Traditionsbrauerei in Kaufbeuren meldet Insolvenz an
Traditionsbrauerei in Kaufbeuren meldet Insolvenz an

Kaufbeuren (Bayern) – Eine der ältesten Brauereien im Allgäu ist pleite. Die Aktienbrauerei Kaufbeuren, deren Wurzeln bis ins Jahr 1308 zurückreichen, hat ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Das Amtsgericht hat dem Antrag bereits zugestimmt. Nun beginnt für das Unternehmen ein umfassender Sanierungsprozess.

Gründe für die Insolvenz

Sanierungsexperte Volker Peter Zimmerer von der Unternehmensberatung ZMC, der die operative und strategische Führung übernimmt, nennt gegenüber BILD mehrere Ursachen: „Die Energiekosten sind extrem gestiegen. Es gab kaum neue Biersorten ohne Zucker und ohne Alkohol. Und auch der Personalbestand ist sehr hoch.“ Hinzu kommt der allgemeine Trend: Die Deutschen trinken immer weniger Bier. Allein 2025 ging der Konsum um 5,8 Prozent zurück, und dieser Abwärtstrend setzt sich 2026 fort. „Die Gesellschafter waren nicht mehr bereit, weitere Verluste zu akzeptieren“, so Zimmerer.

Situation der Mitarbeiter

Für die 84 Beschäftigten bedeutet die Entwicklung vor allem Unsicherheit. Die Gehälter sind vorerst über das staatliche Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit für die kommenden drei Monate gesichert. Doch wie viele Arbeitsplätze langfristig erhalten bleiben, ist offen. Nach BILD-Informationen könnten bis zu 50 Prozent der Stellen wegfallen. Trotz der finanziellen Probleme soll der Betrieb in Kaufbeuren vorerst weiterlaufen. „Die Produktion wird ohne Unterbrechung fortgesetzt. Auch werden alle Kunden wie immer beliefert. Unser Ziel ist es, dass die Brauerei erhalten bleibt“, betont Zimmerer.

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Suche nach Investoren und Kostensenkung

Parallel läuft die Suche nach neuen Geldgebern. Investoren sollen helfen, den Standort dauerhaft zu sichern und die wirtschaftliche Zukunft zu stabilisieren. Zudem sollen Grundstücke verkauft werden, um frisches Kapital zu generieren. Gleichzeitig macht der Sanierungsexperte deutlich, dass starke Veränderungen im Unternehmen nötig sein werden. Die Aktienbrauerei Kaufbeuren blickt auf eine über 700-jährige Geschichte zurück. Heute befindet sich das operative Geschäft mehrheitlich im Besitz internationaler Investoren.

Erst kürzlich war die Insolvenz einer schwäbischen Traditionsbrauerei bekannt geworden. Laut Deutschem Brauer-Bund gaben in den vergangenen sechs Jahren 137 deutsche Brauereien auf. Auch Großbrauereien schließen Standorte, darunter Oettinger in Braunschweig sowie der Warsteiner-Konzern, der die Herforder-Brauerei in Hiddenhausen schließt und den Standort Paderborn verkaufen will.

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