Immer mehr Menschen entdecken das Sammeln von essbaren Wildpflanzen, Kräutern und Pilzen für sich. Der Trend, der als Foraging bekannt ist, verwandelt einen einfachen Spaziergang in eine spannende Entdeckungstour. Neu ist dieses Hobby nicht: Bereits unsere Vorfahren lebten als Jäger und Sammler. Heute erlebt die Praxis eine Renaissance, wie myHOMEBOOK berichtet.
Foraging verbindet Natur und Bewegung
Das Sammeln von Wildpflanzen kombiniert Bewegung mit einem intensiven Naturerlebnis und gilt als nachhaltig. Wildpflanzen wachsen direkt vor der Haustür und benötigen keine langen Transportwege, was die CO₂-Bilanz verbessert. Das Bundesamt für Naturschutz sieht in dieser Aktivität auch eine Chance, das Bewusstsein für die biologische Vielfalt zu schärfen. Selbst in Großstädten hat das Hobby Einzug gehalten: Beim sogenannten „Urban Foraging“ suchen Teilnehmer in geführten Kursen gemeinsam nach essbaren Pflanzen in Parks oder an Straßenrändern.
Rechtliche Grundlagen: Was ist erlaubt?
Grundsätzlich ist das Sammeln von Wildpflanzen und Pilzen in Deutschland erlaubt, solange die Natur nicht beeinträchtigt wird. Laut Bundesamt für Naturschutz dürfen Blumen, Gräser, Pilze oder Früchte jedoch nur „in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf“ gesammelt werden – vorausgesetzt, die Arten stehen nicht unter besonderem Artenschutz. Als Faustregel gilt die Handstraußregelung: Erlaubt ist nur so viel, wie in eine Hand passt. Nicht überall darf gesammelt werden. Geeignete Orte sind Wälder, Streuobstwiesen oder Flussufer. Tabu sind Naturschutzgebiete, Privatgrundstücke und landwirtschaftlich genutzte Flächen ohne Erlaubnis. Auch stark befahrene Straßen und Industriegebiete sollten gemieden werden, da die Pflanzen dort Schadstoffe aufnehmen können.
Giftige Doppelgänger: Eine ernste Gefahr
Die größte Gefahr beim Foraging sind giftige Doppelgänger. Bärlauch beispielsweise kann leicht mit Maiglöckchen oder Herbstzeitlosen verwechselt werden, die hochgiftig sind. Auch Wiesenkerbel ähnelt dem giftigen Gefleckten Schierling. Ratgeber und Bestimmungs-Apps können helfen, jedoch warnt die Deutsche Gesellschaft für Mykologie ausdrücklich vor Apps, die Pflanzen ausschließlich per Scan bestimmen. „Wer eine Pflanze nicht eindeutig erkennt, sollte sie weder sammeln noch verzehren“, so die Experten. Im Zweifel ist es besser, auf das Sammeln zu verzichten.
Artenschutz und nachhaltige Ernte
Einige Pflanzen und Pilze stehen unter besonderem Artenschutz und dürfen nicht gesammelt werden. Dazu gehören unter anderem Krokusse, Enziane, Steinpilze und alle Pfifferlingsarten. Bei der Ernte von Pflanzen sollten nur Blätter oder Früchte entnommen werden. Das Bundesamt für Naturschutz betont, dass die Entnahme „pfleglich erfolgen“ soll, um „negative Einwirkungen auf die Pflanze und die Umgebung“ zu vermeiden. Zwiebeln, Knollen und Wurzeln dürfen nicht ausgegraben werden. Nach der Ernte müssen die Pflanzen gründlich abgewaschen werden, bevor sie verzehrt werden. Foraging ist eine bereichernde Aktivität, die jedoch Verantwortung und Wissen erfordert.



