Die aktuellen Quartalszahlen zeigen ein gemischtes Bild: Während Ölkonzerne wie Saudi Aramco und BP von den hohen Preisen profitieren, kämpfen Autobauer wie Toyota mit Absatzproblemen. Auch die Chemie- und Technologiebranche meldet unterschiedliche Entwicklungen. Ein Überblick über die wichtigsten Meldungen.
Ölkonzerne: Gewinnsprünge dank Iran-Krieg
Der staatliche saudi-arabische Ölkonzern Saudi Aramco hat im zweiten Quartal einen Gewinnsprung verzeichnet. Grund sind die kriegsbedingt gestiegenen Preise für Öl und raffinierte Kraftstoffe. Zudem kann Aramco die Blockade der Straße von Hormus mit Hilfe einer Pipeline durch das eigene Land umgehen. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn kletterte im Jahresvergleich um ein Drittel auf gut 125 Milliarden Riyal (rund 29 Milliarden US-Dollar), wie das Unternehmen in Dhahran mitteilte. Damit übertraf Aramco die Erwartungen der Analysten. Die Produktion sank jedoch deutlich, da Anlagen im Zuge des Iran-Kriegs angegriffen und beschädigt wurden.
Der britische BP-Konzern reiht sich in die Riege der Ölriesen ein, die dank hoher Öl- und Gaspreise horrende Gewinnsprünge verzeichnen. Der bereinigte Gewinn stieg im zweiten Quartal auf 5,73 Milliarden Dollar, ein Plus von 144 Prozent, und übertraf damit die Analystenerwartungen von 5,11 Milliarden Dollar. Die Aktionäre sollen mit einer um vier Prozent erhöhten Dividende von 8,66 Cent je Aktie am Erfolg beteiligt werden. Die neue Konzernchefin Meg O'Neill, die seit April im Amt ist, kündigte eine Neuausrichtung an: „Wir schöpfen unser Potenzial nicht aus“, sagte sie. „Unsere Leistung in den vergangenen Jahren hat unsere eigenen Erwartungen nicht erfüllt, geschweige denn die unserer Aktionäre.“ Sie legte fünf Prioritäten fest, darunter eine Stärkung der Bilanz und eine höhere Investitionsdisziplin. Teil des neuen Kurses ist eine Abkehr von der bisherigen Erneuerbare-Energien-Strategie: BP hat den Verkauf seines US-Biogas-Geschäfts Archaea eingeleitet, das erst 2022 für 4,1 Milliarden Dollar erworben worden war.
Autobauer: Toyota und Nissan mit unterschiedlichen Vorzeichen
Toyota blickt trotz eines erneuten Gewinnrückgangs im Quartal zuversichtlicher auf das Gesamtjahr. Der weltgrößte Autobauer rechnet nun mit einem operativen Gewinn von 3,4 Billionen Yen (rund 18,8 Milliarden Euro), nachdem die Prognose zuvor bei 3,0 Billionen Yen gelegen hatte. Als Grund nannte Toyota neben dem schwächeren Yen auch größere Marketinganstrengungen sowie alternative Logistikrouten in den Nahen Osten. Im ersten Geschäftsquartal von April bis Juni fiel der operative Gewinn jedoch das fünfte Mal in Folge: Er sank um neun Prozent auf 1,06 Billionen Yen und verfehlte damit die Analystenerwartungen. Grund für den Rückgang sind vor allem schleppende Verkäufe in China. Toyota hob zudem sein weltweites Absatzziel für das laufende Geschäftsjahr um 100.000 auf 9,7 Millionen Fahrzeuge an. Die möglichen Folgen des schweren Erdbebens auf der Insel Kyushu sind in der Prognose allerdings noch nicht berücksichtigt.
Der japanische Autobauer Nissan hat im ersten Quartal dank strikterer Kostenkontrolle und eines schwachen Yen überraschend viel verdient. Das operative Ergebnis lag bei 77,9 Milliarden Yen, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Verlust von 79,1 Milliarden Yen angefallen war. Es war das vierte Quartal in Folge mit einem operativen Gewinn und übertraf die Erwartungen deutlich. Der schwache Yen glich weltweit geringere Verkaufszahlen sowie gestiegene Rohstoffkosten infolge des Nahost-Konflikts aus. Konzernchef Ivan Espinosa erklärte, die schwierigen Bedingungen in China und im Nahen Osten hätten Teile des Geschäfts belastet.
Chemie und Industrie: Evonik, Continental, Linde, Schneider Electric
Der Spezialchemiekonzern Evonik profitiert von Lieferengpässen asiatischer Wettbewerber wegen des Iran-Kriegs. Kunden greifen verstärkt zu Evonik-Produkten, was dem Konzern eine „Sonderkonjunktur“ beschert hat. Der operative Gewinn (Ebitda) stieg im zweiten Quartal um 24 Prozent auf 630 Millionen Euro. Der Umsatz erhöhte sich um elf Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Der Konzern erwartet nun ein bereinigtes Ebitda zwischen zwei und 2,2 Milliarden Euro nach 1,7 bis zwei Milliarden zuvor. Trotz des Gewinnanstiegs hält Evonik an seinen Sparplänen fest: Rund 2800 Stellen werden bis Ende 2026 gestrichen, weitere 3200 sollen bis 2029 folgen.
