ADAC-Test: Mainzer Haltestellen im bundesweiten Vergleich
Der ADAC hat die Barrierefreiheit von Bushaltestellen in zehn deutschen Städten getestet. Für Mainz ergibt sich ein gemischtes Bild: Während die digitale Fahrgastinformation mit akustischer Ausgabe an allen untersuchten Steigen vorhanden ist, hapert es an anderen Stellen – insbesondere beim Einstieg in Busse und bei der Führung blinder Menschen.
Einstiegslücke: Bis zu 26 Zentimeter Spalt gemessen
Für einen barrierefreien Einstieg, auch für Rollstuhlfahrende, sollte der Abstand zwischen Bus und Bordstein maximal fünf Zentimeter betragen. In Mainz wurde dieser Wert an allen getesteten Bussen überschritten. Besonders gravierend ist die Situation an der Haltestelle Höfchen/Listmann (Höfchen/Staatstheater) in der Innenstadt: Dort klaffte ein Spalt von 26 Zentimetern Breite und 22 Zentimetern Höhe. Dies erschwert nicht nur Rollstuhlfahrern, sondern auch älteren Menschen und Eltern mit Kinderwagen den Zugang.
Blinde Menschen: Nur 20 Prozent der Steige haben Auffindstreifen
Ein weiteres Problem: Blinde und sehbehinderte Menschen haben oft Mühe, die Haltestelle überhaupt zu finden. In Mainz verfügen nur 20 Prozent der getesteten Steige über sogenannte Auffindstreifen, die mit dem Langstock sicher zur Haltestelle führen. Gemeinsam mit Magdeburg bildet Mainz damit das Schlusslicht im bundesweiten Test. Die ADAC-Expertin für Barrierefreiheit, Petra Müller, sagte: „Es ist besorgniserregend, dass in Mainz so wenige Haltestellen über Auffindstreifen verfügen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, um die Mobilität blinder Menschen zu gewährleisten.“
Radwege und Hindernisse: Gefahrenstellen im Haltestellenbereich
Der ADAC kritisiert auch die Radwege, die in Mainz häufig durch die Haltestellenbereiche verlaufen. Dies führe zu gefährlichen Situationen für Fahrgäste, die ein- oder aussteigen. Zusätzlich fallen an den Haltestellen selbst Hindernisse auf: Kopfsteinpflaster, fehlende Leitstreifen und zu starke Neigungen der Steige. Diese Mängel erschweren insbesondere mobilitätseingeschränkten Menschen die Nutzung des ÖPNV.
Positive Aspekte: Digitale Infos und Sitzgelegenheiten
Immerhin können sich die digitalen Fahrgastinformationen sehen lassen: An allen zehn getesteten Steigen sind Infotaster installiert, über die Fahrgäste akustische Abfahrtsinformationen abrufen können. Auch Sitzgelegenheiten sind fast überall vorhanden – jedoch nur bei 70 Prozent mit Rückenlehnen. Ein weiteres Manko: An allen Sitzbänken fehlen Armlehnen, die älteren und mobilitätseingeschränkten Menschen das Hinsetzen und Aufstehen erleichtern.
Fazit: Fortschritte, aber noch erheblicher Handlungsbedarf
Der ADAC Mittelrhein zieht ein gemischtes Fazit: „Insgesamt kann man in Mainz – und bundesweit – zwar Fortschritte im Hinblick auf die Barrierefreiheit verbuchen. Nach wie vor gibt es aber noch erheblichen Handlungsbedarf.“ Die Stadt Mainz ist aufgefordert, insbesondere die Einstiegssituation und die Führung blinder Menschen zu verbessern, um den ÖPNV für alle Bürger zugänglich zu machen.



