Bei sommerlichen Temperaturen steigt die Gefahr von Legionellen in Hauswasserleitungen. Die Bakterien gedeihen in warmem Süßwasser zwischen 25 und 45 Grad und können eine schwere Lungenentzündung, die Legionärskrankheit, auslösen. Besonders nach längerer Abwesenheit oder in selten genutzten Ferienhäusern sollten Verbraucher wachsam sein. Dr. med. Matthias Riedl, Internist und ärztlicher Direktor des Medicum Hamburg, erklärt die Risiken und Schutzmaßnahmen.
Warum Legionellen so gefährlich sind
Legionellen siedeln sich bevorzugt in Rohrleitungen an, wenn Wasser über längere Zeit steht oder nicht ausreichend erhitzt wird. „Wenn das Wasser darin nicht ausreichend erhitzt wird oder über längere Zeiten stillsteht“, können sich die Keime vermehren, so Dr. Riedl. Infektionen entstehen nicht durch Trinken, sondern durch das Einatmen feinster Wassertröpfchen, sogenannter Aerosole. Duschen und Wasserhähne sind daher typische Infektionsquellen. Auch schlecht gewartete Klimaanlagen können Legionellen über ihr Kondenswasser verbreiten – Experten raten deshalb zu regelmäßiger Reinigung von Auto- und Büroanlagen.
Symptome und Risikogruppen der Legionärskrankheit
Die Legionärskrankheit beginnt oft plötzlich mit starker Schwäche, hohem Fieber und ausgeprägtem Krankheitsgefühl. Der Husten ist anfangs meist trocken und geht später häufig mit Auswurf einher. Besonders gefährdet sind ältere Menschen sowie Personen mit Vorerkrankungen oder geschwächtem Immunsystem. Ein historischer Ausbruch 1976 in Philadelphia zeigt die Dramatik: Nach einem Treffen der Kriegsveteranenvereinigung „American Legion“ erkrankten 221 Menschen, 34 starben. Die Bakterien hatten sich über die Klimaanlage eines Hotels verbreitet.
Pontiac-Fieber: Die mildere Form
Weniger schwere Verläufe werden als Pontiac-Fieber bezeichnet. Betroffene entwickeln grippeähnliche Beschwerden mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie oft trockenem Husten – eine Lungenentzündung bleibt jedoch aus. Die Zahl der gemeldeten Legionellen-Erkrankungen in Deutschland bleibt seit Jahren auf hohem Niveau, weshalb der richtige Umgang mit Warmwasseranlagen entscheidend ist.
Schutz durch hohe Warmwassertemperaturen
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt eine Warmwassertemperatur von mindestens 60 Grad Celsius. Dr. Matthias Riedl warnt: „Wenn das Wasser dauerhaft auf unter 60 Grad liegt, dann ist das gefährlich.“ Gerade beim Energiesparen könne das zum Problem werden, denn in lauwarmem Wasser finden Legionellen besonders günstige Bedingungen. Von Mensch zu Mensch werden die Bakterien nicht übertragen.



