Viele Menschen greifen bei starken Schmerzen zu zwei Tabletten Ibuprofen 400 Milligramm, da die 800-Milligramm-Version verschreibungspflichtig ist. Rein rechnerisch ergibt das die gleiche Dosis, doch die Wirkung ist nicht zwangsläufig identisch. Prof. Dr. Dominik Irnich, Leiter der Interdisziplinären Schmerzambulanz und Tagesklinik am LMU Klinikum München, klärt über den Irrtum auf.
Wirkung von zwei 400er Ibuprofen versus einer 800er
„Ja, im Prinzip wirken zweimal 400 Milligramm genauso wie 800 Milligramm Ibuprofen“, sagt Prof. Irnich gegenüber FITBOOK. Allerdings betont er, dass die optimale Dosierung von mehreren Faktoren abhängt: „Da Menschen mit Schmerzen je nach Gewicht, Geschlecht und Stoffwechsellage unterschiedliche Dosierungen benötigen, ist es sinnvoll, dass auch Substanzen mit unterschiedlichen Dosierungen vorhanden sind.“ Ziel sei es, die beste Wirkung mit möglichst wenigen Nebenwirkungen zu erzielen. Auch die Wirkdauer spiele eine Rolle. „Am besten bespricht das der Patient mit dem Arzt“, rät der Experte.
Warum 800 Milligramm verschreibungspflichtig sind
In Deutschland ist Ibuprofen bis zu 400 Milligramm rezeptfrei erhältlich. Prof. Irnich sieht diese Praxis kritisch, da das Schmerzmittel zahlreiche Nebenwirkungen und Gegenanzeigen aufweist. Höhere Dosierungen sind verschreibungspflichtig, vor allem wegen des erhöhten Risikos unerwünschter Wirkungen. Ibuprofen gehört zu den nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) und kann bei höherer oder längerer Einnahme Magen-Darm-Beschwerden, innere Blutungen sowie Nieren- und Leberschäden verursachen. Eine ärztliche Begleitung sei daher unabdingbar.
Richtige Einnahme bei akuten Schmerzen
Bei akuten Schmerzen empfiehlt Prof. Irnich eine regelmäßige Einnahme über zwei bis drei Tage, anstatt zu warten, bis die Wirkung nachlässt. „Im akuten Fall sollten Schmerzmittel lieber zwei bis drei Tage regelmäßig eingenommen und nicht gewartet werden, bis die Wirkung nachlässt.“ Das Ziel sei, den Schmerz gar nicht erst wieder voll hochkommen zu lassen. Studien zeigten, dass bei regelmäßiger Einnahme am Ende weniger Tabletten benötigt werden. Gleichzeitig mahnt der Mediziner zur Vorsicht: „Der Magen sollte bei einer Ibuprofen-Einnahme frühzeitig geschützt werden. Eine längere Einnahme muss unbedingt mit dem Arzt besprochen werden.“
Kein Ibuprofen bei chronischen Schmerzen
Bei chronischen Schmerzen rät Prof. Irnich von Ibuprofen ab: „Da sind die unerwünschten Wirkungen, auch Organschäden, zu häufig und die Wirkung lässt darüber hinaus oft nach.“ Für eine langfristige Schmerztherapie seien andere Medikamente oder Therapieansätze besser geeignet.



