Novo Nordisk verklagt Eli Lilly: Irreführende Werbung für Abnehmspritzen
Novo Nordisk verklagt Eli Lilly wegen Werbung

Novo Nordisk hat am Dienstag vor einem US-Bundesgericht Klage gegen Eli Lilly eingereicht. Der dänische Pharmakonzern wirft dem US-Rivalen irreführende Werbung für dessen Abnehmspritze Zepbound und das Diabetesmittel Mounjaro vor. In TV- und Social-Media-Kampagnen in den USA vergleiche Lilly die höchsten zugelassenen Dosen der eigenen Präparate mit niedrigeren Dosen von Novo Nordisks Mitteln Wegovy und Ozempic – gestützt auf veraltete Studien, so der Vorwurf.

Kern der Klage: Veraltete Vergleiche

„Lillys Werbekampagne entzieht den Verbrauchern die wahrheitsgemäßen, aktuellen und vollständigen Informationen, die sie benötigen, um fundierte Entscheidungen über ihre verfügbaren Behandlungsoptionen zu treffen“, heißt es in der Klage. Unberücksichtigt bleibe etwa die hochdosierte Wegovy-Variante, die im März in den USA zugelassen wurde und nach Novo-Angaben eine ähnlich starke Gewichtsabnahme erzielt wie die Produkte von Eli Lilly.

„Da neue und wirksamere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, verdienen die Menschen korrekte Informationen, die den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechen“, erklärte Novo-Chefjustiziar John Kuckelman in einer Mitteilung. Hinweise im Kleingedruckten könnten den irreführenden Eindruck nicht korrigieren, der durch groß angelegte nationale Kampagnen entstehe, argumentierte Kuckelman.

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Aktien unter Druck

Bereits im April hatte Novo Nordisk Eli Lilly nach eigenen Angaben schriftlich zur Unterlassung aufgefordert. Lilly habe darauf nicht reagiert, sondern die Werbespots lediglich mit einem unzureichenden Hinweis versehen. Eli Lilly äußerte sich auf Medienanfragen zunächst nicht. Die Lilly-Aktie gab im vorbörslichen Handel zeitweise um 0,6 Prozent nach, Novo-Nordisk-Papiere verloren in Kopenhagen zeitweise rund zwei Prozent.

Vor dem Bundesbezirksgericht in New Jersey stützt sich Novo Nordisk unter anderem auf den Lanham Act, ein US-Gesetz gegen irreführende Werbung. Der Konzern fordert, die Spots dauerhaft zu untersagen und Eli Lilly zu korrigierender Werbung zu verpflichten. Zudem verlangt Novo Nordisk Schadenersatz in noch unbezifferter Höhe. Zieht Lilly die Werbung nicht freiwillig zurück, will das Unternehmen in den kommenden Tagen eine einstweilige Verfügung beantragen.

Milliardenmarkt für Adipositas-Medikamente

Die beiden Konzerne kämpfen um Anteile am globalen Markt für Adipositas-Medikamente, der laut dem Datendienst Bloomberg Intelligence bis 2030 auf mehr als 120 Milliarden Dollar jährlich wachsen dürfte. Eli Lilly hat den einstigen Marktführer Novo Nordisk zuletzt überholt: Zepbound liegt bei den US-Verschreibungen vor Wegovy; Eli Lillys Anteil am US-Markt für sogenannte GLP-1-Mittel beträgt inzwischen mehr als 60 Prozent. Novo Nordisk hält mit Preissenkungen, Telemedizin-Kooperationen und der inzwischen erhältlichen Wegovy-Tablette dagegen.

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