Ammersee: Eis und Salzstangen für eine Sechs auf dem Zeugnis
Ammersee: Eis und Salzstangen für Zeugnis-Sechs

Im Strandbad Utting am Ammersee erhalten Schülerinnen und Schüler für jede Sechs auf ihrem Zeugnis eine Belohnung: ein Eis und eine Tüte Salzstangen. Das bestätigt der Betreiber Martin Gruber, der das Strandbad seit Jahren führt und nebenbei als Bademeister, Koch und selbsternannter Demotivationstrainer arbeitet.

Eine Geste gegen den Notenfrust

Die Aktion startete am 3. August 2026 und sorgt seither für Gesprächsstoff. Gruber betont, dass es ihm nicht darum gehe, schlechte Leistungen zu belohnen, sondern darum, den Druck von den Kindern zu nehmen. „Wir feiern die Nieten“, sagt er augenzwinkernd. Die Idee sei aus einer Laune heraus entstanden, als er von den Sommerzeugnissen hörte.

Konkret bedeutet das: Wer sein Zeugnis vorzeigt und eine Sechs in einem Fach hat, bekommt kostenlos eine Kugel Eis und eine Portion Salzstangen. Die Aktion gilt für alle Altersgruppen, solange der Vorrat reicht. Gruber rechnet mit einer hohen Nachfrage, gerade in den ersten Tagen nach der Zeugnisausgabe.

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Humor als pädagogisches Mittel

Der 54-Jährige versteht seine Aktion auch als pädagogischen Beitrag. „Kinder sollen nicht das Gefühl haben, dass eine schlechte Note das Ende der Welt ist“, sagt er. Mit Humor und Leichtigkeit wolle er zeigen, dass es im Leben um mehr gehe als um Schulnoten. Die Belohnung sei bewusst klein gehalten, um keine falschen Anreize zu setzen.

Die Resonanz ist überwältigend. In den ersten Tagen kamen zahlreiche Familien mit ihren Kindern, viele mit einem Schmunzeln. Auch Lehrer und Schulleiter aus der Region zeigten sich erfreut. Einige hätten sogar angeregt, die Aktion auf andere Strandbäder auszuweiten.

Ein Blick hinter die Kulissen des Strandbads

Martin Gruber ist seit über 20 Jahren Pächter des Strandbads Utting. Neben dem Betrieb kümmert er sich persönlich um das Wohl der Gäste, kocht im Kiosk und sorgt für Ordnung am Ufer. Seine Rolle als „Demotivationstrainer“ nimmt er selbstironisch: Er motiviere die Kinder, auch mal einen Fehler machen zu dürfen, sagt er.

Das Strandbad liegt direkt am Ammersee und ist bei Einheimischen wie Touristen beliebt. Neben der neuen Zeugnis-Aktion bietet es auch einen Sprungturm, der in den See führt, sowie Liegewiesen und einen Kiosk. Die Saison läuft noch bis September, die Aktion ist vorerst unbefristet.

Reaktionen aus der Gemeinde

Die Gemeinde Utting steht der Aktion positiv gegenüber. Bürgermeister Peter Wiedemann (CSU) lobte Gruber für seine kreative Idee. „Das ist eine schöne Geste, die den Kindern zeigt, dass man auch mal verlieren kann“, sagte er der örtlichen Presse. Auch Elternvertreter äußerten sich wohlwollend, solange die Aktion nicht als Aufforderung zum Nichtstun verstanden werde.

Kritische Stimmen gibt es dennoch. Einige Pädagogen warnen davor, dass Belohnungen für schlechte Noten das Leistungsprinzip untergraben könnten. Gruber kontert: „Ich belohne nicht die Sechs, ich belohne den Mut, sich zu zeigen.“ Er verweist darauf, dass viele Kinder unter starkem Leistungsdruck leiden.

Ein Trend, der Schule machen könnte

Die Aktion ist nicht die erste ihrer Art in Deutschland. In einigen Städten gab es ähnliche Angebote, etwa in Freibädern oder Eisdielen. Doch am Ammersee hat sie besonders viel Aufmerksamkeit erregt, nicht zuletzt wegen der sympathischen Art des Betreibers.

Ob die Aktion über den Sommer hinaus fortgesetzt wird, lässt Gruber offen. „Das hängt von der Resonanz ab“, sagt er. Wenn die Kinder weiterhin so begeistert reagieren, könne er sich vorstellen, sie zu einer festen Einrichtung zu machen. Bis dahin gilt: Wer eine Sechs hat, ist im Strandbad Utting willkommen – mit einem Lächeln und einer Belohnung.

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