Ein schlichter Getreidesack ist derzeit im Altlandkreis Wertingen ein Blickfang: Er erinnert an die historischen Mühlen, die einst das Bild der Region bestimmten. Der Sack, der in einem Schaufenster in Wertingen ausgestellt ist, trägt die Aufschrift „Mühle“ und weckt Erinnerungen an eine Zeit, als Wasserräder und Mühlsteine den Takt des ländlichen Lebens vorgaben.
Mühlen prägten die Region über Jahrhunderte
Die Geschichte der Mühlen im Altlandkreis Wertingen reicht bis ins Mittelalter zurück. Zeitweise gab es hier über 40 Mühlen, die entlang der Zusam und ihrer Nebenflüsse lagen. Sie dienten nicht nur zum Mahlen von Getreide, sondern auch als Sägemühlen, Ölmühlen und sogar als Hammerschmieden. Viele dieser Betriebe waren über Generationen in Familienbesitz und stellten die Versorgung der umliegenden Dörfer sicher.
Der ausgestellte Getreidesack ist ein Symbol für diese vergangene Ära. Er wurde von einem örtlichen Heimatverein zur Verfügung gestellt, der sich um die Erhaltung der Mühlengeschichte bemüht. „Der Sack stammt aus einer der letzten aktiven Mühlen in der Gegend und ist ein Stück lebendige Heimatgeschichte“, erklärt die Vorsitzende des Vereins, Maria Huber. „Wir wollen mit dieser Ausstellung an die Bedeutung der Mühlen für unsere Region erinnern.“
Wasserkraft als Antrieb für die Wirtschaft
Die Mühlen nutzten die Wasserkraft der Flüsse und Bäche, um ihre Maschinen anzutreiben. Sie waren wichtige Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktoren. Die Müller genossen hohes Ansehen, denn sie verarbeiteten das Korn der Bauern zu Mehl, das die Grundlage für Brot und andere Lebensmittel bildete. Die Mühlentechnik entwickelte sich im Laufe der Zeit weiter: Vom einfachen Mahlstein über oberschlächtige Wasserräder bis hin zu modernen Turbinen.
Im 19. und 20. Jahrhundert ging die Zahl der Mühlen jedoch stetig zurück. Gründe waren die Industrialisierung, die Konkurrenz großer Mühlenwerke und der Strukturwandel in der Landwirtschaft. Viele Mühlen wurden stillgelegt, verfielen oder wurden zu Wohnhäusern umgebaut. Heute sind nur noch wenige Mühlen erhalten, einige davon stehen unter Denkmalschutz.
Ausstellung macht Geschichte erlebbar
Die Ausstellung mit dem Getreidesack ist Teil einer Reihe von Veranstaltungen, die der Heimatverein organisiert. Sie zeigt auch historische Fotos, Dokumente und Arbeitsgeräte aus der Blütezeit der Mühlen. Besucher können so einen Einblick in die Arbeitswelt der Müller und die Technik der Mühlen gewinnen. Die Schau ist noch bis Ende des Monats im Schaufenster in der Hauptstraße zu sehen.
Die Resonanz in der Bevölkerung ist groß. Viele ältere Bewohner erinnern sich noch an die Mühlen aus ihrer Kindheit, als sie dort mit ihren Eltern Getreide ablieferten. Jüngere Besucher staunen über die einfachen, aber effektiven Mechanismen. „Es ist wichtig, dieses kulturelle Erbe zu bewahren“, sagt Huber. „Denn die Mühlen sind ein Teil unserer Identität.“
Zukunft der Mühlengeschichte
Der Heimatverein plant, die Ausstellung in den kommenden Monaten zu erweitern und weitere Exponate zu zeigen. Zudem sollen Führungen zu den noch bestehenden Mühlen angeboten werden. Auch die Idee, eine der alten Mühlen wieder in Betrieb zu nehmen, wird diskutiert. „Das wäre ein lebendiges Museum, das zeigt, wie früher Mehl gemahlen wurde“, so Huber.
Bis dahin bleibt der Getreidesack ein stiller Zeuge einer vergangenen Epoche. Er erinnert an die harte Arbeit der Müller und die Bedeutung der Mühlen für die Region. Die Ausstellung ist ein Beitrag zur Bewahrung des kulturellen Erbes und lädt dazu ein, die Geschichte der Mühlen im Altlandkreis Wertingen zu entdecken.



