Pünktlich zum Start der großen Sommerreisewelle ziehen die Spritpreise wieder an. Der Tankrabatt ist Geschichte, und die Konflikte im Iran und der Ukraine eskalieren. Millionen Urlauber, die mit dem Auto, Wohnwagen oder Campingwagen in die Ferien starten, müssen mit einem kostspieligen Reisesommer rechnen.
Ferienstart in vielen Bundesländern
Seit Tagen rollt der Ferienverkehr über Deutschlands Autobahnen. In Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland haben die Sommerferien bereits begonnen. An diesem Donnerstag starten auch Berlin, Brandenburg und Hamburg in den Urlaub. Vor allem Diesel gerät in Europa immer stärker unter Druck.
Ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien
Hintergrund sind die anhaltenden ukrainischen Angriffe auf russische Ölraffinerien. Dadurch sind die Diesel-Exporte Russlands – einem der wichtigsten Lieferanten weltweit – massiv eingebrochen. Gleichzeitig sind die Lieferketten wegen der Unruhen im Nahen Osten ohnehin angespannt.
Der sogenannte Diesel-„Crack Spread“, ein wichtiger Indikator für die Knappheit des Kraftstoffs, ist auf den höchsten Stand seit April gestiegen. „Die Exporte aus Russland sind schockierend niedrig“, sagte Eugene Lindell, Leiter des Bereichs Raffinerieprodukte bei der Beratungsgesellschaft FGE NexantECA. „Gleichzeitig fehlt uns weiterhin der Großteil der Lieferungen aus dem Persischen Golf.“ Zudem steige in Europa der Kauf von Heizöl deutlich an.
Daten des Analyseunternehmens Vortexa zeigen, dass sich die russischen Diesel-Lieferungen im Juni im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbiert haben. Auch Anfang Juli gab es bislang kaum Anzeichen für eine Erholung. Zusätzlich könnte die extreme Hitze in Europa die Produktion einzelner Raffinerien bremsen.
Analystin bestätigt Ursachen
Auch die Analystin Natalia Losada von Energy Aspects sieht die Ursachen klar: „Der Anstieg der Dieselpreise wurde durch sinkende russische Dieselexporte nach Drohnenangriffen auf mehrere Raffinerien verursacht“, sagte sie. Zudem werde „selbst ein mögliches Exportverbot den Wettbewerb um Lieferungen von der US-Golfküste und aus den Gebieten östlich von Suez verschärfen“.
Benzinpreise steigen ebenfalls
Aber nicht nur Diesel bereitet Sorgen. Nach den jüngsten Angriffen der USA auf Ziele im Iran sind auch die Ölpreise wieder deutlich gestiegen. Die Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich zeitweise um 2,6 Prozent auf gut 76 Dollar je Barrel. Bereits zuvor hatten Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus den Ölpreis nach oben getrieben. Ein höherer Ölpreis schlägt in der Regel zeitversetzt auch auf die Preise an den Zapfsäulen durch – egal ob Benzin oder Diesel.



