 14 bis 19 Prozent. „Wir haben ein Rekord-Halbjahr abgeliefert, das vom Wachstum bei Rechenzentren getrieben war“, sagte Finanzvorstand Nathan Fast. Im ersten Halbjahr übertraf das bereinigte Ebita mit 4,09 Milliarden Euro die Analystenerwartungen. Der Industriegasekonzern Linde verzeichnete dank starker Nachfrage aus der Chipbranche ein Umsatzplus von neun Prozent auf 9,3 Milliarden Dollar. Die Erlöse mit Elektronik-Herstellern stiegen um 18 Prozent. Der Wafer-Hersteller Siltronic musste dagegen erneut einen Rückgang hinnehmen: Der Umsatz fiel im zweiten Quartal um 2,3 Prozent auf 321,6 Millionen Euro, das operative Ergebnis um knapp 20 Prozent auf 69,4 Millionen Euro. Die Nachfrage nach 300-Millimeter-Wafern sei stark, sagte Firmenchef Michael Heckmeier.

Finanzbranche: Mastercard, ING und BBVA legen zu

Mastercard hat im zweiten Quartal dank kauflustiger Verbraucher vor allem in den USA die Erwartungen übertroffen. Der bereinigte Gewinn je Aktie belief sich auf 5,04 Dollar, Analysten hatten im Schnitt mit 4,77 Dollar gerechnet. Der Nettoumsatz stieg um 14 Prozent auf 9,3 Milliarden Dollar, das Bruttotransaktionsvolumen kletterte um acht Prozent auf 2,9 Billionen Dollar. Die Aktie legte vorbörslich um mehr als drei Prozent zu. Auch die niederländische Großbank ING überraschte positiv: Der Nettogewinn belief sich auf 1,95 Milliarden Euro, die Prognosen lagen bei 1,83 Milliarden Euro. Vorstandschef Steven van Rijswijk führte das starke Abschneiden auf ein Wachstum in allen Geschäftsbereichen zurück. Die Erträge aus Gebühren und Provisionen stiegen um 14 Prozent auf 1,28 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr rechnet ING nun mit Gesamteinnahmen von mehr als 24,5 Milliarden Euro.

Die spanische Großbank BBVA steigerte ihren Nettogewinn im zweiten Quartal um 11,4 Prozent auf 3,06 Milliarden Euro, getragen von einem starken Geschäft in Mexiko und höheren Zinseinnahmen. Der Zinsüberschuss kletterte um 22,9 Prozent auf 7,63 Milliarden Euro. Angesichts der Zahlen hob BBVA ihr Renditeziel für Ende 2026 auf rund 21 Prozent an. Der britische Börsenbetreiber LSEG profitiert von den Turbulenzen an den Finanzmärkten infolge des Iran-Krieges. „Unser Marktplatzgeschäft hatte ein außergewöhnliches erstes Halbjahr“, sagte Konzernchef David Schwimmer. Der Umsatz stieg in den ersten sechs Monaten um 8,4 Prozent, die Prognose für das bereinigte Umsatzwachstum wurde auf 7,0 bis 7,5 Prozent angehoben.

Luftfahrt und Energie: Airlines unter Druck, Shell profitiert

Der steile Anstieg der Kerosinpreise macht den Airlines zu schaffen. Die British-Airways-Mutter IAG rechnet im Gesamtjahr mit einer Treibstoffrechnung von 8,6 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal sank der bereinigte Betriebsgewinn um 16 Prozent auf 1,41 Milliarden Euro, der Nettogewinn um gut ein Drittel auf 732 Millionen Euro. Auch Air France-KLM verdiente trotz höherer Ticketpreise weniger: Der bereinigte operative Gewinn brach um ein Drittel auf 484 Millionen Euro ein, übertraf aber die Erwartungen. Wegen einer insgesamt verhaltenen Nachfrage senkte die Airline ihre Kapazitätsprognose auf ein Wachstum von zwei bis drei Prozent. Für das Gesamtjahr rechnet Air France-KLM mit Treibstoffkosten von 8,9 Milliarden Dollar – fast zwei Milliarden mehr als im Vorjahr.

