Der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung Electronics hat im zweiten Quartal 2026 mit einem operativen Gewinn von rund 89 Billionen Won (etwa 51 Milliarden Euro) den höchsten Quartalsgewinn seiner Unternehmensgeschichte erzielt. Trotz dieser Rekordmarke brach die Aktie des Chipherstellers am Dienstag zeitweise um zehn Prozent ein. Anleger zeigen sich zunehmend besorgt über die Tragfähigkeit des durch Künstliche Intelligenz (KI) angetriebenen Booms bei Speicherchips.
Rekordgewinne trotz hoher Rückstellungen
Der operative Gewinn im zweiten Quartal 2026 stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um das 19-Fache. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 hatte Samsung lediglich einen operativen Gewinn von knapp 44 Billionen Won erzielt. Der kräftige Anstieg gelang trotz erheblicher Rückstellungen für Mitarbeiterboni, die auf eine Tarifeinigung vom Mai 2026 zurückgehen. Analysten zufolge hätte der operative Gewinn ohne diese Rückstellungen bei mehr als 100 Billionen Won gelegen.
Der Umsatz im zweiten Quartal verdoppelte sich auf 171 Billionen Won, wie Samsung mitteilte. Den Nettogewinn, also den Betrag nach Abzug aller Kosten und Steuern, will der Konzern Ende des Monats veröffentlichen. Samsung Electronics zählt zu den weltweit führenden Produzenten von Halbleitern, insbesondere im Segment leistungsstarker Speicherchips.
Aktienkurs bricht trotz Rekordzahlen ein
Die enttäuschende Reaktion der Börse spiegelt die anhaltenden Sorgen der Investoren wider. „Investoren bleiben besorgt über die Nachhaltigkeit des KI-Booms und das Risiko verlangsamter Investitionen in die KI-Infrastruktur durch große US-Technologiefirmen“, sagte Albert Yong, geschäftsführender Partner bei Petra Capital Management. Als größtes Risiko für den Speicher-Boom gilt eine Verlangsamung der Investitionen, etwa durch Verzögerungen beim Bau von Rechenzentren in den USA.
Samsung profitiert stark von der immensen Nachfrage nach Speicherchips, die durch den weltweiten Bauboom bei Rechenzentren für KI-Anwendungen angetrieben wird. Die Branche kann den Bedarf derzeit nicht decken. Die Nachfrage erstreckt sich über Hochleistungsspeicher (HBM) hinaus auch auf herkömmliche DRAM- und NAND-Produkte, was die Preise weiter antreibt. Vor einigen Wochen hatte Samsung als weltweit erstes Unternehmen erste Testexemplare der neuesten HBM-Generation an Kunden ausgeliefert.
Verteilungsdebatte in Südkorea
Die hohen Unternehmensgewinne der großen Halbleiterproduzenten Samsung Electronics und SK Hynix haben in Südkorea eine gesellschaftliche Debatte über die Verteilungsfrage ausgelöst. Ende Mai hatten Mitglieder der Samsung-Gewerkschaft nach einer Streik-Drohung einen Kompromissvorschlag des Managements angenommen, der Jahresprämien von mehreren Hunderttausend Euro für jeden Mitarbeiter der hochprofitablen Halbleitersparte vorsieht.
Während die südkoreanische Techbranche von der anhaltenden KI-Nachfrage profitiert und hohe Löhne sowie Prämien zahlt, geht es vielen anderen Industrien des Landes derzeit durchwachsen. Die Arbeitslosenquote in der besonders betroffenen Altersgruppe unter 30 Jahren ist zuletzt gestiegen. Die Diskussion um eine gerechtere Verteilung der Gewinne gewinnt daher an Fahrt.



