Raststätten-Wucher: 4,50 Euro für Laugenstange – niemand stoppt hohe Preise
Raststätten-Wucher: 4,50 Euro für Laugenstange

Reisende an Raststätten, Flughäfen und Bahnhöfen in Deutschland zahlen für Speisen und Getränke oft deutlich mehr als in der Innenstadt. Eine Laugenstange kostet dort beispielsweise 4,50 Euro – ein Preis, den viele als Wucher bezeichnen. Doch Kartellbehörden und Verbraucherschützer halten sich bei den hohen Preisen zurück.

Anbieter rechtfertigen Preise mit Standortkosten

Die Betreiber der Gastronomie an Verkehrsknotenpunkten verweisen auf besondere Bedingungen: Hohe Mieten, lange Öffnungszeiten und Sicherheitsauflagen führten zu höheren Kosten. Ein Sprecher von Tank & Rast erklärte gegenüber dem Tagesspiegel: „Als Unternehmen mit Kundenfokus legen wir großen Wert darauf, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis in unseren Betrieben stimmt.“

Dennoch fühlen sich viele Reisende abgezockt. Ein Vergleich zeigt: Während ein Brötchen in einer Bäckerei in der Stadt oft weniger als einen Euro kostet, verlangen Raststättenbetreiber das Drei- bis Vierfache. Die Preise für Kaffee und belegte Brötchen liegen ebenfalls deutlich über dem Durchschnitt.

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Kartellbehörden sehen keinen Handlungsbedarf

Das Bundeskartellamt und die Verbraucherzentralen zeigen bislang wenig Initiative, um die Preisgestaltung zu regulieren. Ein Sprecher des Kartellamts betonte, dass hohe Preise allein keinen Wettbewerbsverstoß darstellten. Solange keine Absprachen zwischen Anbietern vorlägen, sei der Markt frei. Verbraucherschützer kritisieren jedoch, dass Reisende oft keine Alternative haben – sie sind auf die Angebote vor Ort angewiesen.

Die Monopolkommission hatte bereits 2021 in einem Gutachten darauf hingewiesen, dass an Autobahnraststätten ein „strukturelles Marktversagen“ vorliege. Die Standorte seien durch Konzessionen vergeben, was den Wettbewerb einschränke. Bislang blieb das Gutachten jedoch ohne politische Konsequenzen.

Politik zeigt wenig Interesse an Regulierung

Weder die Bundesregierung noch die Länder haben konkrete Schritte unternommen, um die Preise zu deckeln. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen fordert eine Transparenzpflicht für Gastronomen an Verkehrsknotenpunkten. „Reisende sollten vor dem Kauf wissen, wie hoch der Aufschlag ist“, so ein Sprecher. Bisher scheitern solche Vorstöße jedoch am Widerstand der Betreiber.

Die hohen Preise treffen vor allem Pendler und Urlauber, die auf die Schnellrestaurants und Bäckereien angewiesen sind. Ein Reisender klagte: „4,50 Euro für eine Laugenstange ist Wucher. Aber man kann nicht einfach weiterfahren – man muss essen.“

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