Bei der diesjährigen Grabungskampagne im antiken Heiligtum von San Casciano dei Bagni in der Toskana haben Archäologen erneut spektakuläre Funde gemacht. Neben Teilen des Daches eines römischen Tempels kamen erstmals bronzene Blitzsymbole ans Licht, die Aufschluss über die Kultpraktiken geben könnten. Die Entdeckungen belegen zudem, dass die Anlage weit über die Antike hinaus genutzt wurde.
Tempeldach mit Gorgonenköpfen freigelegt
Bereits in den ersten sechs Wochen der Ausgrabungen legten die internationalen Forschungsteams größere Teile der Dachkonstruktion eines römischen Tempels frei. Besonders bemerkenswert sind laut den Experten Terrakotta-Verzierungen mit Gorgonenköpfen aus dem 1. Jahrhundert vor Christus. Diese Funde stammen aus der letzten Nutzungsphase des Heiligtums und liefern neue Einblicke in dessen architektonische Gestaltung.
Blitzsymbole als Zeichen der Götter
Außerhalb des Tempels entdeckten die Archäologen mehrere bronzene Blitzsymbole. In der etruskischen und später römischen Religion galten Blitze als göttliche Zeichen und spielten eine zentrale Rolle bei der Weihe heiliger Orte. Die Forscher erhoffen sich von den Symbolen neue Erkenntnisse über die Rituale, die an diesem Ort praktiziert wurden.
Mittelalterliche Nutzung nachgewiesen
Die Ausgrabungen brachten auch Zeugnisse aus späteren Epochen zutage. So legten die Archäologen die Reste eines großen Gebäudes aus dem späten 14. Jahrhundert frei, das noch vor dem Anschluss San Cascianos an die Republik Siena errichtet wurde. Seine Funktion ist bislang unklar, doch der Fund gilt als Beleg dafür, dass die Thermalquellen im Spätmittelalter wieder intensiv genutzt wurden.
Darüber hinaus wurden zahlreiche Fundstücke aus der Zeit zwischen dem 6. und 12. Jahrhundert sowie mehrere mittelalterliche Gräber entdeckt. Sie zeigen, dass das Gelände nach der rituellen Schließung des römischen Heiligtums nicht aufgegeben wurde, sondern über Jahrhunderte hinweg ein bedeutender Ort blieb.
Öffentliche Präsentation der Ergebnisse
Die Ergebnisse der ersten sechs Wochen der diesjährigen Grabungskampagne stellten Archäologen und Studierende der Universität für Ausländer in Siena bei einer öffentlichen Veranstaltung den Bewohnern der Region vor. An den Ausgrabungen beteiligen sich Studierende und Wissenschaftler aus zahlreichen Ländern. Noch bis Anfang Oktober wird an der Ausgrabungsstätte in der südlichen Toskana weitergearbeitet.
Bedeutung seit 2022 gewachsen
Das Heiligtum von San Casciano dei Bagni zählt seit den spektakulären Entdeckungen von 2022 zu den bedeutendsten archäologischen Fundstätten Europas. Damals wurden in den heißen Quellen 24 nahezu vollständig erhaltene Bronzestatuen aus der Zeit zwischen dem 2. Jahrhundert vor Christus und dem 1. Jahrhundert nach Christus entdeckt. Hinzu kamen Tausende Münzen und Votivgaben aus einem über 2300 Jahre alten etruskisch-römischen Heiligtum.
Thermalquellen seit der Antike geschätzt
Die Gemeinde San Casciano dei Bagni mit rund 1600 Einwohnern ist bis heute für ihre Thermalquellen bekannt. Bereits die mächtige toskanische Herrscherfamilie Medici nutzte die Bäder im 16. Jahrhundert. Mit jeder neuen Grabung erweitert sich nun das Bild eines Kult- und Badeortes, dessen Geschichte sich über mehr als zwei Jahrtausende erstreckt.