Der britische Triebwerksbauer Rolls-Royce hat nach einem unerwartet starken ersten Halbjahr seine Jahresprognose deutlich angehoben. Der bereinigte Betriebsgewinn soll 2026 auf 4,7 bis 4,9 Milliarden Pfund steigen, nachdem zuvor 4,0 bis 4,2 Milliarden Pfund in Aussicht gestellt worden waren. Im ersten Halbjahr kletterte der Gewinn um 46 Prozent auf gut 2,5 Milliarden Pfund. Auch der Konkurrent MTU wuchs kräftig: Der Triebwerkshersteller steigerte seinen Umsatz in den ersten sechs Monaten um 13 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro, das Militärgeschäft legte um 15 Prozent zu. Der Energiekonzern Shell profitiert derweil von den wegen des Iran-Kriegs stark gestiegenen Öl- und Gaspreisen. Im zweiten Quartal erwirtschaftete der Konzern einen bereinigten Gewinn von 9,8 Milliarden Dollar – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Zudem kündigte Shell ein Aktienrückkaufprogramm über mindestens drei Milliarden Dollar an.

Der österreichische Energiekonzern Verbund hat im ersten Halbjahr wegen niedriger Wasserstände und gesunkener Großhandelspreise deutlich weniger verdient. Das operative Ergebnis fiel um rund ein Viertel auf 1,06 Milliarden Euro, das bereinigte Konzernergebnis schrumpfte um 31,4 Prozent auf 537,8 Millionen Euro.

Rüstung und Industrie: BAE Systems und Heckler & Koch legen zu

Angesichts international steigender Militärausgaben hat der Rüstungskonzern BAE Systems seine Jahresziele angehoben. Der bereinigte Betriebsgewinn soll im laufenden Jahr um zehn bis zwölf Prozent steigen. Im ersten Halbjahr kletterte der Gewinn um elf Prozent auf 1,7 Milliarden Pfund. Der Auftragsbestand hat sich seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine auf 84 Milliarden Pfund fast verdoppelt. Auch Heckler & Koch meldet starke Zahlen: Der Umsatz des deutschen Waffenherstellers stieg im ersten Halbjahr um knapp 47 Prozent auf 263,9 Millionen Euro, das Ebitda mehr als verdoppelte sich auf 66,2 Millionen Euro.

Der Stahlkonzern ArcelorMittal hat im zweiten Quartal dank einer Erholung seines Europageschäfts die Erwartungen übertroffen. Das Ebitda belief sich auf 2,06 Milliarden Dollar. Das Unternehmen profitierte von Schutzmaßnahmen der EU gegen Billigimporte aus Asien. Konzernchef Aditya Mittal erwartet im dritten Quartal und im gesamten zweiten Halbjahr höhere Liefermengen. Der Spezialchemiekonzern Wacker Chemie hat nach einem deutlichen Ergebnisanstieg seine Gewinnprognose angehoben: Das Ebitda soll 2026 nun zwischen 625 und 750 Millionen Euro liegen. Im zweiten Quartal kletterte es um 85 Prozent auf 211 Millionen Euro – darin enthalten ist ein Sondereffekt aus der Anpassung von Pensionsrückstellungen.

Der Duft- und Aromenhersteller Symrise ist nach einem schwachen Jahresstart im zweiten Quartal auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Das organische Plus betrug 4,5 Prozent, im gesamten ersten Halbjahr stand ein Wachstum von zwei Prozent zu Buche. Der ausgewiesene Umsatz fiel wegen Währungseffekten um 0,6 Prozent auf 2,54 Milliarden Euro. AB Inbev hat im abgelaufenen Quartal von der Fußball-Weltmeisterschaft profitiert. Der operative Gewinn stieg um knapp sechs Prozent, der Umsatz legte um 0,9 Prozent zu. Starbucks hob nach einem starken Quartal zum zweiten Mal seine Jahresprognose an; der Umbauplan von Konzernchef Brian Niccol zeige dauerhafte Erfolge.