Die umstrittene App „Freifahren“ sorgt in Berlin für Aufsehen: Sie soll Fahrgästen der BVG und der S-Bahn dabei helfen, Ticketkontrollen zu entgehen. Der Verein Freifahren ruft dazu auf, Kontrollen in Echtzeit zu melden, damit andere Nutzer diesen ausweichen können. Jetzt haben sich die Verkehrsbetriebe offiziell zu dem Angebot geäußert.
So funktioniert die App „Freifahren“
Die App basiert auf einer Karte, auf der Nutzer aktuelle Kontrollorte und -zeiten von BVG und S-Bahn eintragen können. Andere Fahrgäste sehen diese Informationen dann in Echtzeit und können ihre Route entsprechend anpassen. Der Verein Freifahren, der sich für die Abschaffung der Ticketpflicht im Nahverkehr einsetzt, sieht darin ein Mittel des zivilen Ungehorsams.
„Wir wollen die Überwachung im öffentlichen Raum sichtbar machen und Fahrgästen die Möglichkeit geben, sich der Kontrolle zu entziehen“, erklärte ein Sprecher des Vereins. Die App sei ein Werkzeug der Solidarität unter Fahrgästen.
BVG und S-Bahn kritisieren die App
Die BVG und die S-Bahn Berlin lehnen die App entschieden ab. „Das Umgehen von Ticketkontrollen ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat“, sagte ein BVG-Sprecher. „Wir sichern die Finanzierung des Nahverkehrs durch Ticketverkäufe. Wer Kontrollen umgeht, schädigt die Allgemeinheit und letztlich alle ehrlichen Fahrgäste.“
Die S-Bahn Berlin äußerte sich ähnlich: „Wir werden die App rechtlich prüfen und alle Möglichkeiten ausschöpfen, um das Umgehen von Kontrollen zu verhindern. Dazu gehört auch die Strafverfolgung der App-Betreiber.“
Rechtliche Einordnung und Reaktionen
Rechtlich bewegt sich die App in einer Grauzone. „Das Melden von Kontrollen ist an sich nicht strafbar, aber es kann als Beihilfe zum Erschleichen von Leistungen gewertet werden“, erklärt der Berliner Rechtsanwalt Dr. Thomas Schmidt. „Ob die Betreiber haftbar gemacht werden können, wird letztlich ein Gericht entscheiden müssen.“
Die Berliner Verkehrsbetriebe verweisen auf ihre erhöhten Kontrollzahlen: Allein im Jahr 2025 führten sie über 2,5 Millionen Kontrollen in Bussen und Bahnen durch. Dabei wurden rund 400.000 Verstöße festgestellt. Die Einnahmen aus Ticketverkäufen machen einen erheblichen Teil des Budgets der Verkehrsbetriebe aus.
Auswirkungen auf Fahrgäste und Verein
Für Fahrgäste mit gültigem Ticket ändert sich durch die App zunächst nichts. Sie müssen keine Nachteile befürchten. Der Verein Freifahren kündigt jedoch an, die App weiter zu verbreiten und die Kontrollmeldungen zu intensivieren.
„Die App ist erst der Anfang“, so der Sprecher. „Wir werden weiterhin kreative Wege finden, um den Druck auf die Verkehrsbetriebe zu erhöhen.“ Die BVG kündigte daraufhin an, ihre Kontrollstrategie zu überarbeiten und weniger vorhersehbar zu gestalten.



