Der Mobilfunk-Betreiber O2 Telefónica steht vor einem massiven Stellenabbau. Wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilte, befinde man sich in einer umfassenden Transformation, um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. „Im Rahmen dieses Prozesses prüfen und beraten wir gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretungen verschiedene Maßnahmen“, hieß es. Weiter wollte sich der Konzern nicht äußern. Informierten Kreisen zufolge sollen mehr als 1.000 Stellen gestrichen werden – das entspricht etwa jeder sechsten bis siebten Position. Im Januar beschäftigte Telefónica Deutschland noch 6.820 Mitarbeiter. In ersten Bereichen wurden bereits Vereinbarungen getroffen, die es Beschäftigten ermöglichen, freiwillig gegen Abfindung auszuscheiden. Zuvor hatte „teltarif.de“ darüber berichtet.
Verlust des Großkunden 1&1 belastet O2 schwer
Hintergrund des Stellenabbaus ist der Verlust eines wichtigen Kunden: Jahrelang hatte sich Wettbewerber 1&1 bei O2 Telefónica eingemietet und für die Nutzung des O2-Netzes gezahlt. Doch 2024 wechselte 1&1 überraschend zum Konkurrenten Vodafone. Bis Ende 2025 wurden rund 12 Millionen Handykunden vom O2-Netz auf das Vodafone-Netz umgebucht. Dadurch brachen die Einnahmen von O2 ein, der Betriebsgewinn sackte ab. O2 hat rund 18 Millionen Mobilfunk-Vertragskunden, hinzu kommen Prepaid-Karten und Partnergeschäfte.
Wegen des 1&1-Abgangs fielen die Jahreszahlen für 2025 negativ aus: Der Umsatz von O2 Telefónica sank um 3,8 Prozent auf 8,2 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) brach um 8,8 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro ein. Auch das erste Quartal 2026 brachte keine Besserung. Neben Mobilfunkverträgen bietet O2 auch Festnetz-Internet an, doch dieses Geschäft spielt nur eine Nebenrolle, da das Unternehmen keine eigenen Festnetz-Kabel besitzt und Anschlüsse der Konkurrenz mieten muss.
Spanische Eigentümer setzen Chefwechsel durch
Der Gegenwind am Mobilfunk-Markt kostete dem langjährigen O2-Chef Markus Haas Ende 2025 den Posten. Sein Nachfolger, der Deutsch-Spanier Santiago Argelich Hesse, soll das Unternehmen wieder auf Kurs bringen und insbesondere das schwache Firmenkundengeschäft ausbauen. Bereits zuvor hatte O2 bekannt gegeben, dass der Vorstand von sieben auf sechs Posten verkleinert wird – eine Sparmaßnahme. Nun trifft die Kostensenkung einen großen Teil der Belegschaft.
Die Schwierigkeiten, die O2 derzeit durchmacht, hat Konkurrent Vodafone bereits hinter sich: Die Deutschlandtochter des britischen Vodafone-Konzerns baute in den vergangenen Jahren rund 3.000 Stellen ab und beschäftigt nun gut 13.000 Mitarbeiter.
Keine Wachstumsperspektive am deutschen Mobilfunkmarkt
Der deutsche Mobilfunkmarkt gilt als gesättigt. Wesentliches Wachstum wird nicht mehr erwartet. Die Menschen besitzen ausreichend Handys, und deutliche Preissteigerungen bei Monatstarifen sind kaum durchsetzbar. Tatsächlich verbessert sich das Preis-Leistungs-Niveau stetig: Viele Anbieter gewähren ihren Kunden immer größere Datenvolumen, ohne die Preise zu erhöhen.
Den Mobilfunk-Anbietern fällt es zudem immer schwerer, sich von der Konkurrenz abzuheben. Ein gutes Netz ist für viele Kunden inzwischen eine Selbstverständlichkeit, kein Grund zur besonderen Freude. Der Netzausbau kostete Milliarden, doch die Monetarisierung dieser Investitionen gestaltet sich schwierig.
Laut Bundesnetzagentur erreichte O2 Telefónica im Dezember 88,6 Prozent der Fläche Deutschlands mit seinem 4G-Netz und 76,2 Prozent mit 5G. Der Abstand zur Telekom, die 92,5 Prozent (4G) und 87,9 Prozent (5G) abdeckt, hat sich verringert. Vodafone kommt auf 91,7 Prozent (4G) und 75,7 Prozent (5G). Noch vor einigen Jahren war O2 mit großem Abstand Schlusslicht, hat aber deutlich aufgeholt. Gegen sein schlechtes Image setzte O2 eine humorvolle Werbekampagne mit dem Slogan: „Das miese O2 Netz ist auch nicht mehr das, was es mal war.“



