In Deutschland wächst der Druck, das traditionelle Sonntagsverkaufsverbot zu lockern. Während in vielen EU-Ländern Geschäfte an Sonntagen ohne größere Einschränkungen öffnen dürfen, bleibt Deutschland strikt. Handelsverbände und zunehmend auch Politiker fordern eine Anpassung an die europäischen Standards.
Forderungen aus der Politik
Christian von Stetten (55, CDU), Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, spricht sich klar für eine Ausweitung der Sonntagsöffnungszeiten aus: „Der Bundestag entscheidet über die Sonntagsarbeitszeiten und die Bundesländer über die Sonntagsöffnungszeiten. In beiden Fällen bin ich für eine großzügige Ausweitung der bisherigen Regelungen.“ Auch FDP-Chef Wolfgang Kubicki (74) fordert die Freigabe: „Eine echte Flexibilisierung wäre dringend notwendig. Wer Läden zwangsweise geschlossen halten will, darf sich nicht über sterbende Innenstädte beschweren.“
Internationaler Vergleich und deutsche Regelungen
Der Berliner Handelsexperte Nils Busch-Petersen (63) plädiert für eine radikale Reform: „Wir sollten den alten Zopf radikal abschneiden. Das haben 1993 die Briten gemacht und 2012 die Italiener und Spanier.“ Aktuell regulieren 15 EU-Länder Sonntagsöffnungen nicht mehr, neun teilweise. Nur in Polen und Slowenien bleibt der Sonntag weitgehend tabu. In Deutschland sind Sonntagsöffnungen nur zu besonderen Anlässen erlaubt – in Berlin beispielsweise maximal zehnmal im Jahr von 13 bis 20 Uhr.
Wirtschaftliche Notwendigkeit und Widerstand
Marcel Fratzscher (55), Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), fordert eine begrenzte Freigabe, insbesondere für kleine Geschäfte: „Gerade kleinere Geschäfte bräuchten mehr Flexibilität, um im Wettbewerb mit Online-Plattformen bestehen zu können.“ Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion lehnt eine generelle Abschaffung des Sonntagsverbots jedoch ab. Ihr Vize-Fraktionschef Sepp Müller (37) betont: „Der Sonntag bleibt für uns ein Tag für Familie, Erholung und Gemeinschaft.“
Bundesregierung plant Vorstoß
Die Bundesregierung bringt Bewegung in die Diskussion: Ab 2027 soll die maximale Arbeitszeit in Backstuben von drei auf acht Stunden verlängert werden. Dies zeigt, dass eine Lockerung der Sonntagsregeln möglich ist, soweit es in die eigene Zuständigkeit fällt. Die Debatte um das Sonntags-Shopping bleibt jedoch kontrovers.



