Behindertenbeauftragter: Aufzüge im ÖPNV oft wochenlang defekt
Behindertenbeauftragter: Aufzüge oft wochenlang defekt

ADAC-Studie: Nur jede fünfte Straßenbahnhaltestelle ist barrierefrei

Der ADAC hat rund 150 Haltestellen für Bus und Straßenbahn in deutschen Städten untersucht, teils begleitet von Betroffenen. Das ernüchternde Ergebnis: Nur 20 Prozent der Straßenbahnhaltestellen erfüllen die empfohlenen Abstände zwischen Bordsteinkante und Fahrzeug, sodass ein Ein- und Ausstieg ohne Rampe möglich ist. Bei Bussen halten lediglich drei Prozent passgenau, wie der Automobilclub mitteilte. Für Menschen mit Behinderung, Rollator oder Kinderwagen wird der Einstieg dadurch erheblich erschwert.

Blindenleitsysteme mangelhaft: Auffindestreifen fehlen oft

Besonders schwierig ist die Situation für Blinde und Sehbehinderte. Zwar sichern an 93 Prozent der Haltestellen Leitstreifen parallel zur Bordsteinkante die Menschen ab. Doch nur 58 Prozent verfügen über sogenannte Auffindestreifen quer über den Gehweg, die Blinden mit dem Blindenstock die Orientierung ermöglichen. Wie der ADAC betont, erschwert dies das Auffinden der Haltestellen erheblich. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) ergänzt, dass Maßnahmen wie Blindenleitsysteme „häufig noch unzureichend und nicht zu Ende gedacht“ seien. Auch Informationen zu defekten Aufzügen und Durchsagen für Blinde seien unzureichend.

Behindertenbeauftragter Dusel: „Aufzüge funktionieren oft wochenlang nicht“

Der Behindertenbeauftragte des Bundes, Jürgen Dusel, beklagt hohe Hürden im öffentlichen Personennahverkehr. „Vielerorts funktionieren die Aufzüge oft wochenlang nicht, gerade in ländlichen Gebieten gibt es bei Bushaltestellen noch immer Stufen und enge Flächen“, sagte Dusel der Deutschen Presse-Agentur. Für den ÖPNV seien Länder und Kommunen verantwortlich. „Sie waren eigentlich durch das Personenbeförderungsgesetz schon bis 2022 zu einer vollständigen Umsetzung der Barrierefreiheit verpflichtet – das wurde nicht erfüllt.“

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Deutsche Bahn: Stufenfreie Zugänge, aber nicht barrierefrei

Auch bei der Deutschen Bahn sieht Dusel große Defizite. Zwar seien rund 90 Prozent der 5.400 Bahnhöfe stufenfrei zu erreichen. „Damit ist man aber noch nicht am Zug“, so Dusel. Taube oder blinde Menschen benötigten mehr als eine stufenlose Zugänglichkeit. „In diesem Sinne sind etwa 3.500 Bahnhöfe noch nicht vollständig barrierefrei umgebaut.“ Zudem kritisierte Dusel, dass Menschen im Rollstuhl Fahrten mindestens einen Tag im Voraus anmelden müssten und der Mobilitätsservice an vielen Bahnhöfen nur bis 22.00 oder sogar nur bis 20.00 Uhr angeboten werde. „Wenn dann ein Zug Verspätung hat, kann es eng werden.“

13 Millionen Menschen mit Behinderung in Deutschland

Laut Sozialverband Deutschland leben hierzulande 13 Millionen Menschen mit Behinderung. Der Verband betont, dass nicht nur Bahnhöfe und Haltestellen, sondern auch die Wege dorthin oft nicht barrierefrei seien. Zwar habe sich in den vergangenen Jahren einiges getan, doch der Ausbau müsse schneller vorangetrieben werden. Der ADAC fordert, dass Kommunen, Verkehrsbetriebe und Straßenverkehrsbehörden ihre Anstrengungen verstärken. Auch aufmerksames Fahrpersonal und Mitreisende könnten die Situation verbessern, etwa indem Bereiche für den Einstieg von Menschen mit Behinderung freigehalten werden.

Fortschritte in Großstädten, aber Handlungsbedarf bleibt

Positiv vermerkt Dusel, dass das Bewusstsein für Barrierefreiheit gewachsen sei. „Viele Fahrzeuge und einzelne Bahnhöfe sind heute besser zugänglich als früher, aber es besteht noch deutlicher Handlungsbedarf.“ Gerade in größeren Städten seien Stadt- und U-Bahnen inzwischen barrierefreier als vor 20 Jahren. Dennoch bleibe die vollständige Barrierefreiheit ein fernes Ziel, solange Aufzüge wochenlang ausfallen und Leitsysteme lückenhaft sind.

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