Staatsschulden: So will es Griechenland aus der Schuldenfalle schaffen
Griechenland setzt seinen Kurs der vorzeitigen Rückzahlung von Hilfskrediten fort. Am Montag tilgt das Land Darlehen in Höhe von 6,95 Milliarden Euro aus dem ersten Rettungspaket von 2010. Finanzminister Kyriakos Pierrakakis verfolgt damit mehrere Ziele: geringere Zinskosten, eine niedrigere Schuldenquote und eine verbesserte Bonität an den Kapitalmärkten. Vor allem aber soll die Fälligkeitsstruktur der Verbindlichkeiten geglättet werden, um einen sprunghaften Anstieg der Belastungen in der Mitte der 2030er-Jahre zu vermeiden.
Vorzeitige Tilgung von GLF-Krediten
Die nun zurückgezahlten Kredite stammen aus der sogenannten Greek Loan Facility (GLF), die im Mai 2010 von den Euro-Partnern geschnürt wurde. Ursprünglich war das Paket auf 110 Milliarden Euro ausgelegt, ausgezahlt wurden jedoch nur 52,9 Milliarden Euro. Seit 2022 hat Griechenland bereits 26,5 Milliarden Euro vorzeitig getilgt. Die aktuellen Sondertilgungen betreffen Raten, die regulär in den Jahren 2029 sowie 2033 bis 2035 fällig gewesen wären. Finanziert wird die Rückzahlung aus Rücklagen und Haushaltsüberschüssen. Pierrakakis kündigte an, die verbleibende Restschuld von 19,4 Milliarden Euro bis 2031 zurückzuzahlen – zehn Jahre vor der Endfälligkeit.
Deutschland profitiert als größter Gläubiger
Deutschland ist der größte GLF-Gläubiger und erhält rund zwei Milliarden Euro aus der aktuellen Tilgung zurück. Die Bundesregierung hatte 2010 über die KfW-Bankengruppe 15,2 Milliarden Euro bereitgestellt. Die Zinszahlungen Griechenlands auf den deutschen Anteil belaufen sich bislang auf knapp 1,5 Milliarden Euro. Insgesamt spart Griechenland durch die bisherigen Sondertilgungen Zinskosten von 795 Millionen Euro. Allein die aktuelle Rückzahlung senkt die Zinslast um rund 100 Millionen Euro und reduziert die Schuldenquote um 2,5 Prozentpunkte.
Schuldenquote sinkt – Italien überholt Griechenland
Die griechische Regierung erwartet, dass die Schuldenquote von 146,1 Prozent des BIP im Jahr 2025 auf 136,8 Prozent Ende 2026 sinkt. Damit wäre Italien mit 138,6 Prozent das höchstverschuldete EU-Land. Bis Ende des Jahrzehnts soll die Quote auf etwa 115 Prozent fallen, womit Griechenland auch Frankreich und Belgien hinter sich lassen könnte.
Bessere Ratings als Schlüssel zur Refinanzierung
Mit dem Schuldenabbau will Pierrakakis die Kreditwürdigkeit weiter verbessern. Die Sondertilgung erfolgt bereits im Juni und nicht wie in den Vorjahren im Dezember, da die großen Ratingagenturen im Herbst ihre Bewertungen aktualisieren. Zwischen 2023 und 2025 hatten alle Agenturen Griechenland wieder in die Gruppe der investitionswürdigen Schuldner aufgenommen. Ein gutes Rating ist entscheidend, denn in den kommenden Jahren muss das Land auslaufende zinsgünstige Hilfskredite durch Anleihen zu Marktbedingungen ersetzen.
Herausforderungen ab 2033
Kritisch wird die Entwicklung ab 2032, wenn wichtige Entlastungsmaßnahmen der öffentlichen Gläubiger auslaufen. Die Euro-Gruppe hatte 2018 Schuldenerleichterungen für Athen beschlossen: Zinszahlungen und Tilgungen für Kredite aus dem zweiten Rettungspaket (96 Milliarden Euro) wurden bis Ende 2032 gestundet. Ab 1. Januar 2033 endet dieser Aufschub, und die gestundeten Zinsen werden fällig – etwa 25 bis 30 Milliarden Euro. Der Finanzierungsbedarf steigt dann stark an: von rund neun Milliarden Euro im Jahr 2032 auf etwa 17 Milliarden im Jahr 2033. Insgesamt summieren sich die Fälligkeiten zwischen 2033 und 2038 auf rund 77 Milliarden Euro.
Sicherheitsnetz der Gläubiger
Pierrakakis will daher GLF-Kreditraten mit Fälligkeiten zwischen 2033 und 2038 vorzeitig tilgen, um das Tilgungsprofil zu glätten. Auch Sondertilgungen von Krediten aus dem zweiten Rettungspaket werden geprüft, was jedoch Abstimmungen mit dem Euro-Stabilitätsmechanismus (ESM) erfordert. Die öffentlichen Gläubiger haben ein Sicherheitsnetz gespannt: Die Euro-Gruppe stellte 2018 in Aussicht, notfalls weitere Erleichterungen zu prüfen. Die Europäische Kommission soll 2032 eine Tragfähigkeitsanalyse vorlegen. Überschreitet der Bruttofinanzierungsbedarf kritische Schwellenwerte, könnte die Euro-Gruppe zusätzliche Schuldenerleichterungen beschließen.



