Asche im Markusbecken verstreut: Touristin in Venedig droht hohe Strafe
Asche im Markusbecken: Touristin droht hohe Strafe

Ein ungewöhnlicher Vorfall im Herzen von Venedig sorgt für Aufsehen und Empörung. Eine Touristin soll im Markusbecken, dem zentralen Gewässer der Lagunenstadt, die Asche eines Verstorbenen verstreut haben. Der Vorfall wurde von Passagieren eines Vaporettos, der venezianischen Wasserbusse, gefilmt und verbreitete sich binnen Stunden in den sozialen Netzwerken.

Die Aufnahmen zeigen, wie die Frau auf dem Vaporetto während der Fahrt zwischen dem Markusplatz und der Insel San Giorgio Maggiore einen Beutel öffnet und dessen Inhalt über die Reling ins Wasser entleert. Mehrere Augenzeugen gingen davon aus, dass es sich dabei um menschliche Asche handelte. „Bist du fertig?“, ruft ein sichtlich empörter Fahrgast, bevor das Video endet. Eine offizielle Bestätigung für die Natur des Inhalts liegt bislang nicht vor.

Heftige Reaktionen in Venedig

Der Vorfall hat in Venedig heftige Reaktionen ausgelöst. Viele Nutzer sozialer Netzwerke kritisieren sowohl den Ort als auch die Missachtung gesetzlicher Vorgaben. „Das ist einfach respektlos gegenüber den Einwohnern der Stadt“, protestierte eine Userin auf Facebook. Es gibt aber auch Verständnis: „Die Menschen sollten das Recht haben, ihre Asche dort verstreuen zu lassen, wo sie wollen“, schreibt eine andere Userin. Ein weiterer Kommentar lautet: „Asche verschmutzt nichts, sie wird zu Dünger und kann überall verstreut werden. Außerdem möchte ich sagen: Bei all den echten Umweltproblemen ist das wohl egal …“

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Rechtliche Lage in Venetien

Das Markusbecken gehört nicht zu den Bereichen, in denen eine Verstreuung von Asche erlaubt ist. In der Region Venetien, zu der die Stadt Venedig gehört, ist die Verstreuung klar geregelt und nur unter bestimmten Bedingungen zulässig. Erlaubt ist sie unter anderem in sogenannten Gärten der Erinnerung auf den Friedhöfen von San Michele, Mestre und Marghera sowie auf privaten Grundstücken außerhalb geschlossener Ortschaften mit Zustimmung des Eigentümers. In natürlichen Gebieten ist dies nur an wenigen ausgewiesenen Orten gestattet – etwa in Teilen der Adria in mehr als 700 Metern Entfernung von der Küste oder in bestimmten Zonen der nördlichen Lagune hinter dem Friedhof San Michele. Zudem ist eine behördliche Genehmigung erforderlich, die auf dem nachgewiesenen Willen der verstorbenen Person basiert. Die Durchführung muss anschließend den zuständigen Stellen gemeldet werden.

Hohe Geldstrafe droht

Sollte sich bestätigen, dass die Touristin tatsächlich Asche im Markusbecken verstreut hat, droht ihr eine empfindliche Geldstrafe. Die Behörden haben inzwischen Ermittlungen aufgenommen. Auch die Identität der Frau wird derzeit überprüft.

Wachsender Trend zur Ascheverstreuung im Meer

Unabhängig vom konkreten Fall verzeichnen Bestatter in Italien einen wachsenden Trend zur Verstreuung von Asche im Meer. In der Praxis erfolgt dies in der Regel auf Booten in ausreichender Entfernung zur Küste. Zulässig ist dies nur in festgelegten Zeiträumen zwischen dem 1. Januar und 30. April sowie dem 1. Oktober und 31. Dezember. In der Zeit vom 1. Mai bis 30. September werden die Urnen in speziell vorgesehenen Friedhofsbereichen aufbewahrt. „Rund 15 Prozent der Einäscherungen führen zur Ascheverstreuung in der Adria – das sind mehrere Hundert Fälle pro Jahr“, erklärt Matteo Nucci, Verantwortlicher des Krematoriums in dem Adria-Urlaubsort Rimini. Viele Hinterbliebene hätten diesen Wunsch bereits zu Lebzeiten festgelegt.

Die zunehmende Zahl von Einäscherungen beschäftigt auch die katholische Kirche. Der Vatikan spricht sich gegen die freie Verstreuung von Asche in der Natur aus. Stattdessen befürwortet er die Aufbewahrung der sterblichen Überreste an „Orten des Herzens“.

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