Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow zeichnen Zeugen ein ambivalentes Bild der Angeklagten Gina H. Die 30-Jährige steht unter Mordanklage, weil sie den Jungen am 10. Oktober vergangenen Jahres mit sechs Messerstichen getötet und dann angezündet haben soll. Am 17. Verhandlungstag vor dem Landgericht Rostock beschrieben mehrere Bekannte und Nachbarn die Angeklagte als aufbrausend und streitlustig. Ein Zeuge berichtete zudem von einem Bestechungsversuch.
Nachbarn berichten von Streitigkeiten
Gina H. lebte bis zu ihrer Festnahme am 6. November in einem 350-Seelen-Dorf nahe Rostock. Eine Nachbarin schilderte, dass es häufig Streit mit Matthias R. gegeben habe, dem Vater des getöteten Fabian. Gina H. war mehrere Jahre mit ihm liiert, die Beziehung endete im August 2025. Die Nachbarin berichtete, dass Gina H. auch gegenüber Fabian oft laut geworden sei und ihn schlechter behandelt habe als ihren eigenen Sohn.
Zeugin Sandra H. sieht alles normal
Eine zweite Zeugin, Sandra H., die ebenfalls in Reimershagen lebt, konnte diesen Eindruck nicht bestätigen. Sie sagte: „Für mich war alles normal.“ Gelegentlich habe Gina H. die Jungen laut ermahnt, wenn sie sich stritten. Sandra H. hatte nach der Trennung von Fabians Vater Mitleid mit der Angeklagten: „Mir tat dieser Mensch leid, eine verlorene Seele.“ Gina H. habe ihr von Suizidversuchen erzählt.
Verdacht nach Leichenfund
Nach dem Fund von Fabians Leiche sprach Sandra H. erneut mit Gina H., die ihr schilderte, wie sie den Jungen fand. Die Zeugin sagte vor Gericht: „Für mich war das klar, dass sie etwas damit zu tun hat.“ Sie selbst sei sehr aufgewühlt gewesen: „Ich habe überhaupt nicht geschlafen. Ich habe 20 Zigaretten geraucht und nur auf das Haus gestarrt. Ich habe die Welt nicht mehr verstanden.“
Bestechungsversuch mit 5000 Euro
Ein 24-jähriger Zeuge berichtete, dass ein Mann und eine Frau ihn auf seinem Grundstück bedroht und versucht hätten, ihn zu bestechen. 5000 Euro habe man ihm geboten, wenn er schlecht über Gina H. aussage – etwa, dass sie keine Kinder möge, ihre Tiere schlecht behandle und psychische Probleme habe. Der Zeuge lehnte ab und bezeichnete die Angeklagte als „beste Freundin“.
Weitere Zeugenaussagen
Eine weitere Bekannte, Katrin L., sagte aus, dass es häufig Streit zwischen Gina H. und Matthias R. gegeben habe. Nach der Trennung habe R. gesagt, seine Ex-Partnerin sei „krank im Kopf“ und müsse sich Hilfe suchen. Katrin L. beschrieb die Angeklagte als sehr auf sich bezogen und laut; in ihrer polizeilichen Vernehmung nannte sie H. „berechnend und eiskalt“. Eine andere Zeugin berichtete von einem Telefonat, in dem Gina H. gesagt habe: „So nett war Fabian gar nicht. Der hat immer versucht, uns auseinanderzubringen.“
Prozess wird fortgesetzt
Gina H. wird vorgeworfen, Fabian „heimtückisch“ und aus „niederen Beweggründen“ getötet zu haben. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Es gilt die Unschuldsvermutung.