Der Reifenhersteller Continental verdient nach Verkäufen mehr. Der um den Verkauf der Sparte OESL bereinigte Betriebsgewinn verbesserte sich im zweiten Quartal um gut ein Drittel auf 570 Millionen Euro. Die Gewinnmarge lag bei 12,9 Prozent nach 9,6 Prozent im Vorjahr. Finanzchef Roland Welzbacher begründete den höheren Gewinn mit dem Verkauf größerer Reifen sowie geringeren Zollkosten und günstigeren Rohstoffpreisen. Allerdings drohe Gegenwind: Die Kosten für Rohstoffe dürften in der zweiten Jahreshälfte steigen. Beim Umsatz spürt Continental die schwächelnde Autokonjunktur: Die Erlöse lagen bereinigt um die Verkäufe mit 4,4 Milliarden Euro um 0,3 Prozent unter dem Vorjahr.
Der Industriegasekonzern Linde profitiert von der starken Nachfrage aus der Chip-Branche. Der Umsatz sprang im zweiten Quartal um neun Prozent auf 9,3 Milliarden Dollar. Mit Elektronik-Herstellern machte Linde allein 18 Prozent mehr Umsatz. Am stärksten wuchs die Region Asien-Pazifik mit 13 Prozent. Der bereinigte operative Gewinn stieg um sieben Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar und traf damit die Erwartungen.
Der französische Elektrotechnik-Konzern Schneider Electric hebt dank des Rechenzentren-Booms seine Prognose an. Der Umsatz werde 2026 bereinigt um zehn bis 13 Prozent steigen, das operative Ergebnis um 14 bis 19 Prozent. Zuvor war das Unternehmen von sieben bis zehn Prozent bzw. zehn bis 15 Prozent ausgegangen. „Wir haben ein Rekord-Halbjahr abgeliefert, das vom Wachstum bei Rechenzentren getrieben war, aber wir haben Wachstum in allen Regionen und allen vier Endmärkten verzeichnet“, sagte Finanzvorstand Nathan Fast. Mit einem bereinigten Ebita von 4,09 Milliarden Euro übertraf Schneider Electric die Prognosen.
Weitere Unternehmen: Zalando, Hugo Boss, HSBC, Snap, FMC
Der Online-Händler Zalando hat seine Jahresprognose angepasst. Das Bruttowarenvolumen und der Umsatz sollen nun in der unteren Hälfte der prognostizierten Spanne von 12 bis 17 Prozent Wachstum liegen. Beim bereinigten operativen Ergebnis (Ebit) werden 680 bis 720 Millionen Euro erwartet, nachdem zuvor 660 bis 740 Millionen in Aussicht gestellt worden waren.
Der Modekonzern Hugo Boss hat im zweiten Quartal wegen des Strategiewechsels und der Konsumflaute Einbußen verzeichnet. Der Umsatz sank währungsbereinigt um neun Prozent auf 905 Millionen Euro, das operative Ergebnis (Ebit) brach um 28 Prozent auf 59 Millionen Euro ein. Vorstandschef Daniel Grieder sprach von einem weiteren wichtigen Schritt bei der Umsetzung der neuen Strategie: „Wir priorisieren langfristige Wertschaffung gegenüber kurzfristigem Umsatzwachstum.“ Die Bruttomarge stieg um zwei Prozentpunkte auf 64,9 Prozent.
Europas größte Bank HSBC hat ihren Gewinn im ersten Halbjahr um 23 Prozent gesteigert. Der Vorsteuergewinn kletterte auf 19,5 Milliarden Dollar. Höhere Zinsüberschüsse und gestiegene Gebühreneinnahmen trieben das Ergebnis an. HSBC kündigte zudem ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von bis zu einer Milliarde Dollar an.
Der Snapchat-Mutterkonzern Snap hat im zweiten Quartal dank höherer Werbeausgaben während der Fußball-WM die Umsatzerwartungen übertroffen. Der Umsatz stieg um rund 19 Prozent auf 1,60 Milliarden Dollar. Die Zahl der täglich aktiven Nutzer stieg weltweit um etwa fünf Prozent auf 493 Millionen, in Europa und Nordamerika sank sie jedoch.
Der Dialysespezialist Fresenius Medical Care (FMC) hat im zweiten Quartal dank Fortschritten bei seinem Sparkurs und höheren Erstattungssätzen einen Ergebnissprung verzeichnet. Der bereinigte operative Gewinn stieg um 20 Prozent auf 569 Millionen Euro. Allerdings sank die Zahl der Dialysebehandlungen im wichtigen US-Markt, was die Aktie belastete.



