Der insolvente Lebensmittelhändler Feneberg hat einen Käufer für einen Großteil seiner Filialen gefunden: Der Konkurrent REWE will nach Angaben des Unternehmens 14 der 18 verbliebenen Märkte übernehmen – darunter auch den Standort in Bad Wörishofen. Das gab der Insolvenzverwalter am Montag bekannt. Damit bleibt die Nahversorgung im Stadtgebiet vorerst gesichert, und die etwa 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der örtlichen Filiale können aufatmen.
REWE übernimmt Filiale in Bad Wörishofen
Die Feneberg-Filiale in der Bad Wörishofener Bahnhofstraße ist eine der größten in der Region. Nach der Übernahme durch REWE soll der Markt modernisiert und das Sortiment erweitert werden. „Wir wollen den Standort langfristig weiterentwickeln und den Kundinnen und Kunden ein starkes Vollsortiment bieten“, sagte ein REWE-Sprecher auf Anfrage. Die bisherigen Beschäftigten sollen nach Angaben des Insolvenzverwalters zu „branchenüblichen Bedingungen“ übernommen werden.
Auch die Stadt reagiert erleichtert. Bad Wörishofens Bürgermeister Stefan Welzel sagte: „Die Nachricht, dass REWE die Feneberg-Filiale übernimmt, ist ein starkes Signal für den Wirtschaftsstandort. Wir haben lange um den Erhalt gekämpft und sind nun froh, dass die Arbeitsplätze gesichert sind.“ Man werde nun mit dem neuen Betreiber Gespräche über die Zukunft des Standorts führen, etwa über mögliche Ausbaumaßnahmen oder einen Umbau des Parkplatzes.
Hintergrund: Warum Feneberg in die Krise geriet
Das traditionsreiche Allgäuer Unternehmen Feneberg mit Sitz in Kempten hatte Anfang des Jahres beim Amtsgericht Memmingen ein Insolvenzverfahren angemeldet. Als Gründe nannte die Geschäftsführung gestiegene Kosten, den Preiskampf im Lebensmitteleinzelhandel und die gesunkene Kaufkraft in ländlichen Regionen. Zuletzt geriet das 1951 gegründete Familienunternehmen zunehmend unter Druck, obwohl es über Jahrzehnte als Institution im Allgäu galt.
Von der Insolvenz waren insgesamt rund 1.500 Beschäftigte in mehr als 60 Geschäften betroffen. Bereits im Vorfeld hatte Feneberg eine Reihe von unrentablen Filialen geschlossen, dennoch blieb der Schuldenberg hoch. Insolvenzverwalter Martin Schumann betonte: „Ohne den Einstieg eines strategischen Partners wäre eine Fortführung nicht möglich gewesen. Mit REWE und der LHE haben wir einen starken Partner für die Region gewonnen.“
LHE übernimmt weitere Standorte – Rest wird geschlossen
Neben REWE wird auch die LHE (Landesgroßhandlung) eine Rolle spielen: Drei weitere Feneberg-Filialen gehen an den Großhändler, der sie als „nah & gut“-Märkte weiterführen will. Konkrete Angaben zu den Standorten machte das Unternehmen zunächst nicht. Die übrigen Filialen, für die sich kein Käufer fand, stehen vor der Schließung. Betroffen sind laut Insolvenzverwalter fünf kleinere Märkte, unter anderem in Memmingen und Ottobeuren. Für die dortigen Beschäftigten werden derzeit noch Sozialpläne verhandelt.
Wie geht es für die Mitarbeiter weiter?
