Die anhaltende Sommerhitze führt in den Alpen zu einer dramatischen Wasserknappheit. Der Deutsche Alpenverein (DAV) meldet Mangellagen auf fast allen seinen Hütten. Um den Küchenbetrieb aufrechtzuerhalten, wird die Blaueishütte in Berchtesgaden nun per Hubschrauber mit Trinkwasser beliefert. Gäste müssen für einen Liter Wasser vier Euro bezahlen.
Versiegte Quellen: Eine neue Dimension
„Wir haben auf fast allen Hütten derzeit Mangellagen, da werden die unterschiedlichsten Maßnahmen ergriffen“, erklärt DAV-Sprecher Julian Rohn. Er betont: „Das ist schon eine neue Dimension.“ Die Lage spitze sich durch den Sommer zu. Auf der Blaueishütte, die auf 1.651 Metern über dem Meeresspiegel nahe dem Blaueisferner liegt, gibt es keine Waschräume mehr. Das Trinkwasser wird in PET-Flaschen gegen Gebühr abgegeben.
Auch andere Hütten leiden unter dem Wassermangel. Am Stöhrhaus im Berchtesgadener Land wurden herkömmliche Toiletten durch Trockentoiletten ersetzt. Das Watzmannhaus auf dem Falzköpfl hat die Öffnungszeiten des Waschraums auf jeweils zwei Stunden morgens und abends reduziert. An den Toiletten stehen Desinfektionsmittel bereit, die Wasserhähne sind abgedreht.
Quellen versiegt: Sektion Berchtesgaden reagiert
„Wir haben noch nie den Fall gehabt, dass die Quellen nicht mehr geschüttet haben“, schildert Gabi Schieder-Moderegger, Vorsitzende der Sektion Berchtesgaden. Sie habe sich zwar darauf eingestellt, weil im Frühjahr nur noch Rinnsale die Hänge hinabflossen statt reißender Bäche. „Dass das aber so schnell geht, innerhalb einer Woche, damit haben wir nicht gerechnet.“
DAV-Sprecher Rohn ordnet die Lage ein: „Das ist leider bittere Realität, dass das Wasser ausgeht. Das ist schon drastisch, zumal es relativ früh in der Saison ist.“ Der Klimawandel lässt die Gletscher schmelzen, wodurch den Hütten zunehmend weniger Wasser zur Verfügung steht.
320 Hütten, zwei Drittel in deutschen und österreichischen Alpen
Der DAV unterhält rund 320 Hütten, gut zwei Drittel davon in den deutschen und österreichischen Alpen. Sie werden durch Niederschläge oder Schmelzwasser von Schneefeldern und Gletschern versorgt. Durch den Klimawandel steht Jahr für Jahr weniger Wasser zur Verfügung. Vor allem die hochalpinen Hütten sind betroffen.
Ist eine wichtige Wasserquelle versiegt, zieht das oft den kompletten Umbau der Hütte nach sich. Toiletten und Duschen fallen dann teilweise weg oder werden durch mobile Lösungen ersetzt. Vermeidbares Geschirr wie Untertassen wird nicht mehr verwendet.
Helikopter-Anflug kostet 600 Euro
Die Hüttengäste zeigen meist Verständnis, berichtet Schieder-Moderegger. „Aber dann gibt es immer noch die, die sich aufregen, warum es keine Dusche gibt oder dass sie für das Trinkwasser was zahlen müssen.“ Vier Euro kostet der Liter Trinkwasser auf der Blaueishütte. „Die Wirte müssen das mit dem Heli hochfliegen“, erklärt sie. „31 Euro kostet das die Minute, der Anflug 600 Euro – irgendwo müssen sie das wieder hereinholen.“



