Beim Tanken gibt es deutliche regionale Unterschiede: Bayern ist derzeit das günstigste Bundesland. Das zeigt eine Stichprobe des Spritpreisportals Tankerkönig vom Dienstag, 6.30 Uhr. Bei Super E5 liegt Bayern allein vorn, bei E10 teilt es sich den Spitzenplatz mit Berlin, und bei Diesel ist Bayern zusammen mit dem Saarland am günstigsten. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des ADAC sind die Preise dagegen bemerkenswert stabil.
Regionale Preisunterschiede: Bayern vs. Sachsen-Anhalt
Bei Super E5 war Bayern zum Stichzeitpunkt um 8 Cent günstiger als Sachsen-Anhalt und Bremen, die das teure Ende der Skala bilden. Bei E10 beträgt der Unterschied zwischen den günstigsten Standorten Bayern und Berlin und den teuersten (Hessen, Bremen, Sachsen-Anhalt) 7 Cent. Ähnlich groß ist die Differenz bei Diesel: 7 Cent zwischen Bayern und Saarland (günstig) und Bremen, Nordrhein-Westfalen und Hessen (teuer).
Auch Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern zeigten sich bei Diesel relativ günstig. Bei Benzin waren diese beiden Länder ebenfalls günstig, ebenso Berlin, das Saarland und Brandenburg. Eher teuer waren Sachsen, Thüringen und Hessen bei Benzin sowie Sachsen bei Diesel. Innerhalb der Länder können die Preise je nach Region, Tankstelle und Uhrzeit jedoch stark schwanken.
Benzinpreis ungewöhnlich stabil: Rohöl schwankt stärker
Der vom ADAC gemessene bundesweite Tagesdurchschnitt für Super E10 lag am Montag bei 2,145 Euro pro Liter – ein Minus von 0,6 Cent zum Sonntag. Diesel verbilligte sich um 0,2 Cent auf 2,225 Euro. Besonders der Benzinpreis ist seit Wochen ungewöhnlich stabil: Seit dem 16. Juli bewegen sich die Tagesdurchschnittswerte in einem schmalen Band zwischen 2,132 und 2,168 Euro. Im selben Zeitraum schwankte der Rohölpreis, der als wichtigster Preistreiber gilt, deutlich stärker – die Schwankungsbreite beträgt etwa ein Fünftel.
Bei Diesel ist die Schwankungsbreite mit mehr als 7 Cent pro Liter zwar höher, das entspricht aber weniger als 4 Prozent des Preises und ist damit immer noch deutlich geringer als beim Rohöl.
Kartellamt: Zwischenerfolg im Streit um Raffineriedaten
Das Bundeskartellamt hat im Ringen um die Preisdaten der Raffinerien einen Zwischenerfolg erzielt. Die Behörde hat gegen alle Betreiber Verfahren eröffnet, um zu prüfen, ob die verlangten Preise gerechtfertigt sind. Die Raffineriepreise gelten als wichtiger Faktor für die Schwankungen der Spritpreise. Erste Antworten seien bereits eingegangen, sagt Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Zwei Unternehmen haben allerdings bereits Mitte Juli Beschwerden gegen die Auskunftspflicht eingelegt. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat laut Kartellamt in einer Zwischenentscheidung abgelehnt, die Auskunftspflicht auszusetzen.
Mundt stellt jedoch keine schnellen Erfolge in Aussicht: Das Kartellrecht sei „kein Instrument staatlicher Preisregulierung und kann Kraftstoffpreise nicht unmittelbar senken“, betont er.
12-Uhr-Regel: Viele Verstöße, Kritik nimmt zu
Die Zahl der Verstöße gegen die 12-Uhr-Regel bleibt hoch, so das Kartellamt. Im Juli stieg sie sogar wieder an. Die Behörde nannte allerdings keine konkreten Zahlen. Auffällig: Knapp 88 Prozent aller Verstöße seit Einführung der Regel ereigneten sich in einem Zeitfenster von 11.50 bis 12.10 Uhr – also nahe am erlaubten Zeitbereich. Nur 3,5 Prozent der Verstöße lagen mehr als eine Stunde von 12.00 Uhr entfernt.
Die 12-Uhr-Regel ist umstritten. Ökonomen und Verbraucherschützer sehen keine dämpfende Wirkung auf die Preise, sondern sogar preistreibende Effekte. Auch CSU-Chef Markus Söder äußerte sich im ARD-Sommerinterview kritisch: „Man sollte auch noch mal dringend schauen, ob diese 12-Uhr-Regel wirklich funktioniert. Mein Gefühl: sie funktioniert nicht sehr und hat auch keine große Wirkung.“
Der ADAC fordert ebenfalls eine kritische Überprüfung der Regel. Zudem will der Automobilclub verschiedene Instrumente gegen überhöhte Kraftstoffpreise wissenschaftlich auf Wirksamkeit, Nebenwirkungen und praktische Umsetzbarkeit prüfen lassen, wie ein Sprecher erklärte. Darüber hinaus fordert der ADAC Entlastungen: „Vor allem Menschen mit niedrigen Einkommen müssten direkt unterstützt werden“, so der Sprecher.
Median statt Durchschnitt: Warum die Methoden sich unterscheiden
Spritpreisdaten können je nach Ermittlungsmethode leicht voneinander abweichen. Ein direkter Vergleich der Preise unterschiedlicher Analysen – etwa von Tankerkönig und ADAC – ist deshalb problematisch. Aussagen über Preisunterschiede innerhalb eines Systems lassen sich damit aber gut treffen. Tankerkönig nutzt für seinen regionalen Vergleich nicht den vom ADAC herangezogenen Durchschnittspreis, sondern den Median. Der Median gibt den Wert an, der in der Mitte aller ermittelten Preise liegt, und ist dadurch weniger anfällig für Extremwerte. Beispiel: Bei der Zahlenreihe 1, 2, 3, 4, 40 ist der Median 3, der Durchschnitt dagegen 10.