Die Zukunft der Feneberg-Mitarbeiter in Bad Wörishofen scheint gesichert. Nach Angaben von REWE sollen alle Beschäftigten der übernommenen Filialen weiterbeschäftigt werden. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht geplant. Auch die Tarifverträge sollen übernommen werden. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind das Herz des Marktes“, erklärte der REWE-Gebietsleiter. „Wir setzen auf ihre Erfahrung und Kenntnis der Kundschaft.“
Dennoch bleibt die Unsicherheit in der Belegschaft spürbar. Eine langjährige Kassiererin, die namentlich nicht genannt werden wollte, sagte: „Wir sind erleichtert, dass es weitergeht, aber wir wissen nicht, was REWE mit dem Markt machen wird. Ob wir alle übernommen werden, steht noch nicht fest.“ Laut Insolvenzverwalter sollen jedoch „Substanz und Qualität“ der Belegschaft erhalten bleiben.
Kunden reagieren gemischt
Unter den Kunden in Bad Wörishofen ist die Stimmung gemischt. Viele zeigen Verständnis für die Übernahme, andere hadern mit dem Wegfall des vertrauten Feneberg-Angebots. „Ich kaufe seit 30 Jahren hier ein und kenne das Personal persönlich. Dass jetzt REWE reinkommt, ist schon eine Zäsur“, meinte eine Rentnerin, die vor dem Markt nach der aktuellen Entwicklung fragte. Ein anderer Kunde sagte: „Hauptsache, der Laden bleibt. Wir haben sonst nichts mehr in der Innenstadt.“
Die Stadtverwaltung kündigte an, den Übergang konstruktiv zu begleiten. Man werde sich dafür einsetzen, dass auch der Feneberg-Standort in der Innenstadt eine Zukunft habe, sagte Bürgermeister Welzel. „Wir brauchen dort einen starken Ankermieter.“ Zudem werde man mit REWE über Öffnungszeiten und Lieferverkehr sprechen, um mögliche Konflikte mit Anwohnern frühzeitig zu entschärfen.
Ausblick: Was bedeutet das für den Einzelhandel in der Region?
Die Übernahme durch REWE ist Teil eines größeren Konsolidierungsprozesses im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Kleine, inhabergeführte Ketten wie Feneberg geraten zunehmend unter Druck, während große Konzerne ihre Marktanteile ausbauen. Experten sehen darin eine Gefahr für die Nahversorgung, gerade in ländlichen Gebieten. „Wenn ein Markt schließt, verlieren die Menschen im Umkreis oft nicht nur einen Einkaufsort, sondern auch einen sozialen Treffpunkt“, sagt Handelsexperte Jürgen Greiner. „Die Übernahme ist daher in Bad Wörishofen ein gutes Zeichen, aber kein Garant für langfristigen Erhalt.“
Für die Stadt bleibt zu hoffen, dass der REWE-Markt langfristig wirtschaftlich tragfähig ist. Die Konkurrenz in der rund 15 Kilometer entfernten Kreisstadt Mindelheim ist groß, auch in Bad Wörishofen gibt es mehrere Discounter. REWE setzt jedoch auf Qualität und Service, um sich abzuheben. „Wir sind zuversichtlich, dass der Markt in Bad Wörishofen auch künftig erfolgreich arbeiten kann“, so der Unternehmenssprecher.
Bis zur endgültigen Übernahme und Umstellung auf die REWE-Markttechnik dürfte noch einige Zeit vergehen. Der Insolvenzverwalter rechnet mit einem Abschluss des Verfahrens in drei bis vier Monaten. Bis dahin soll die Filiale regulär weiterlaufen, auch die Feneberg-eigenen Rabattaktionen bleiben bestehen. Die Auftragsbücher sind gefüllt, und die Mitarbeiter wurden angehalten, den Betrieb so fortzuführen wie bisher.
Für Bad Wörishofen ist die Entscheidung jedenfalls ein Etappensieg. Dass nach der Insolvenz ein bekannter Name verschwindet, lässt sich nicht ändern. Aber der Standort selbst, die Arbeitsplätze und auch ein Stück Allgäuer Lebensmittelhandelstradition bleiben erhalten – wenn auch unter neuem Logo.



