Wiesbaden – Die Menschen in Hessen gönnen sich wieder mehr. Der private Konsum im Bundesland ist im vergangenen Jahr real um 2,1 Prozent gestiegen. Das geht aus einer aktuellen Studie des Statistischen Landesamtes hervor. Damit liegt Hessen über dem bundesweiten Durchschnitt von 1,8 Prozent.
Was die Menschen in Hessen kaufen
Besonders gefragt waren Dienstleistungen wie Friseurbesuche, Restaurantbesuche oder Urlaubsreisen. Auch für Möbel und Einrichtungsgegenstände gaben die Hessen mehr Geld aus. Bei Lebensmitteln und Bekleidung fiel der Anstieg dagegen geringer aus. Die Ausgaben für Wohnen, Energie und Gesundheit stiegen ebenfalls, aber weniger stark als der Durchschnitt.
Die Studie zeigt auch: Die Konsumlaune ist in den einzelnen Regionen Hessens unterschiedlich. Im Rhein-Main-Gebiet, insbesondere in Frankfurt, ist der Anstieg mit 2,4 Prozent am höchsten. In Nord- und Osthessen fällt er mit 1,7 Prozent etwas geringer aus. Das liegt laut Statistikern an den unterschiedlichen Einkommen und der Wirtschaftsstruktur.
Gründe für den Anstieg
Als Gründe für den Anstieg nennt die Studie die gestiegenen Reallöhne und die niedrige Inflation. Die Verbraucherinnen und Verbraucher hätten mehr Geld in der Tasche, sagt die Ökonomin Dr. Anna Weber vom Institut für Wirtschaftsforschung in Wiesbaden. „Die Menschen spüren, dass ihre Kaufkraft wieder zunimmt, und das gibt ihnen Sicherheit.“ Die niedrige Arbeitslosigkeit und die gute Konjunktur in Hessen trügen ebenfalls dazu bei.
Allerdings warnen Experten vor einer Überinterpretation. Der Anstieg folgt auf zwei Jahre mit sinkendem Konsum. 2022 und 2023 hatten die hohen Energiepreise und die Inflation die Verbraucher belastet. Der jetzige Zuwachs sei daher teilweise ein Aufholeffekt, so die Studie.
Auswirkungen auf die Wirtschaft
Der gestiegene Konsum wirkt sich positiv auf die hessische Wirtschaft aus. Der Einzelhandel verzeichnete 2024 ein Umsatzplus von 1,5 Prozent. Auch die Gastronomie und der Tourismus profitierten. Die Landesregierung sieht den Trend als Bestätigung ihrer Wirtschaftspolitik. Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) erklärte: „Die Menschen in Hessen haben Vertrauen in die Zukunft, das ist ein gutes Zeichen.“
Doch es gibt auch Kritik: Die Konsumausgaben konzentrieren sich auf städtische Gebiete. Der ländliche Raum hinke hinterher, bemängelt die Opposition im Landtag. Zudem sei der Anstieg nicht nachhaltig, wenn die Konjunktur schwächele. Für das laufende Jahr erwarten Ökonomen eine Abschwächung auf 1,2 Prozent Wachstum.
Bundesweiter Vergleich
Im bundesweiten Vergleich liegt Hessen auf Platz drei hinter Bayern (2,3 Prozent) und Baden-Württemberg (2,2 Prozent). Schlusslicht ist Bremen mit nur 0,9 Prozent. Das Statistische Landesamt betont, dass die Zahlen auf einer repräsentativen Umfrage von 5.000 Haushalten basieren. Die Ergebnisse sind mit einer Fehlertoleranz von plus/minus 0,3 Prozentpunkten behaftet.
Die Studie „Privater Konsum in Hessen“ erscheint jährlich und wird vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegeben. Sie dient als Grundlage für wirtschaftspolitische Entscheidungen. Die vollständigen Ergebnisse sind im Internet abrufbar.



