Die Ganzkörper-Magnetresonanztomographie (MRT) wird von Prominenten wie Kim Kardashian als Vorsorgeuntersuchung beworben, doch in Deutschland müssen gesetzlich Versicherte die Kosten in der Regel selbst tragen. Die Untersuchung, die den gesamten Körper auf Krankheiten wie Krebs durchleuchtet, kostet je nach Anbieter zwischen 1.000 und 2.500 Euro. Doch Radiologen und Fachgesellschaften warnen vor unnötigen Kosten und Verunsicherung durch Zufallsbefunde.
Was ist ein Ganzkörper-MRT und wie läuft es ab?
Bei einer Ganzkörper-MRT wird der Patient in eine Röhre geschoben, die mit starken Magnetfeldern und Radiowellen detaillierte Schnittbilder des Körpers erstellt. Anders als Röntgen oder CT kommt dabei keine ionisierende Strahlung zum Einsatz. Die Untersuchung dauert etwa 45 bis 60 Minuten und erfasst Kopf, Hals, Brust, Bauch, Becken und die großen Gelenke. „Ein Ganzkörper-MRT kann Tumore, Entzündungen oder Gefäßveränderungen sichtbar machen, die noch keine Symptome verursachen“, erklärt Dr. med. Thomas Vogl, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Frankfurt.
Für wen lohnt sich das Ganzkörper-Screening?
Die Deutsche Röntgengesellschaft (DRG) empfiehlt die Ganzkörper-MRT nicht als generelle Vorsorgeuntersuchung für gesunde Menschen. „Bei Personen ohne Risikofaktoren oder Symptome führt die Untersuchung häufig zu Zufallsbefunden, die weitere Abklärungen und Ängste auslösen, aber letztlich harmlos sind“, sagt Dr. Vogl. Sinnvoll sei das Screening nur für Menschen mit erhöhtem Krebsrisiko, etwa aufgrund familiärer Vorbelastung oder genetischer Mutationen wie BRCA1/2. Auch bei unklaren Schmerzen oder Verdacht auf bestimmte Erkrankungen kann der Arzt die MRT verordnen – dann übernimmt die Krankenkasse die Kosten.
Was kostet ein Ganzkörper-MRT als Selbstzahler?
Die Preise variieren stark: Einige Anbieter verlangen ab 1.000 Euro, andere bis zu 2.500 Euro für eine umfassende Untersuchung inklusive Befundbesprechung. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten die Kosten nur in Ausnahmefällen, wenn ein medizinischer Verdacht besteht. Private Krankenversicherungen übernehmen die Kosten oft, wenn der Arzt die Notwendigkeit bescheinigt. „Patienten sollten vor der Untersuchung klären, ob die Kasse zahlt, sonst bleiben sie auf den Kosten sitzen“, rät Vogl.
Kritik der Fachleute: Zufallsbefunde und Überdiagnostik
Studien zeigen, dass bei bis zu 30 Prozent der asymptomatischen Probanden Auffälligkeiten entdeckt werden, die sich später als gutartig erweisen. Diese Zufallsbefunde führen zu weiteren Untersuchungen, Biopsien und Operationen – mit Risiken wie Infektionen oder Narben. „Die psychische Belastung durch einen falschen Alarm ist nicht zu unterschätzen“, warnt der Radiologe. Zudem könnten echte Krebserkrankungen übersehen werden, weil die MRT nicht alle Organe gleich gut darstellt. Die Stiftung Warentest kommt zu dem Schluss: „Für gesunde Menschen ohne Risikofaktoren ist ein Ganzkörper-MRT eher Geldverschwendung.“
Fazit: Wann die Kasse zahlt
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die MRT nur bei medizinischer Indikation – also bei konkretem Krankheitsverdacht oder bekanntem Risiko. Wer als Selbstzahler ein Ganzkörper-Screening wünscht, sollte vorab ein ausführliches Beratungsgespräch mit einem Radiologen führen. „Nicht jeder Befund ist behandlungsbedürftig, und eine frühzeitige Diagnose rettet nicht immer Leben“, so Vogl. Die Entscheidung sollte immer auf Basis der individuellen Risikofaktoren getroffen werden.



