Der fränkische Autozulieferer Schaeffler weitet sein Angebot an Altersteilzeit für ältere Beschäftigte deutlich aus. Wie das Unternehmen am Donnerstag in Herzogenaurach mitteilte, können künftig rund 3.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an deutschen Standorten von der Regelung profitieren. Die Maßnahme betrifft Beschäftigte, die in den kommenden Jahren das Rentenalter erreichen, und ist Teil eines umfassenden Personalumbaus.
Hintergrund: Schaeffler kämpft mit Branchenkrise
Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund einer angespannten Lage in der Automobilzulieferindustrie. Schaeffler leidet unter der schwachen Nachfrage nach Verbrenner-Teilen und dem schleppenden Hochlauf der E-Mobilität. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Konzern ein Sparprogramm aufgelegt, das den Abbau von mehreren tausend Stellen vorsieht. Nun setzt das Management verstärkt auf sozialverträgliche Instrumente wie die Altersteilzeit, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.
Details: Wer kann das Angebot nutzen?
Das erweiterte Angebot richtet sich an Beschäftigte, die ab dem 1. Januar 2026 in den nächsten Jahren in Rente gehen können. Konkret betrifft es Mitarbeiter, die das 60. Lebensjahr vollendet haben und eine Betriebszugehörigkeit von mindestens zehn Jahren aufweisen. Die Altersteilzeit kann im Blockmodell genutzt werden, bei dem die Beschäftigten in der ersten Phase weiterarbeiten und in der zweiten Phase freigestellt werden. Die Vergütung wird aufgestockt, die Rentenbeiträge werden auf 90 Prozent des letzten Nettoverdienstes angehoben.
Auswirkungen auf die Belegschaft
Nach Angaben von Schaeffler könnten von der Regelung allein in Deutschland rund 3.400 Mitarbeiter profitieren. Das entspricht etwa zehn Prozent der inländischen Belegschaft von rund 34.000 Beschäftigten. Das Unternehmen erhofft sich dadurch, den Personalabbau sozialverträglicher zu gestalten und zugleich jüngeren Mitarbeitern Aufstiegschancen zu eröffnen. Betriebsrat und IG Metall begrüßten die Ausweitung grundsätzlich, forderten aber weitere Anstrengungen zur Sicherung der Arbeitsplätze.
Reaktionen und Kritik
Der Konzernbetriebsratsvorsitzende Jürgen Wechsler erklärte: „Die Erweiterung der Altersteilzeit ist ein wichtiger Baustein, um den Stellenabbau ohne Härten zu bewältigen. Wir werden jedoch genau beobachten, dass die Regelung nicht dazu führt, dass ältere Beschäftigte unter Druck gesetzt werden.“ Auch die Gewerkschaft IG Metall zeigte sich kooperativ, mahnte aber, dass die Maßnahme nicht über die strukturellen Probleme hinwegtäuschen dürfe. Ein Sprecher der IG Metall sagte: „Altersteilzeit allein löst die Krise nicht. Wir brauchen eine klare Perspektive für die Transformation.“
Strategische Neuausrichtung
Die Ausweitung der Altersteilzeit ist Teil eines größeren Umbaus, den Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld vorantreibt. Das Unternehmen will sich stärker auf Elektromobilität, Wasserstoff und industrielle Anwendungen fokussieren. Dazu sollen bis 2026 weltweit rund 4.700 Stellen abgebaut werden, davon etwa 2.800 in Deutschland. Die Altersteilzeit ist neben Abfindungsprogrammen und der Reduzierung von Leiharbeit eines der wichtigsten Instrumente, um den Personalabbau umzusetzen.
Finanzielle Lage und Ausblick
Schaeffler hatte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 16,3 Milliarden Euro erwirtschaftet, der Gewinn war jedoch deutlich gesunken. Für das laufende Jahr erwartet der Konzern eine weitere Verschlechterung. Die Kosten für die Altersteilzeit dürften das Ergebnis zusätzlich belasten, wie Finanzvorstände einräumten. Analysten sehen die Maßnahme dennoch positiv, da sie das Risiko von Streiks und Produktionsausfällen verringert.
Bedeutung für den Standort Deutschland
Die Entscheidung von Schaeffler hat über das Unternehmen hinaus Bedeutung für die gesamte Zulieferbranche. Viele andere Firmen wie ZF oder Continental setzen ebenfalls auf Altersteilzeit, um den Wandel zu bewältigen. Die Maßnahme könnte daher als Vorbild für eine sozialverträgliche Transformation dienen. Allerdings warnen Ökonomen, dass die Kosten für die Sozialpläne die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen schwächen könnten.
Fazit
Mit der Ausweitung der Altersteilzeit reagiert Schaeffler auf die schwierige Marktlage und versucht, den Personalabbau möglichst konfliktfrei zu gestalten. Ob die Maßnahme ausreicht, um die Ziele zu erreichen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Fest steht, dass der Druck auf die Beschäftigten hoch bleibt, während der Konzern seine Zukunft neu ausrichten will.



