Hannover – Die Zahl der neuen Unternehmen in Niedersachsen ist im vergangenen Jahr erneut deutlich gestiegen. Nach einer Auswertung des Landesamtes für Statistik wurden 2025 mehr als 71.000 Firmen neu registriert. Das ist der höchste Stand innerhalb der vergangenen zehn Jahre. Die Zahl der Abmeldungen fiel mit rund 16.000 weniger deutlich niedriger aus.
Zehn Jahre lang mehr Gründungen als Schließungen
Schon seit 2015 übersteigt die Zahl der Neugründungen im Bundesland die der Unternehmensschließungen. Besonders groß war diese Differenz in den Jahren der Corona-Pandemie. Das lag allerdings weniger an einem Gründungsboom, sondern vor allem daran, dass deutlich weniger Betriebe abgemeldet wurden. In den vergangenen Jahren hat sich das Bild gewandelt: Die Zahl der neuen Firmen stieg konstant und merklich, während die Abmeldungen nur leicht zunahmen.
Den vorläufigen Schlusspunkt dieser Entwicklung bildet das Jahr 2025. Mit mehr als 71.000 neuen Unternehmen wurde der Spitzenwert des vergangenen Jahrzehnts erreicht. Das Statistikamt verweist darauf, dass Zahlen aus dem Reisegewerbe in der Statistik nicht enthalten sind. Sollte sich der Trend fortsetzen, könnte der Wert im laufenden Jahr sogar noch einmal übertroffen werden.
Was in der Statistik als neues Unternehmen zählt
Nicht jede Firma, die in der Statistik auftaucht, ist eine klassische Existenzgründung. Wie ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums erläuterte, umfasst der Begriff „neue Unternehmen“ auch Betriebe, die aus anderen Bundesländern nach Niedersachsen verlegt werden. Auch Übernahmen von bestehenden Firmen werden als Neuzugänge gewertet. Auf der Abmeldungsseite können entsprechende Fälle ebenfalls eine Rolle spielen.
Die vom Ministerium genannten Zahlen präzisieren das Bild: Rund 84 Prozent der 2025 erfassten neuen Unternehmen waren demnach tatsächlich Neugründungen. Bei den Abmeldungen handelte es sich in etwa 82 Prozent der Fälle um komplette Betriebsschließungen. Das bedeutet im Umkehrschluss: Ein Teil der Zu- und Abgänge ist auf Standortverlagerungen oder Rechtsformwechsel zurückzuführen.
Wirtschaftsministerium: Anpassungsfähigkeit statt Stillstand
Aus Sicht der Landesregierung sind die Zahlen ein Zeichen von Stärke. „Die Entwicklung spricht grundsätzlich für eine weiterhin vorhandene Gründungsbereitschaft und die Anpassungsfähigkeit der niedersächsischen Wirtschaft“, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Als Triebkräfte nannte das Ministerium die Digitalisierung und neue Formen von Konsum und Arbeit, die zusätzliche Geschäftsfelder eröffneten.
Zugleich warnt das Ministerium vor Tendenzen, die den Schwung ausbremsen könnten. Dazu zählen eine schwache Konjunktur, höhere Kosten für Energie und Personal, der wachsende Mangel an Arbeits- und Fachkräften sowie ein zunehmender bürokratischer Aufwand. Auch die ungewisse weltwirtschaftliche und geopolitische Lage habe Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen.
Gründungsgeschehen als Gradmesser für den Standort
Neue Unternehmen sichern Arbeitsplätze, sorgen für Steuereinnahmen und können Innovationen vorantreiben. Gerade in einem Flächenland wie Niedersachsen, das von Mittelstand und Industrie geprägt ist, gilt die Gründungsdynamik als wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Gesundheit. Die aktuellen Zahlen sind erfreulich, aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen, damit der Trend nicht abreißt.
Das Wirtschaftsministerium macht deutlich: Damit aus Ideen auch Unternehmen werden, braucht es Planungssicherheit, entlastende Regulierung und verlässliche Perspektiven. Die Politik sei gefordert, die Standortbedingungen zu stärken und Hürden abzubauen. Nur so lasse sich die positive Entwicklung auf Dauer fortschreiben. Sollten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stabilisieren, sei eine weiterhin hohe Gründungsdynamik denkbar. Entscheidend werde sein, ob die Politik die strukturellen Probleme – allen voran den Fachkräftemangel und die Bürokratie – entschlossen angeht.



